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26.02.2019

Indonesiens Importe steigen 2018 um 20 Prozent

Rekord-Außenhandelsdefizit rückt Einfuhren ins Visier der Politik / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Das Minus von 8,6 Milliarden US-Dollar in der indonesischen Handelsbilanz 2018 befördert eine protektionistische Wirtschaftspolitik. Jedoch ist die Industrie von Importen abhängig.

Indonesien hat 2018 Waren im Wert von 188,7 Milliarden US-Dollar (US$) importiert. Das ist der zweithöchste Wert nach 2012 (191,7 Mrd. US$) und entspricht einer Steigerung von 20,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von knapp 40 Prozent gegenüber 2016. Dadurch weist Indonesiens Außenhandelssaldo 2018 ein Minus von 8,6 Milliarden US$ aus. Es ist das erste Defizit seit vier Jahren und das größte jemals vermeldete.

Laut Zahlen des indonesischen Handelsministeriums haben unter anderem die hohen Öl- und Gasimporte das Defizit verursacht. Sie wuchsen vor allem aufgrund steigender Weltmarktpreise für Öl um etwa 23 Prozent auf knapp 30 Milliarden US$. Hier rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit: Es wurde zu wenig in die Exploration eigener Vorkommen investiert, zudem wurden die Raffineriekapazitäten nicht ausreichend erweitert.

Laut Systematik des Handelsministeriums stieg der Import von industriellen Vorprodukten ("raw materials") 2018 um 20 Prozent auf 141 Milliarden US$. Das entspricht 75 Prozent aller Einfuhren. Hinzu kommen 31 Milliarden US$ an eingeführten Investitionsgütern (+22 Prozent). Demnach entfielen 91 Prozent aller Importe auf die Nachfrage der Industrie, lediglich 9 Prozent (17 Milliarden US$) auf Konsumgüter.

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China baut Lieferanteil rasant aus

Alle großen Handelspartner haben ihre Lieferungen nach Indonesien im Jahr 2018 deutlich ausgeweitet. Mit Abstand wichtigster Warenlieferant ist China, aus der wertmäßig 24 Prozent aller Warenlieferungen kamen. Zehn Jahre zuvor hatten die Importe aus China nur einen Anteil von 12 Prozent. Rechnet man den Öl- und Gassektor heraus, dann kamen 2018 sogar 28,5 Prozent aller Einfuhren aus dem Reich der Mitte.

Zweitwichtigster Lieferant ist Singapur. Allerdings entfielen mehr als die Hälfte der Einfuhren aus dem Stadtstaat auf Öl und Gas. Fast 30 Prozent der Lieferungen in diesem Bereich bezieht der Archipel aus Singapur. Deutschland steigerte seine wertmäßigen Exporte nach Indonesien um 11,2 Prozent (auf Euro-Basis: 6,3 Prozent). Weitaus wichtigste Warengruppen sind Maschinen und Chemieprodukte.

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Einfuhren unter politischer Beobachtung

Das Rekord-Außenhandelsdefizit ist ein wichtiges politisches Thema in Indonesien, insbesondere im von nationalistischen Tönen geprägten Präsidentschaftswahlkampf. Beide Kandidaten betonen unablässig, dass die Wirtschaft unabhängiger von ausländischen Lieferungen werden müsse. Die Forderung nach wirtschaftlicher Selbstständigkeit ("kemandirian ekonomi") - so illusorisch sie in der Realität ist - ist ein willkommenes Mittel zur Profilierung. Und dass Importe verringert werden müssen, ist eine offen ausgesprochene Forderung.

Dass diese schnell zu Taten werden kann, bekamen im September 2018 einige Lieferanten zu spüren. Nachdem die Außenhandelsbilanz über mehrere Monate hinweg ins Minus gerutscht war, wurden kurzerhand Importabgaben auf 1.147 Konsumgüter angehoben. Diese Maßnahme hatte aber, angesichts des engen Produktbereichs, eher eine symbolische als eine nachhaltige ökonomische Wirkung.

