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26.02.2019

In Russland steigt der Bedarf an Verpackungen

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Lebensmittelhersteller und Pharmaindustrie weiten ihre Produktion aus / Von Gerit Schulze (Januar 2019)

Moskau (GTAI) - Wichtige Abnehmerbranchen für Verpackungen in Russland konnten ihre Produktion 2018 trotz schwacher Konjunktur steigern. Der Staat fördert die Modernisierung dieser Industriezweige.

Auch in Zeiten sinkender Kaufkraft und schwacher Konjunkturentwicklung bleibt Russland ein attraktiver Wachstumsmarkt für Verpackungen. Nach Einschätzung des Branchenverbands NK Pak erhöht sich der Bedarf jährlich zwischen 3 und 4 Prozent und damit ähnlich dynamisch wie der Weltmarkt insgesamt. Die wichtigen Abnehmerbranchen verzeichneten 2018 steigende Produktionsmengen.

Entwicklung der Produktion ausgewählter Erzeugnisse (Veränderung in %)
Warengruppe Veränderung 2017/2016 Veränderung 2018/17 *)
Nahrungsmittel 5,6 4,9
Getränke -1,0 2,7
Pharmazeutika 12,3 7,5

*) Januar bis November

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Auf Russland entfallen 2 Prozent der globalen Verpackungsnachfrage, so das britische Marktforschungsunternehmen Smithers Pira. Das Marktvolumen für Verpackungsmaterial betrug demnach 2017 rund 12,8 Milliarden US-Dollar (US$). NK Pak schätzt die Marktgröße sogar auf 17 Milliarden US$. Besonders stark wächst der Bedarf an Verpackungen aus Wellpappe und Hartplastik.

Nachfrage entsteht besonders in der aufstrebenden Lebensmittelindustrie, die weiterhin gestärkt wird durch das Embargo für westliche Nahrungsprodukte und den schwachen Rubel. Der Staat fördert den Aufbau von Verarbeitungsbetrieben. Hinzu kommt, dass sich der Einzelhandel weiter modernisiert. Supermarktketten steigern ihre Marktanteile, während Großmärkte und basarartige Verkaufsflächen, wo viel unverpackte Ware angeboten wird, an Bedeutung verlieren.

Potenzial ergibt sich außerdem durch verändertes Konsumverhalten. Der Anteil der Singlehaushalte wächst auch in Russland, daher geht der Trend zum Downsizing, also zu kleineren Behältern, Flaschen und Tüten. Meist kommt noch ein neues, moderneres Design hinzu. Die Hersteller können dadurch höhere Margen erzielen.

Die Verpackungsgrößen sind in Russland wenig standardisiert. So wird Milch auch in Kartons mit 0,97 Liter oder 0,83 Liter Fassungsvermögen verkauft. Eine Tafel Schokolade kann 90, 87 oder 75 Gramm wiegen.

Struktur des russischen Verpackungsmarktes
Verpackungsmaterial Marktanteil (in %)
Karton und Papier 36
Weiche Kunststoffverpackungen 20
Hartplastik 18
Glas 12
Metall 10
Sonstige 4

Quelle: NK PAK, Präsentation "Russischer Verpackungsmarkt", Juni 2018 (http://www.ncpack.ru)

Boom bei Lieferdiensten und Internethandel

Angesichts der gesunkenen Kaufkraft gehen weniger Menschen ins Restaurant und bestellen stattdessen warme Mahlzeiten im Internet. Lieferdienste verzeichnen steigende Umsätze, das Marktvolumen wird bereits auf 1 Milliarde US$ geschätzt. Das führt zu Bedarf an entsprechenden Verpackungen.

Mehr Kartons werden auch für den Internethandel benötigt. Auf Rubelbasis sollen die Umsätze 2018 um ein Fünftel auf umgerechnet 20 Milliarden Euro zugelegt haben. Russlands Online-Handel könnte bis 2024 auf 46 Milliarden Euro wachsen, so die Analyse von Morgan Stanley.

