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16.04.2019

In Tschechien sind Wärmepumpen und Systeme zur Wärmerückgewinnung gefragt

Chancen für deutsche Zulieferer oder Subunternehmer / Von Miriam Neubert

Prag (GTAI) - Noch überwiegt bei energieeffizienten Renovierungen in Tschechien die Dämmung. Komplexe Projekte sind seltener. Aber es gibt immer mehr Beispiele, mit Chancen auch für deutsche Anbieter.

Aktuelle Themen der Energieeffizienzwirtschaft

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Im Vergleich zur Kaufkraft hohe Energiepreise Mangelnde Kenntnis der Gebäudebesitzer, erst wenige Energiemanager im Einsatz
Vorgaben des Niedrigenergiestandards für alle geplanten Gebäude und Verschärfung der Effizienz-Ziele nach 2020 Finanzierungsprobleme bei vielen Bürgern, kleinen und mittleren Unternehmen, Städten und Gemeinden
Förderprogramme zu Dämmung, effizienter Haus-, Heiz und Wärmerückgewinnungstechnik, Passiv- und Niedrighausbau Hilfe auf viele Programme und Zuständigkeiten zersplittert, zum Teil komplexe Beantragung und viel Verwaltungsaufwand

Der Markt rund um die Energieeffizienz im Gebäudebau entwickelt sich in Tschechien positiv. Ob Heiztechnikaustausch, der Einsatz von Wärmepumpen, Dämm- und andere Renovierungsmaßnahmen, Niedrigenergie- und Passivhausbau: Die Zahlen zeigen nach oben. Alle Betreiber, die auf Energieeffizienz setzen, wollen ihre laufenden Gebäudekosten optimieren. Auf einige wirkt auch der gesetzliche Druck: Immer noch gibt es zum Beispiel 300.000 Kohlekessel, die bis September 2022 wegen ihrer Emissionsklasse ausgetauscht werden müssen.

Eine Vorreiterrolle bei der Aufgabe, den Gebäudealtbestand energietechnisch auf ein neues Niveau zu heben, hat der Staat. Eine Deloitte-Studie rechnet vor, dass allein von den 775 Gebäuden im Besitz des Zentralstaats mehr als drei Viertel nicht einmal die Energieeffizienzklasse C erreichen. Von Gebäuden in kommunaler oder städtischer Hand liegen keine Zahlen vor. Doch zeugen Projekte, die mit Geldern der Europäischen Union (EU) gefördert werden, davon, dass etwa in Schulen, Krankenhäusern, Universitäten, Verwaltungsgebäuden zunehmend energetische Verbesserungen stattfinden. Wer sich für den Markt interessiert, kann auf der Liste der Förderempfänger unter http://www.dotaceeu.cz/cs/Statistiky-a-analyzy/Seznamy-prijemcu unter dem Thema Energieeffizienz sehen, was in Verwaltungen und Firmen stattfindet. Vielfach geht es den Kommunen um die Dämmung der Gebäudehülle und Fensteraustausch, überschaubare Projekte, die relativ schnell zu beantragen sind.

Wettbewerbssituation und Marktausblick

Beteiligungschancen bei EPC-Projekten

Fachverbände wie die Assoziation der Anbieter von Energiedienstleistungen APES wünschen sich, dass umfassender projektiert wird, auch mit Blick auf die Erneuerung der Heiz-, Regel- und Lüftungstechnik, die Warmwassererzeugung und die Einbeziehung erneuerbarer Quellen. Doch haben viele Städte noch keinen Energieaktionsplan und auch keinen Energiemanager, der sie dahin führen würde. Ein EPC-Vertrag (Engineering, Procurement, Construction, Planen, Beschaffung, Aufbauen, Projektabwicklung mit dazugehöriger Vertragsgestaltung) bringe Einsparungen, für die der Energiedienstleister garantiere, warb Radim Kohoutek, stellvertretender APES-Vorsitzender im März 2019 auf der Elektrotechnik-Messe Amper in Brünn. Das verwandle Ausgaben zum Kauf von Energie in Mittel zum Kauf von Energieeffizienzmaßnahmen. In den vergangenen 25 Jahren hat APES mehr als 350 EPC-Projekte registriert. Über Preisausschreiben werden jedes Jahr die besten von ihnen gekürt. Das soll andere ermutigen, dem Beispiel zu folgen.

