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01.05.2019

Indonesiens Kraftwerksbau leidet unter unklarer Regulierung

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Intransparente Ausschreibungen und Lizenzvergaben erschweren das Geschäft / Von Frank Malerius (März 2019)

Jakarta (GTAI) - Indonesien will den Privatsektor stärker in den Bau konventioneller Kraftwerke einbinden. Europäische Marktteilnehmer fungieren seltener als Generalunternehmer, eher als Zulieferer.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Strombedarf steigt langfristig kurzfristige Stromüberkapazitäten
Große Vorkommen an fossilen Energieträgern Rechtsunsicherheit
Stromversorgung ist politisches Schwerpunktthema Schlechte Infrastruktur behindert Ausbau

Quelle: Analyse von Germany Trade & Invest

Privatwirtschaft soll mehr Kraftwerke bauen

In Indonesien dürfte sich in den nächsten Jahren die Nachfrage nach Kraftwerken verdoppeln. Zwar ist der Stromverbrauch mit 900 Kilowattstunden (KWh) pro Kopf im Jahr noch gering. Aber die Steigerungsraten sind im Zuge des starken Wirtschaftswachstums hoch. Zudem ist ein erheblicher Teil des Kraftwerksbestandes veraltet. Viele ineffiziente und schmutzige Anlagen müssen durch neue ersetzt werden.

Indonesien setzt bei der Stromerzeugung überwiegend auf die Energieträger Kohle und Gas. In abgelegenen Gegenden kommen vielfach Dieselgeneratoren zum Einsatz. Der staatliche Stromkonzern PLN baut und betreibt einen Großteil der Anlagen und ist für Ausschreibungen zuständig. PLN ist hoch verschuldet und will daher Privatunternehmen stärker in den Kraftwerksbau einbinden. Sie sollen als sogenannte Independent Power Producers (IPPs) die Erweiterung der Stromerzeugungskapazitäten vorantreiben.

Chinesische Technologie hat einen schlechten Ruf

Doch der Kraftwerksbau in Indonesien ist ein Kraftakt. Denn Unternehmen müssen intransparente Ausschreibungen, hohe bürokratische Hürden und mangelnde Rechtssicherheit in ihre Kalkulationen einpreisen. Das treibt den Preis für Kraftwerke und letztlich auch die Strompreise in die Höhe. So müssen sich Bewerber und Zulieferer bei Ausschreibungen auf lange Verzögerungen einstellen und prüfen, ob ihre Kalkulationen auch später noch haltbar sind.

Die Ausschreibungen von PLN haben sich dennoch gegenüber früheren Jahren insgesamt verbessert. Viele erfüllen heute internationale Standards - wenngleich es immer noch zweifelhafte Direktvergaben gibt. Unter anderem versucht PLN, chinesische Kraftwerksbauer auf Distanz zu halten, etwa über die Einforderung von OECD-Standards. Sie spielen eine vergleichsweise geringe Rolle in Indonesien.

Bürokratischer Marathonlauf

Der Lizensierungsprozess einer Anlage ist nach wie vor ein enorm aufwändig und zeitraubend. Viele verschiedene Genehmigungen sind einzuholen, sowohl auf nationaler als auch auf Provinzebene. Es gibt zahlreiche "Agenten", die sich gegen eine großzügige Vergütung um die notwendigen Papiere kümmern. Der bürokratische Marathonlauf unter Einhaltung strikter Compliance ist daher kaum durchzuhalten. Einige Marktteilnehmer beschränken sich deshalb ganz bewusst auf eine Rolle als Zulieferer. So fungieren vor allem südkoreanische und japanische Unternehmen als Generalunternehmer, in kleinerem Umfang auch europäische.

Auch Rechtssicherheit ist ein Problem für Kraftwerksbauer. Rechtslage und regionale Ausbauplanungen ändern sich ständig. Als die indonesische Rupiah im Jahr 2018 zeitweilig bis zu 15 Prozent gegenüber dem US-Dollar an Wert verlor, wurden Einfuhrbeschränkungen für Investitionsgüter erlassen. Ohne sie kann aber keine Anlage errichtet werden.

Ausrüstung kommt aus dem Ausland

Fast die gesamte Technologie für den Kraftwerksbau muss importiert werden. Zwar gibt es je nach Größe und Art der Anlage Local-Content-Anforderungen, die zumeist zwischen 10 und 30 Prozent liegen. Doch Ausnahmegenehmigungen werden in der Regel ohne Probleme erteilt.