Hersteller von Wellpappe expandieren

Bei Wellpappe soll der Verbrauch bis 2020 jährlich um 3 bis 4 Prozent steigen. Russlandweit stehen mehrere Investitionsprojekte zur Erhöhung der Produktionskapazitäten an (unter anderem Archbum, Geopak, SFT Group, Smurfit Kappa).

Bei der Produktion von Verpackungen müssen die Hersteller berücksichtigen, dass die Recyclinganforderungen zunehmen. Die Wiederverwertungsquote bei Verpackungen aus Wellpappe steigt bis 2020 auf 45 Prozent. Bei Verpackungen aus Karton, Papier und Eisen verdoppelt sie sich in diesem Zeitraum.

Vorgeschriebene Recyclingquoten bei verschiedenen Verpackungsarten (in %)
Verpackungsmaterial 2018 2019 2020
Wellpappe 25 35 45
Karton und Papier 10 15 20
Kunststoff und Aluminium 10 15 20
Eisen 15 20 30
Glas 15 20 25
Holz und Kork 10 15 20
Textilien 0 5 10

Quelle: Regierungsverordnung Nr. 2971 vom 28. Dezember 2017

Außerdem sollten zum 1. Januar 2019 die Umweltgebühren für 54 Arten von Waren und Verpackungen deutlich angehoben werden. Für Papier- und Kartonverpackungen ist eine Abgabe von 3.055 Rubel je Tonne (knapp 40 Euro) vorgesehen. Nach Protesten von Branchenverbänden wurde das Vorhaben aber zunächst verschoben.

Dennoch rücken Themen wie Kreislaufwirtschaft, Langlebigkeit, Mehrfachverwendung und biologisch abbaubare Ausgangsstoffe bei russischen Verpackungsherstellern in den Fokus. Bei der Produktion von Verpackungen muss deren spätere Recyclingfähigkeit stärker berücksichtigt werden.

Auch in der Bevölkerung wächst das Bedürfnis, Einwegverpackungen aus Plastik zu vermeiden. Jeder vierte Verbraucher nutzt bereits eigene Taschen für die Einkäufe. Große Supermarktketten haben die kostenlose Abgabe von Plastiktüten eingestellt. Generelle Verbote von Plastiktüten sind bislang nicht vorgesehen, lediglich regional - am Baikal und im Schwarzmeerkurort Sotschi - sind solche Einschränkungen geplant.

Ausländische Hersteller von Verpackungsmaschinen müssen beachten, dass Russland auch auf diesem Gebiet eine Politik der Importsubstitution verfolgt. Laut "Strategie zur Entwicklung des Nahrungs- und Verpackungsmaschinensektors" soll sich der Anteil lokal gefertigter Ausrüstung bis 2030 auf 62 Prozent mehr als verdoppeln. Ein Verzeichnis einheimischer Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen führt das Industrieministerium: http://minpromtorg.gov.ru/docs/#!katalog_rossiyskih_proizvoditeley_mashin_i_oborudovaniya_dlya_pishhevoy_i_pererabatyvayushhey_promyshlennosti.

Nahrungsmittelindustrie gehört zu den Wachstumsbranchen

Die real verfügbaren Einkommen der Bevölkerung könnten nach ersten Schätzungen 2018 zum fünften Mal in Folge geschrumpft sein. Dennoch wächst die Lebensmittelherstellung gegen den Markttrend. Von Januar bis November 2018 lag der Produktionsindex um fast 5 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Branche gehört damit zu den dynamischsten Industriezweigen in Russland.

Der Staat setzt die Förderung der Agrar- und Lebensmittelindustrie intensiv fort. Nach Plänen der Regierung könnten sich die Agrarexporte bis 2024 auf 45 Milliarden US$ mehr als verdoppeln. Dabei soll sich vor allem der Anteil verarbeiteter Produkte erhöhen. Ab 2019 fließen jährlich 300 Milliarden Rubel (3,8 Milliarden Euro) Subventionen in den Agrarsektor (Übernahme von Transportkosten, Investitionen in Melioration, zinsgünstige Kredite).