Aber wieso konnte Indonesien die Importe nicht substanziell drosseln? Marktbeobachter berichten, dass das Handelsministerium für einige mit Importrestriktionen belegte Produktbereiche, wie etwa bestimmte Stahlprodukte, den Einfuhrprozess von den Zollbehörden übernommen hat. Die Kontrollen seien dadurch nachlässiger gewesen und mehr Waren ins Land gelangt.

Generell gelten aber auch die Importeure als eine machtvolle Lobby. Sie haben in allen Bereichen ein natürliches Interesse an möglichst großen Einfuhrmengen. Insbesondere im Ölsektor sollen sie mit dafür verantwortlich sein, dass keine größeren heimischen Verarbeitungskapazitäten entstehen.

Indonesiens Importe nach Warengruppen (in Milliarden US$)
SITC-Warengruppe 2016 2017 Veränderung in %
0-9 Gesamt 135,7 156,9 15,7
0,1 Nahrungs- und Genussmittel 14,4 15,5 7,7
2 Vorprodukte 7,1 8,7 22,5
32 Erdöl/-Erzeugnisse 17,2 22,0 28,0
5 Chemische Erzeugnisse, davon 20,0 22,4 12,3
.51 organische Chemie 4,5 5,6 24,0
.54 Arzneimittel 1,2 1,3 9,9
.55 Kosmetika und Waschmittel 1,3 1,4 6,0
.57 Kunststoffe (Vorprodukte) 4,8 5,3 9,4
6 Vorerzeugnisse, davon 22,7 25,8 13,8
.65 Textilien 5,9 6,1 4,0
.67 Eisen/Stahl 7,0 8,4 20,5
71-74 Maschinen 19,3 20,2 4,4
75,76,776 Elektronik 10,8 12,5 16,2
77-776 Elektrotechnik 6,7 7,3 8,9
774,872 Medizintechnik 0,8 0,8 11,4
78 Kfz/-Teile, davon 5,0 6,5 30,1
.781 Kfz 1,2 1,1 -3,8
.784 Kfz-Teile 2,6 3,3 22,6
873,874 Mess-/Regeltechnik 1,2 1,4 12,2

Quelle: UN Comtrade

Hohes Importniveau für 2019 erwartet

Das indonesische Statistikamt sieht vorerst keine Trendwende bei den Einfuhren. Auch 2019 rechnet es mit einem hohen Importniveau. Hauptgrund bleibt die strukturelle Schwäche der indonesischen Industrie: die Abhängigkeit von Vorprodukten. Gleich im Januar 2019 wurde ein Außenhandelsdefizit von 1,2 Milliarden US$ verbucht - das ist eine Steigerung um 50 Prozent gegenüber demselben Vorjahresmonat.

Indonesien versteht sich noch immer als ein klassisches Exportland, das es lange Zeit auch war. Zwischen 2000 und 2011 hat der Archipel in jedem Jahr enorme Handelsüberschüsse erwirtschaftet - zusammengenommen mehr als 300 Milliarden US$. Alleine 2006 und 2007 betrug der Handelsüberschuss jeweils knapp 40 Milliarden US$. Doch zunehmende Industrialisierung und steigende Konsumwünsche haben den Importbedarf angetrieben.

Dennoch ist Indonesiens Warennachfrage im internationalen Vergleich noch immer gering. So importiert Indonesien beispielsweise weniger als das Nachbarland Malaysia, das lediglich ein Achtel der Bevölkerungsgröße und kaum mehr als ein Drittel der Wirtschaftskraft des Archipels hat. Auf einen Indonesier entfallen durchschnittlich gerade einmal Importe im Wert von 700 US$ pro Jahr. Beim Durchschnitts-Malaysier sind es 6.000 US$.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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