Im Kraftwerksbau sollen zwar heimische Unternehmen die Fähigkeit erlangen, Hochtechnologie für den Eigenbedarf herzustellen. Doch passiert ist bisher wenig. Immerhin hat das indonesische Staatsunternehmen Barata im Jahr 2018 das Turbinenwerk von Siemens in Cilegon übernommen. Hier soll in Zukunft in Kooperation mit Siemens in stärkerem Maße für den heimischen Kraftwerksbau produziert werden.

Nur wenige kleinere und mittelgroße ausländische Zulieferer sind im Kraftwerksbau vor Ort vertreten. Ihre Komponenten werden entweder importiert oder sind bereits in den von den großen Technologiekonzernen eingeführten Bestandteilen verbaut. Dafür bieten sich für ausländische Consultingunternehmen Chancen. Deutsche Player wie die Fichtner-Gruppe oder Lahmeyer International haben Repräsentanzen in Indonesien.

Auch die Stromnetze sind veraltet

Wie schwierig der Kraftwerksbau in Indonesien ist, zeigt exemplarisch das von Präsident Joko initiierte 35.000-Megawatt-Programm. Es definiert das Kapazitätserweiterungsziel für den Zeitraum 2015 bis 2019. Doch bis heute wurden weniger als 10 Prozent davon umgesetzt.

Der Druck zum effizienten Arbeiten ist derzeit gering. Denn durch zu hohe Stromverbrauchsprognosen sind Überkapazitäten in der Erzeugungsleistung entstanden. Die entstandenen Spielräume werden nun teilweise dazu genutzt, die Kraftwerksprojekte von PLN vorzuziehen. Das Nachsehen haben die Projekte der privaten Stromerzeuger.

Ein allzu schneller Ausbau der Stromerzeugung schafft aber noch ganz andere Probleme: "Jedes neue Kraftwerk ist eine tickende Bombe", beschreibt ein Marktteilnehmer die steigende Gefahr der Netzüberlastung. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten müssen daher große Summen in die Netze investiert werden.

Übergabe in Staatshand

Die Einspeisevergütung, die PLN dem Kraftwerksbetreiber im Rahmen eines Vertrages (Power Purchase Agreement - PPA) garantiert, variiert regional - mit hohen Raten in den östlichen Regionen und niedrigeren auf der Hauptinsel Java. In den vergangenen Jahren hat PLN die Vergütung deutlich nach unten gedrückt. In einigen Fällen erzwang PLN für fertige PPAs sogar Nachverhandlungen. Für den Investitionsstandort sind solche Maßnahmen Gift.

Private Kraftwerksbauer errichten neue Anlagen in der Regel in der Projektform Build-Operate-Transfer (BOT). Nach zumeist 20 bis 25 Jahren werden sie in die Hände von PLN übergeben. Gegebenenfalls kann ein PPA für einen weiteren Zeitraum verlängert werden. Nach einer Übergabe ist PLN für einen möglichen Rückbau verantwortlich.

Projekte zu konventionellen Kraftwerken in Indonesien
Projektbezeichnung Energieträger/Kapazität Status Fertigstellung
Jawa 5 Kohle/1.000 MW Planung 2022
Jawa 9&10 Kohle/2x 1.000 MW Finanzierung 2024
Sumsel-8-Mine-Mouth Kohle/2x 660 MW Finanzierung 2023
Banten Kohle/660 MW Planung 2026
CC-Jawa-1 Gas/2x880 MW Finanzierung 2023
CC Sumbagut-1,3,4 Gas/800 MW Ausschreibung 2020
CC Jawa-3 Gas/800 MW Ausschreibung 2020
CC Riau-2 Gas/250 MW Planung und Ausschreibung 2024

Quellen: PwC Power Guide 2018, Recherchen von Germany Trade & Invest

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/indonesien Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Indonesien ("Ekonid") https://indonesien.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
PLN https://www.pln.co.id Staatl. Stromerzeuger
ESDM https://www.esdm.go.id Energieministerium
BKPM https://www3.bkpm.go.id Investitionsbehörde

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Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Kraftwerksbau, Wärme- und Gasversorgung, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Kernkraft, Ausschreibungswesen

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