Produktion ausgewählter Nahrungs- und Genussmittel (Veränderung in %)
Warengruppe Produktion 2017 (in 1.000 t) 1) Veränderung 2017/16 Veränderung 2018/17 2)
Milch (ohne Rohmilch) 5.336 -2,4 2,7
Butter 269 7,8 k.A.
Käse 462 5,5 2,8
Joghurt 790 4,1 k.A.
Rindfleisch 172 5,5 k.A.
Schweinefleisch 2.218 9,0 k.A.
Geflügelfleisch 4.766 7,4 -0,2
Fleischkonserven (in Mio. Verpackungseinheiten) 403 1,2 k.A.
Fisch, gefroren 3.052 2,6 6,1
Fischkonserven (in Mio. Verpackungseinheiten) 192 10,3 8,7
Gemüse (ohne Kartoffeln) und Pilze, konserviert 31 30,3 16,9
Pflanzenöl, unraffiniert 5.773 8,7 2,8
Backwaren mit kurzer Haltbarkeit 5.957 -3,6 -2,4
Nudel- und Teigwaren aus Mehl 1.250 3,8 k.A.
Süßwaren 1.795 3,5 5,4
Zigaretten (in Mrd. Stück) 246 -25,8 3,0
Frucht- und Gemüsesäfte (in Mio. Verpackungseinheiten) 1.069 -15,3 6,2

1) sofern nicht anders angegeben; 2) Januar bis November

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Zweistelliges Wachstum in der Fleischindustrie

Von den Importverboten für europäische Nahrungsmittel profitiert die Fleischindustrie weiterhin in besonderem Maße. Ihr Ausstoß ist von Januar bis November 2018 um über 12 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode gestiegen. Besonders dynamisch wächst die Schweinefleischproduktion, die sich seit 2010 mehr als verdreifacht hat und 2018 bei über 2,7 Millionen Tonnen lag, so die Prognosen des Marktforschungsunternehmens Credinform. Auf die größten Volumina kommt die Geflügelproduktion mit 4,6 Millionen Tonnen (2018).

Der Fleischverbrauch pro Kopf könnte 2018 mit 77 Kilogramm einen neuen Höchstwert erreicht haben, so Credinform. Andere Quellen geben den Jahresverbrauch an Fleisch und Fleischprodukten mit 90 Kilogramm an. Zu den führenden Fleischproduzenten zählen Swinokompleks Korotsch (Gebiet Belgorod), Agrokompleks Tkatschew (Krasnodar), Prioskolje (Sankt Petersburg), Tscherkisowo-Swinowodstwo (Lipezk) und Welikolukski mjasokombinat (Pskow).

Die Investitionen in die Fleischerzeugung gehen weiter. Das Agrarunternehmen Damate will bis 2020 im Gebiet Pensa eine Fabrik zur Verarbeitung von Putenfleisch errichten. Dafür wurde im Herbst 2018 eine Investitionsvereinbarung mit der Regionalverwaltung unterzeichnet. Geplant sind 13 Produktionslinien für Wurst, Schinken und Halbfabrikate.

Erträge aus Gewächshäusern steigen

Russlands Gemüseproduzenten freuten sich über den ungewöhnlich warmen Sommer 2018. Ihre Erträge stiegen im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Fünftel. Sehr gut läuft auch die Entwicklung bei Gewächshauskulturen. Für 2018 rechnet das Landwirtschaftsministerium mit einem Ertrag von 1 Million Tonnen Treibhausgemüse, ein Plus von 12 Prozent zum Vorjahr. Bis 2024 soll die Produktion auf 1,5 Millionen Tonnen steigen. Die positive Entwicklung beflügelt auch die Safthersteller.

Großer Nachholbedarf bei Milchprodukten

Die Produktion von Milch und Milchprodukten wächst dank der Inbetriebnahme neuer Kapazitäten. Geschützt vor Konkurrenz aus Westeuropa gedeiht die Branche und erhöht den Selbstversorgungsgrad des Landes. Der Ausstoß an Milch und Käse ist 2018 nach ersten Schätzungen um 3 Prozent gestiegen. Dennoch kann das Land erst drei Viertel seines Rohmilchbedarfs selbst decken.

Außerdem ist der Nachholbedarf beim Verbrauch enorm. Während zu Sowjetzeiten laut Wirtschaftszeitschrift Ekspert 340 Kilogramm Milchprodukte pro Kopf und Jahr konsumiert wurden, sind es derzeit nur 230 Kilogramm. Auch im internationalen Vergleich liegt der Verzehr unter dem Durchschnitt.

Beim Verbrauch geht die Entwicklung weg von reiner Trinkmilch hin zu Milchmischgetränken wie Trinkjoghurts, Fruchtkefir oder Erdbeermilch. Nach Meinung von Marktforschern haben außerdem pflanzliche Milchersatzgetränke wie Kokos-, Soja- oder Reismilch gute Wachstumsaussichten. Bislang liegt ihr Anteil in Russland noch unter 1 Prozent des Milchverbrauchs.

Ein Wachstumssegment ist außerdem laktosefreie Milch. Sie ist bislang noch ein Nischenprodukt, verzeichnet aber überdurchschnittliche Absatzraten. Einige Inlandshersteller wie Valio in Sankt Petersburg oder Ostankinski molotschny kombinat in Moskau haben solche Milchsorten bereits im Angebot. Euromonitor erwartet für die nächsten fünf Jahre Zuwachsraten von jeweils einem Drittel.

Dank staatlicher Subventionen und angesichts des Nachholbedarfs investieren russische und internationale Holdings weiter in die Milcherzeugung und -verarbeitung. Darunter sind auch chinesische und vietnamesische Investoren. Die Firma Ekoniva des deutschen Landwirts Stefan Dürr plant Projekte in Baschkortostan, im Moskauer und im Leningrader Gebiet. Hochland will in Russland seine Käseproduktion ausweiten. Die Agroholding Step (gehört zu AFK Sistema) plant drei Megafarmen für Milchrinder.

Pilotprojekt zur Kennzeichnung von Milchprodukten

Seit Dezember 2018 läuft das Pilotprojekt zur Kennzeichnung von Milch und Milchprodukten, die Teilnahme der Hersteller ist ein Jahr lang freiwillig. Die Produktmarkierung soll helfen, die Herkunft der Waren vom Kuhstall bis zum Endverbraucher nachverfolgen zu können. Sie wird in das staatliche IT-Informationssystem Mercury integriert. Ziel ist es, den Anteil minderwertiger Ware zu reduzieren, bei denen billige Zusatzstoffe wie Palmöl zum Einsatz kommen. Außerdem könnte die Logistik beim Transport und Handel von Milchprodukten effizienter werden.

Geringer Zuwachs bei Süßwaren

Bei Süßwaren macht sich die schwache Kaufkraftentwicklung bemerkbar. Die Wachstumsraten liegen lediglich bei 1 bis 2 Prozent pro Jahr. Für 2018 prognostizierte das Consultingunternehmen IndexBox ein Marktvolumen von 3,6 Millionen Tonnen. Bis 2025 soll der Wert auf 3,9 Millionen Tonnen steigen. Die Hälfte davon entfällt auf Schokolade und Schokoprodukte.

Dabei zeichnen sich zwei gegenläufige Trends ab: Einerseits greifen die Verbraucher eher zu preisgünstigeren Angeboten. Andererseits steigt das Interesse an gesünderen Produkten mit weniger Zucker und besserer Qualität, beispielsweise durch höhere Kakaoanteile.

