Suche

17.04.2019

Im Süden Kasachstans wirbt Schymkent um neue Investoren

Millionenmetropole plant Ausbau ihrer Sonderwirtschaftszone und neue Industrieparks / Von Jan Triebel

Schymkent (GTAI) - In Kasachstans drittgrößter Stadt Schymkent werden die Produktionsflächen knapp. Deshalb ist geplant, eine Sonderwirtschaftszone auszubauen und zwei neue Industrieparks einzurichten.

Die südkasachische Millionenmetropole Schymkent konnte in den vergangenen Jahren zahlreiche in- und ausländische Investoren gewinnen. Kluge Schachzüge waren die Gründung einer Sonderwirtschaftszone (SWZ) und die Erschließung mehrerer Industrieparks mit guter Infrastruktur. Inzwischen ist ein bunter Gewerbemix entstanden.

Von zentraler Bedeutung sind die Sonderwirtschaftszone Ontustik (kasachisch für Süden; https://kazsez.com) mit rund 200 Hektar Fläche sowie die beiden Industriezonen Ontustik (337 Hektar) und Tassai (kasachisch für Stein; 89 Hektar). Von den insgesamt etwa 140 Vorhaben sind schon einige umgesetzt. Laut Stadtverwaltung von Schymkent (Akimat) beträgt das Investitionsvolumen mittlerweile umgerechnet 300 Millionen US-Dollar (US$). Nach der Hauptstadt Nur-Sultan und Almaty erhielt Schymkent Mitte 2018 als landesweit dritte Kommune den Status einer "Stadt mit republikweiter Bedeutung". Seitdem ist sie verwaltungstechnisch eigenständig und gehört keinem kasachischen Gebiet (Oblast) mehr an.

Erweiterung der Sonderwirtschaftszone Ontustik

Die städtische Wirtschaftsförderagentur SPK Shymkent (http://openspk.kz), die als Dachgesellschaft auch die Aktivitäten der Industriezonen Ontustik und Tassai steuert, hat derzeit ein Problem: In den Arealen, die für Industrieansiedlungen ausgewiesen sind, wird der Platz knapp. Freie Flächen sind kaum noch zu haben.

Als ausgebucht gilt die Industriezone Ontustik, wo rund 90 Unternehmen vier Fünftel des verfügbaren Geländes beanspruchen. Auf den wenigen übrigen Flächen befinden sich Verkehrswege und Infrastrukturanlagen, die für die Strom-, Wasser- und Gasversorgung benötigt werden.

In der Schymkenter Industriezone Tassai sieht es genauso aus. Das Areal, das sich über 72 Hektar erstreckt und etwa 30 Betriebe beherbergt, war Anfang 2019 fast voll belegt.

In der Sonderwirtschaftszone (SWZ) Ontustik herrschen ähnliche Zustände. Laut der dortigen Managementgesellschaft war zuletzt nur noch eine rund 5 Hektar große Fläche frei. Um weiterhin Investoren anwerben zu können, muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Eine Erweiterung der SWZ Ontustik galt zwar lange als ausgeschlossen, doch nun scheint Bewegung ins Spiel zu kommen. Aktuellen Pressemeldungen zufolge rechnet SPK Shymkent fest damit, die SWZ bald auf etwa 500 Hektar ausdehnen zu können. Der zusätzliche Platz dürfte die Ansiedlung von rund 30 Firmen ermöglichen.

Wie die anderen Sonderwirtschaftszonen in Kasachstan verzichtet die Schymkenter SWZ auf die Erhebung der Körperschaft-, Vermögen- und Grundsteuer. Auch von Zöllen im grenzüberschreitenden Geschäft sind die ansässigen Unternehmen weitestgehend befreit. Zudem erhalten sie subventionierte Tarife für Strom, Wasser und Gas. Diese liegen für Industriebetriebe in der SWZ Ontustik derzeit um etwa ein Viertel niedriger als anderswo in Schymkent.

Schymkent plant neue Industriezonen

Außerdem planen die Schymkenter Wirtschaftsförderer neue Industriezonen am Reißbrett. Speziell für die Agroindustrie wurde bereits ein passendes Grundstück mit 136 Hektar Fläche gefunden. Es liegt am internationalen Flughafen von Schymkent in unmittelbarer Nähe zu einem 92 Hektar großen Logistikzentrum. Die Erschließungsarbeiten für diese Agroindustriezone sollen demnächst beginnen. Ab Mitte 2020 könnte sie bezugsfertig sein.

