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15.01.2019

Indonesiens Zementsektor leidet unter Überkapazitäten

Branche konsolidiert sich / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - HeidelbergCement-Tochter Indocement muss sich gegen einen Branchenriesen behaupten. Der Konkurrent Semen Indonesia übernimmt Holcim und steigert so den Marktanteil auf 50 Prozent.

Der indonesische Marktführer Semen Indonesia übernimmt 81 Prozent des Konkurrenten Holcim, der zum Schweizer Konzern LaFargeHolcim gehört. Damit erhält das mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Unternehmen 34 Produktionsanlagen. Dem Zusammenschluss müssen allerdings noch die indonesischen Kartellbehörden zustimmen.

Sollte der Merger genehmigt werden, würde Semen Indonesia etwa die Hälfte des Marktes bedienen und seine Produktionskapazitäten von 35 Millionen auf 50 Millionen Tonnen steigern. Weiterhin zweitgrößter Marktteilnehmer wäre Indocement, das HeidelbergCement gehört, mit einem Marktanteil von geschätzt etwa 25 Prozent und Produktionskapazitäten von rund 30 Millionen Tonnen. Insgesamt gibt es 15 Zementhersteller im Land.

Der Schritt überrascht Brancheninsider nicht. Schon seit Jahren wird über eine Marktbereinigung spekuliert. Denn die Branche leidet unter Überkapazitäten. Nur etwa zwei Drittel der Produktion sind ausgelastet. In den Jahren 2012 und 2013 hatte die Auslastung noch mehr als 90 Prozent betragen.

Eine grundlegende Besserung ist nicht in Sicht. Analysten der RHB Bank schätzen, dass die Zementnachfrage 2019 um sieben Prozent zulegt, die Kapazitäten allerdings auch um weitere 2 Prozent steigen. Ihnen zufolge arbeitet ein Großteil der Marktteilnehmer defizitär. Denn ein Zementwerk müsse zu 80 Prozent ausgelastet sein, um profitabel zu sein. Laut indonesischem Zementverband ASI werden die Überkapazitäten bis 2024 um 30 Prozent liegen.

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Märkte müssen lokale erobert werden

Der indonesische Markt galt lange als vielversprechend. Das Wachstum des Bausektors liegt zumeist deutlich über dem Wachstum der Gesamtwirtschaft. Mehrere ausländische Zementhersteller, etwa aus China (Anhui Conch) und Thailand (Siam Cement), kamen daher ins Land. So sind die Produktionskapazitäten alleine zwischen 2013 und 2018 um 54 Prozent gestiegen. Die Nachfrage legte allerdings nur um 20 Prozent zu.

Der indonesische Zementmarkt gilt trotz der vergleichsweise wenigen Anbieter als lokal getrieben. So bedient Semen Indonesia nach eigenen Angaben in Ostjava mit seinem Zentrum Surabaya zwei Drittel des Marktes und in Zentraljava immerhin 42 Prozent. Auch in Sumatra (42 Prozent) und Sulawesi (59 Prozent) ist das Unternehmen unumschränkter Marktführer.

Eine vergleichsweise schwache Position hat Semen Indonesia allerdings im Westen Javas mit seiner bauwütigen Metropole Jakarta. Auf diese Region entfällt mehr als ein Viertel der landesweiten Nachfrage. Dort hat Semen aber nur einen Marktanteil von 17 Prozent. Gerade hier aber gilt Holcim als stark.

Mehr als die Hälfte der Bautätigkeit des Archipels entfallen auf die Hauptinsel Java, auf der knapp zwei Drittel der Indonesier leben. Dort gibt es daher auch den größten Bedarf an Infrastruktur. Zweitwichtigste Region ist Sumatra mit der nördlichen Metropole Medan sowie dem vor Singapur gelegenen Industriezentrum Batam.

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Ausbau der Infrastruktur als Hoffnungsträger

Die Hoffnungen der Zementhersteller für die Zukunft ruhen auf dem umfangreichen Infrastrukturprogramm, das die Regierung aufgelegt hat. Überall im Inselreich entstehen Straßen, Zugverbindungen, Häfen und Airports. Im Jahr 2018 wurden 28 Milliarden US-Dollar dafür ausgegeben.

Und auch der Hochbau boomt. In den Städten schießen Wohn- und Bürogebäude wie Pilze aus dem Boden. Teil des öffentlichen Wohnungsbaus ist etwa das "One million houses"-Programm, das Präsident Joko Widodo 2015 aufgelegt hatte und das unter anderem 700.000 Häuser für einkommensschwache Familien fördert. Laut Zementverband ASI kommen 75 Prozent der Zementnachfrage aus der Privatwirtschaft und 25 Prozent von staatlichen Bauprojekten.

Für 2019 rechnet die indonesische Mandiri Bank mit einem leicht abgeschwächten Wachstum der Bauwirtschaft von real nur noch 6,3 Prozent, bei einem Gesamtwirtschaftswachstum von 5,2 Prozent. Ein Grund dafür ist die schwache Rupiah, die 2018 im Vorjahresvergleich im Durchschnitt um 6 Prozent gegenüber dem US-Dollar eingebüßt hat. Damit hat sich der Einkauf ausländischer Maschinen und Beratungsleistungen deutlich verteuert.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Indonesien Baustoffe, Glas, Keramik, allgemein, Baustoffe (Zement, Mörtel, Gips etc.)