Im Konditorbereich beobachten Marktforscher eine Hinwendung zu individuelleren Bestellungen bei Feinbäckern. Torten als Massenware in Supermärkten sind weniger gefragt. Beim Verbrauch von Keksen und Gebäck erwartet IndexBox stabile Wachstumsraten zwischen 2 und 3 Prozent pro Jahr. Bis 2025 soll der Markt um ein Viertel auf 1,8 Millionen Tonnen wachsen.

Brotverbrauch weiter rückläufig

Seit einem Jahrzehnt sinkt der Verbrauch und damit auch die Produktion von Brot in Russland. Nach rund 6 Millionen Tonnen industriell hergestellter Backwaren mit kurzer Haltbarkeit im Jahr 2017 verzeichnete das Statistikamt bis November 2018 einen weiteren Rückgang von 2,4 Prozent. Dagegen steigt das Interesse an lange haltbaren Sorten, weil diese oft preisgünstiger sind als frisches Brot. Der sinkende Brotkonsum spricht nach Meinung von Marktkennern dafür, dass sich der Warenkorb der Verbraucher stärker ausdifferenziert.

Durch die geringere Brotnachfrage wird sich der Konsolidierungsprozess im Bäckereigeschäft fortsetzen. Technisch veraltete Unternehmen mit hohen Betriebskosten könnten vom Markt verschwinden.

Getränke: Gesetzgeber sorgt für weniger Alkoholgenuss

Im russischen Getränkesektor geht der Trend von Alkoholika hin zu gesünderen Alternativen. Dazu trägt der Gesetzgeber bei, der mit Werbeverboten und Einschränkungen beim Alkoholverkauf den Konsum einschränken will. Ab 2020 darf Bier nicht mehr in Plastikflaschen mit mehr als 0,5 Liter Fassungsvermögen verkauft werden.

Die russische Bierproduktion befindet sich schon seit dem Rekordjahr 2007 (115 Millionen Hektoliter) im Sinkflug. Nach Prognosen von Credinform erreichte sie 2018 ein 16-Jahrestief von weniger als 71 Millionen Hektoliter. Auch die Herstellung von Spirituosen schrumpfte leicht.

Dagegen ist der Ausstoß nichtalkoholischer Getränke 2018 (Januar bis November, ohne Mineralwasser) um 19 Prozent gestiegen, so Rosstat. Der Zuwachs bei Mineralwasser betrug 14 Prozent. Es dominiert das mittlere und Niedrigpreissegment. Das Getränk wird überwiegend in Plastikflaschen abgefüllt.

Auf staatliche Unterstützung können Russlands Weinbauern hoffen. Das Landwirtschaftsministerium will die Subventionen 2019 gegenüber dem Vorjahr auf 3 Milliarden Rubel (fast 40 Millionen Euro) mehr als verdoppeln. Mit 540.000 Tonnen Trauben hatten die Winzer 2018 eine gute Ernte eingefahren. Die Weinproduktion erreichte mit 3,2 Millionen Hektoliter das Vorjahresniveau, die Sektproduktion stieg um 2 Prozent auf 1,3 Millionen Hektoliter. Der Weinverbrauch in Russland soll sich 2030 auf 25 Millionen Hektoliter verdoppelt, schätzt der Winzerverband SWWR.

Pharmabetriebe erweitern ihre Produktion

Russlands Arzneimittelmarkt hat in den vergangenen zehn Jahren ein stürmisches Wachstum erlebt. Ausgelöst durch die Regierungsstrategie Pharma-2020, die im Jahr 2009 gestartet wurde, sind die Absatzzahlen seitdem von 300 Milliarden Rubel auf aktuell rund 1 Billion Rubel gestiegen (13,2 Milliarden Euro). Der Marktanteil russischer Hersteller vergrößerte sich im gleichen Zeitraum von 20 Prozent auf etwa 30 Prozent, so das Industrieministerium.

Für 2018 erwarteten die einheimischen Pharmabetriebe einen Produktionswert von 300 Milliarden Rubel (fast 4 Milliarden Euro). Der Bedarf an Arzneimittelverpackungen wird weiter zunehmen. Die staatliche Pharmastrategie wurde bis 2030 verlängert und sieht vor, die Exporte zu steigern und mehr einheimische Präparate marktreif zu machen.