Darüber hinaus beabsichtigt SPK Shymkent, die zwei bestehenden allgemeinen Industriezonen um eine dritte zu erweitern. Die Planungsarbeiten für die neue Zone, die Schuldys (kasachisch für: Stern) heißen soll, sind bereits im Gange. Am Rande des gleichnamigen Schymkenter Wohnviertels ist ein 76 Hektar großes Areal ausgewählt worden, das bis zu 20 neuen Industriebetrieben Platz bieten kann. Unternehmen der Möbelbranche, Hersteller von Ölprodukten und eine Reihe von Metallverarbeitern sollen ihr Interesse bereits angemeldet haben. Die Initiatoren hoffen zudem auf einen hohen Zulauf von Baustoff- und Baumaterialienproduzenten.

Die Erschließung der neuen Industriezone Schuldys soll noch 2019 beginnen und zügig fertiggestellt werden. Die Anschlüsse der Zone an die Versorgungsnetze für Wasser, Gas und Strom sowie die Anbindungen an die Verkehrstrassen werden den kasachischen Staat schätzungsweise 5 Millionen US$ kosten. Der Startschuss zum Bau der ersten Produktionshallen wird im Laufe des Jahres 2020 erwartet.

Schymkent erwägt Brownfield-Optionen in seinen Industriezonen

Für Firmen, die sich keine umfangreichen Bauinvestitionen leisten können, will SPK Shymkent in der Industriezone Schuldys Brownfield-Optionen anbieten. Statt selbst bauen zu müssen, sollen Interessenten fertig ausgestattete Produktionsflächen mieten können. Vergleichbare Offerten sind auch in den bereits existierenden Industriezonen vorgesehen. Auf sogenannten Reservearealen könnten in der Industriezone Ontustik Hallen mit rund 10.000 Quadratmetern Fläche entstehen, um sie kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Miete zu überlassen.

Ansiedlung in Sonderwirtschafts- und Industriezonen wird einfacher

Es gibt weitere gute Nachrichten: Der bürokratische Aufwand, der bisher mit einer Niederlassung in einer Sonderwirtschafts- oder Industriezone in Schymkent und anderswo in Kasachstan verbunden war, wird geringer. Der neue kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat Anfang April 2019 ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Es vereinfacht das Verfahren, mit dem die Nutzungsrechte an Grundstücken in Sonderzonen übertragen werden. Künftig liegen die Nutzungsrechte für sämtliche Flächen einer Sonderwirtschafts- oder Industriezone allein bei der staatlichen juristischen Person, die die jeweilige Zone verwaltet. Zudem bestimmt das Gesetz, dass die Managementgesellschaften die Nutzungsrechte selbständig und unkompliziert an ansiedlungswillige Unternehmen weiterreichen können.

Bislang musste für jeden Fall ein umständliches und zeitaufwändiges Verfahren zum Erlangen der Nutzungsrechte durchlaufen werden. Laut der kasachischen Wirtschaftszeitung Kursiv waren dafür bis zuletzt 78 Unterschriften notwendig. Da sie auf verschiedenen Entscheidungsebenen eingeholt werden mussten, betrugen die Bearbeitungszeiträume vier Monate und mehr.

Kontaktadressen

SPK Shymkent

X08H7M4 g. Schymkent

Bisnes-zentr Kainar, pr. Baidibek-Bi 126/1

T +7 7252 39 20 22

info@spk.gov.kz

http://openspk.kz

AO Uprawljajuschtschaja kompanija SES Ontustik

(Managementgesellschaft der SWZ Ontustik)

X15E9A8 g. Schymkent

Jenbekschinski raion, schiloi massiw Schuldys, sdanije 336

T +7 7252 92 11 05

M +7 777 331 43 33

ao_sez@mail.ru

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kasachstan sind unter http://www.gtai.de/kasachstan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Wirtschaftsförderung, Industriepolitik

Funktionen

Kontakt

Kathleen Beger

‎+49 228 24 993 283

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche