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08.03.2019

Indonesien will die verarbeitende Industrie fördern

Asiatische Entwicklungsbank empfiehlt stärkere Öffnung für ausländische Technologieunternehmen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Der Anteil der verarbeitenden Industrie an der Bruttowertschöpfung sinkt. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) legt im Auftrag von Indonesiens Planungsbehörde einen Aktionsplan vor.

In Indonesien verliert die Industrie an Bedeutung. Denn der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung ist zwischen 2002 und 2018 von über 30 auf unter 20 Prozent gesunken. Zwar ist die Industrie im selben Zeitraum um jährlich durchschnittlich 4,7 Prozent gewachsen, blieb damit aber deutlich unter dem durchschnittlichen Wachstum der Gesamtwirtschaft in Höhe von 5,4 Prozent.

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Dieser Negativtrend hat die indonesische Politik alarmiert. Denn ihr Versprechen, den Archipel bis 2045 zu einem Hocheinkommensland zu machen (in der Weltbank-Kategorie: "high-income country" mit mindestens 12.000 US-Dollar pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt), lässt sich nur mit einer starken Industrie erfüllen. Das hat der fulminante Aufstieg ostasiatischer Staaten wie Südkorea, Taiwan oder China gezeigt.

Die technologische Ausrüstung der indonesischen Industrie muss fast ausschließlich importiert werden. Im Jahr 2018 führte der Archipel Maschinen im Wert von 27 Milliarden US$ ein. Davon kamen entsprechende Produkte im Wert von knapp 1 Milliarde US$ aus Deutschland. So haben auch ausländische Technologielieferanten ein vitales Interesse an einem starken produzierenden Gewerbe in Indonesien.

Um die Bedeutung der verarbeitenden Industrie für die Wirtschaftsentwicklung zu bemessen und daran die Industriepolitik auszurichten, hat sich die indonesische Planungsbehörde Bappenas wissenschaftliche Hilfe von der Asian Development Bank (ADB) geholt. Ihre Studie mit dem Titel "Policies to support the development of Indonesia's manufacturing sector during 2020-2024" ist im Januar 2019 erschienen (https://www.adb.org/publications/policies-manufacturing-sector-indonesia-2020-2024).

Wertschöpfung findet außerhalb des Landes statt

Die Studie konstatiert, dass Indonesiens Industrie vergleichsweise wenige und vor allem standardisierte Produkte exportiert, die auch in zahlreichen anderen Ländern hergestellt werden. Ihre Fertigung ist obendrein häufig an die im Land vorhandenen Rohstoffe gebunden. Demnach führte Indonesien zwischen 2012 und 2014 nur 5.111 verschiedene Güter aus. Davon hatten lediglich 59 einen überdurchschnittlichen Komplexitätsgrad.

Zudem sind Indonesiens Exportgüter kaum in globale Wertschöpfungsketten eingebunden, zumindest nicht in die Herstellung verbrauchernaher Produkte (im sogenannten Downstream-Sektor). Das bedeutet: Indonesien liefert vor allem Rohwaren und einfache Zwischenprodukte in andere Länder, die diese dann zu Endprodukten veredeln. Andersherum importiert Indonesien vor allem komplexe Zwischenprodukte sowie Endprodukte. Der größte Teil der Wertschöpfung findet also außerhalb des Landes statt.

Es gibt dabei nur wenige Ausnahmen, wie etwa Teile des Elektroniksektors, die Automobilbranche sowie die Pharmaindustrie. Diese produzieren komplexe Waren, die in globalen Wertschöpfungsketten benötigt werden, sowie hochwertige Endprodukte. Gerade diese Bereiche werden von ausländischen Firmen bestimmt.

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Eines der größten Entwicklungshindernisse der verarbeitenden Industrie ist deren kleinteilige Struktur. Denn 99 Prozent ihrer Unternehmen sind Klein- und Mikrofirmen mit weniger als 20 Mitarbeitern. Sie vereinigen damit nicht genügend Know-how und Kapital, um innovativ tätig zu sein.

Regierung möchte ausländisches Know-how nutzen

Indonesien hat die Erosion seiner Industrie als Problem erkannt. So hat Präsident Joko Widodo seit Beginn seiner Amtszeit 16 Reformpakete geschnürt, mit denen das produzierende Gewerbe gefördert werden soll. In dieser Zeit verbesserte sich der Archipel im Doing-Business-Index von Platz 120 auf Rang 73. Die ADB zählt 50 verschiedene Anreize und würdigt sie als Schritte in die richtige Richtung, die bisher aber ohne nachhaltigen Erfolg geblieben sind.

Die ADB-Studie empfiehlt Indonesien eine Reihe von allgemeingültigen Maßnahmen, wie etwa den Abbau von Bürokratie, die Verbesserung der Transportinfrastruktur, Steuererleichterungen für technologische Kernbranchen oder die Förderung von Forschung und Entwicklung.

Zusätzlich dazu propagieren einige Maßnahmen explizit die Öffnung der indonesischen Wirtschaft, die im Vergleich zu den ASEAN-Nachbarländern als protektionistisch gilt. Dazu gehört die Schaffung größerer Unternehmen, etwa durch Anreize zur Bildung von Joint-Ventures zwischen heimischen und ausländischen Firmen sowie das Anwerben von Technologieunternehmen über ausländische Direktinvestitionen (FDI).

Denn vor allem ausländische Unternehmen können Indonesien den Weg in globale Wertschöpfungsketten ebnen. Ihnen soll Anreiz zum Technologietransfer gegeben und das Sourcen im indonesischen Rohstoffsektor vereinfacht werden. Für sie solle auch der oftmals schwierige Landerwerb erleichtert werden. Zudem könnte die Einrichtung von Industriezonen ausländische und heimische Unternehmen zusammenführen.

Starker Rohstoffsektor verzögerte Industrialisierung

Indonesien hat sich später industrialisiert als asiatische Tigerstaaten wie Südkorea oder Taiwan, aber auch als die regionalen Rivalen Thailand oder Malaysia. Denn der heimische Rohstoffsektor war lange Zeit zu dominierend. Zwischen 1980 und 1993 wuchs die verarbeitende Industrie dann aber um jährlich 30 Prozent.

Für Entwicklungs- und Schwellenländer ist der Weg in die Industrialisierung heute allerdings ungleich schwieriger als in früheren Zeiten. Denn die Güterproduktion benötigt durch eine stärkere Technisierung weniger Arbeitskräfte. Zudem hat China enorme Produktionskapazitäten aus Europa und den USA absorbiert und damit anderen Niedriglohnländern Entwicklungschancen genommen. In der Folge setzt die Deindustrialisierung vieler Länder bereits an einem niedrigeren Einkommensniveau ein. Einige werden zu Dienstleistungsgesellschaften bevor sie eine Industrie aufbauen können.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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