Investoren planen weitere Produktionslinien. ZEE Laboratories aus Indien will im südrussischen Kursk ein Werk bauen. Die russische MirakBioFarma (http://mbpharma.ru) steckt bis 2020 über 10 Millionen Euro in ein Werk bei Kaluga und könnte dort jährlich bis zu 1 Million Präparate zur Krebsvorsorge produzieren. Bis 2019 will Mir-Farm in der Sonderwirtschaftszone Kaluga ein Werk für Wirksubstanzen aufbauen. Auch Geropharm, Immuno-Gem sowie Octapharma zusammen mit Pharmimex haben größere Investitionsvorhaben in Russland angekündigt.

Der Bedarf an neuen Verpackungsmaschinen entsteht auch durch die neue Markierungspflicht für Medikamente, die zum 1. Januar 2020 in Kraft treten soll. Alle Arzneiverpackungen müssen dann mit einem individuellen DataMatrix-Code gekennzeichnet werden. Das soll Fälschungen und den Schwarzmarkthandel einschränken.

Regierung erwartet starkes Wachstum bei Parfüm und Kosmetik

Russlands Markt für Parfümerie- und Kosmetikartikel soll sich bis 2030 auf über 1 Billion Rubel (rund 13 Milliarden Euro) nahezu verdoppeln. Das sieht die Regierungsstrategie für die Branche vor, die 2018 verabschiedet wurde. Dabei soll die heimische Industrie mehr Marktanteile erringen als bisher, dank finanzieller Unterstützung für die Produktentwicklung und moderner Fertigungsanlagen. Angesichts einer alternden und stagnierenden Bevölkerung müssten zum Erreichen der Ziele allerdings die Einkommen stärker als bisher wachsen.

Schon jetzt gehört Russland nach Angaben des Strategiedokuments zu den fünf größten Kosmetikamärkten in Europa. Das Absatzvolumen soll 2018 bei umgerechnet 8 Milliarden Euro gelegen haben. Regierungsexperten erwarten für die nächsten Jahre Wachstumsraten zwischen 3 und 5 Prozent. Besonders dynamisch entwickelt sich zurzeit der Bedarf an professioneller Kosmetik für Haarstudios sowie an Hautpflegemitteln.

Die wichtigsten Segmente sind Hautpflegemittel (22 Prozent Marktanteil), Parfümerie (17 Prozent), Haarpflege (16 Prozent), dekorative Kosmetik (14 Prozent) sowie Duschgels und Badezusätze (9 Prozent). Der Anteil von Eigenmarken der Supermarktketten wächst. Ein weiterer Trend ist die zunehmende Diversifizierung des Produktsortiments und ein schnellerer Produktzyklus.

Aktuell gibt es rund 450 Hersteller von Parfümerie- und Kosmetikwaren in Russland. Zwei Drittel der Umsätze erzielen Unternehmen, die im Großraum Moskau ihren Sitz haben. Ein weiterer Branchenschwerpunkt ist Sankt Peterburg. Wichtige heimische Hersteller sind Arnest, DRC Group, Klewer, Swoboda, Newskaja kosmetika und Wesna. Unter den ausländischen Anbietern sind unter anderem Unilever, Procter & Gamble, Avon, L'Oréal, Oriflame, Henkel und Coty mit Produktionsstätten vertreten.

Bedarf an praktischeren Verpackungen für Haushaltschemie

Im Segment Haushaltschemie schlägt immer noch die schwache Einkommensentwicklung durch. Die Verbraucher suchen daher verstärkt nach preisgünstigen Produkten. Auch hier sind Handelsmarken daher immer beliebter. Zugleich wächst durch den stärkeren Wettbewerb der Bedarf an gutem Design, außergewöhnlichen und praktischeren Verpackungen wie Doypacks (versiegelte Plastiktüten).

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Körperpflegemittel und Kosmetika

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