Einen weiteren Impuls für EPC kann der Aufbau einer Investitionsplattform für Energieeffizienzmaßnahmen im Bausektor bringen. Dabei wird die Tschechisch-Mährische Garantie- und Entwicklungsbank (CMZRB) von der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterstützt. Die Plattform soll Energiedienstleistern Finanzierungen mit langer Laufzeit vermitteln, um die mit den leistungsabhängigen Verträgen verbundenen Ausfall- und Erfüllungsrisiken abzudecken.

Tschechische Kunden achten bei Renovierung und Bau sehr auf den Preis. Auch bei öffentlichen Ausschreibungen ist er ein zentrales Kriterium. Da bei EPC-Verträgen die Einspargarantien im Schnitt zehn Jahre laufen, spielt neben dem Preis auch die Qualität eine große Rolle. Als Subauftragnehmer oder Zulieferer bei EPC-Projekten können sich daher deutsche Anbieter thermischer Isolierung sowie hocheffizienter Heiz-, Regel- und Lüftungssystemen gute Chancen ausrechnen. Die Unternehmen, die die meisten EPC-Projekte in Tschechien durchgeführt haben, sind die tschechischen Töchter der Mannheimer MVV (MVV Energie CZ) und Siemens sowie das Unternehmen Enesa, welches zum tschechischen Energiedienstleister CEZ gehört.

Tschechische Hersteller von Heiz- und Klimatechnik gut im Geschäft

Auf dem Markt für Dämmsysteme, Fenster, Heizungs- und Klimatechnik sind deutsche Anbieter gut aufgestellt. Die Konkurrenz kommt hier sehr stark aus Tschechien selbst mit Herstellern wie Viadrus, Thermona, Fenix Group, Korado, aber auch ausländischen Unternehmen (etwa Daikin, Atlas Copco, Bosch), die in Tschechien fertigen. Korado hat 2018 den tschechischen Hersteller von Lüftung und Wärmerückgewinnung ThermWet gekauft, um in diesem sich dynamisch entwickelnden Segment aufgestellt zu sein.

Ganz allmählich kommt das Thema Raumklima in Tschechien auf. Von den Anbietern wird es auf Messen, Konferenzen und in Zeitungsbeilagen bespielt. Förderprogramme subventionieren Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung nicht nur bei Umbauten. Auch für den Bau von Niedrigenergiehäusern gibt es beim Gebäudeeffizienzprogramm einen Zuschuss von 150.000 Tschechischen Kronen (Kc, 5.821 Euro, Wechselkurs am 26. März 2019: 1 Euro = 25,770 Kc), sofern eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingesetzt wird. Für Passivhäuser gilt das ebenfalls, hier ist der Zuschuss doppelt so hoch. Kommt noch eine erneuerbare Energiequelle dazu, gibt es das Dreifache. Da an beiden Gebäudetypen das Interesse wächst, sollte die Nachfrage nach Lüftungsanlagen steigen.

Markt für Wärmepumpen wächst

Der Markt für Wärmepumpen ist schon länger im Aufwind und besser dokumentiert. Dem Industrieministerium zufolge sind 2017 nach letztverfügbaren Angaben fast 16.000 Wärmepumpen in Tschechien installiert worden. Gegenüber 2016 war das ein Anstieg um 24 Prozent, insbesondere die Luft-Wasser-Wärmepumpen trugen dazu bei. Der Absatz von Erd-Wasser-Wärmepumpen stagnierte. Die Produkte werden mehrheitlich importiert. Der Wert der Wärmepumpeneinfuhr aus Schweden und China liegt dabei deutlich über dem deutschen. Aktuell sollen in Tschechien über 80.000 Wärmepumpen installiert sein. Um sie populärer zu machen, haben der US-Konzern Honeywell und die Maschinenbaufakultät der Technischen Universität in Prag (CVUT) neue Algorithmen zu ihrer Steuerung und Optimierung entwickelt. Durch einen geringeren Stromverbrauch soll sich die Investition schneller amortisieren.

Private Kunden können durch Messen, Referenzprojekte, gute Vertriebspartner oder durch Netzwerke der Installateure, Energiedienstleister, Entwickler und Architekten erreicht. Nicht zuletzt sollten die Produkte in der Liste des Gebäudeeffizienzprogramms Nova zelena usporam registriert sein http://www.novazelenausporam.cz/jak-na-to/seznam-vyrobku/. Nur diese kommen für Förderungen in Frage. Zudem ist die Liste auch eine Orientierung für Bauherren oder wenn Renovierungen geplant werden.

Deutsche Unternehmen, die sich für den tschechischen Markt interessieren, sollten auch prüfen, ob im Rahmen der Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eine Reise zu dem Thema stattfindet http://www.german-energy-solutions.de/GES/Navigation/DE/Ihr-Export/Veranstaltungen/veranstaltungen.html.

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Weitere Informationen zum Thema Tschechien fördert Energieeffizienz bei Neu- und Altbauten finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201904088007.

Ausgewählte Projekte zu Energieeffizienzmaßnahmen in Gebäuden
Projekt Unternehmen Status Technologie *)
Energieeffizienzmaßnahmen im Hotel Thermal in Karlovy Vary Thermal-F Ausschreibungsphase, Fertigstellung 2021 Denkmalschutz, Fenster, Dämmung, Lüftung, Kühlung, Beleuchtung, Solaranlage; 12,8 Mio. Euro
Energieeinsparungen in einem Bürogebäude in Brno AGRIE Office Planung, Fertigstellung 2021 Dämmung, Heizung, Wassererwärmung, Lüftung, Kühlung, Wärmepumpen; 8,9 Mio. Euro
Umbau einer Kaserne zu 52 Sozialwohnungen im Passivstandard in Litomerice Stadt Litomerice Baubeginn Ende 2019, Fertigstellung 2021 Photovoltaik-Dach, Elektromobilität; 5,1 Mio. Euro
Passivhausprojekte in Prag 6 und Prag 10 JRD Development Start Mai 2019; Ende 2021 Insgesamt 61 Wohnungen
Neues Gebäude Aldis für Zentrale CSOB in Hradec Kralove für 1.000 Beschäftigte CSOB, Geosan Start 2019, Fertigstellung in 2 Jahren Wärmepumpen für Heizung und Kühlung; 180 energetische Bohrungen
Modernisierung der technologischen Ausstattung von sechs Gebäuden in Prag Stadt Prag, Enesa Fertigstellung 2. Halbjahr 2019 EPC-Projekt, Energieeinsparungen von über 3,3 Mio. Euro in zehn Jahren

*) Wechselkurs 21. Februar 2019: 1 Euro = 25,645 Kc

Quellen: Übersicht der Empfänger von EU-Förderung; Recherchen von Germany Trade & Invest; Tschechische Nationalbank

Adressen wichtiger Nichtregierungs-Stakeholder (NGOs, Verbände, Forschungsinstitute) und Messedaten
Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/tschechische-republik Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen, etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Tschechische Republik https://tschechien.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Sance pro budovy https://sanceprobudovy.cz Fachverband für Energieeffizienz im Gebäudebau
Centrum pasivniho domu http://www.pasivnidomy.cz Fachverband für Passivhäuser
Ceska rada pro setrne budovy http://www.czgbc.org Tschechischer Green Building Council
Asociace poskytovatelu energetickych sluzeb http://www.apes.cz Verband der energetischen Dienstleister
Stavebni veletrhy Brno - internationale Baumesse für Gebäudetechnik http://www.bvv.cz/stavebni-veletrhy-brno BVV Brno, Frühjahr 2020
FOR PASIV - internationale Messe für Niedrigenergie- und Passivhäuser http://forpasiv.cz PVA Expo Prag-Letnany, Frühjahr 2020
FOR ARCH - internationale Messe für Bauwirtschaft, Heizung, Holzhäuser http://forarch.cz PVA Expo Prag-Letnany, 17. bis 21.9.2019

Weitere Informationen zum Land finden Sie unter http://www.gtai.de/Tschechien, zum Thema Tschechien fördert Energieeffizienz bei Neu- und Altbauten unter http://www.gtai.de/MKT201904088007.

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Gewerbebau, Energieeinsparung, Wohnungsbau

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