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12.08.2019

Interesse an Photonik in Mexiko wächst

Automobil- und Luftfahrtindustrie fragen verstärkt Sensorik nach / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - In Mexiko bauen Staat und Unternehmen neue Photonikcluster auf, um die Stellung des Landes in diesem Feld zu stärken. Das ist wegen der Nachfrage aus der Industrie auch notwendig.

Im Zuge der steigenden Nachfrage aus der Industrie nimmt das Interesse an Photonik in Mexiko zu. Das zeigt das wachsende Engagement staatlicher und halbstaatlicher Stellen in den vergangenen Jahren. Bereits 2016 legte die Wirtschaftsfördergesellschaft ProMéxico im Rahmen der Mexikanischen Photonikinitiative (Initiativa Mexicana de Fotónica) eine umfassende Roadmap für die Branche vor.

Als konkretes Ergebnis der Initiative wurde im Juni 2018 mit dem Cluster Mexicano de Fotónica das landesweit erste Photonikcluster im zentralmexikanischen Querétaro gegründet. Vertreter des Clusters sehen die Schwerpunkte in der Entwicklung und Fertigung von Sensorik, LED-Technik, Glasfaserkabeln und Photovoltaikzellen. Im ersten Schritt sollen Sensoren im Mittelpunkt stehen, da in diesem Bereich eine große Nachfrage aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie bestehe.

Ebenfalls 2018 gründete sich das Consorcio en Óptica Aplicada (COA) im Bundesstaat Nuevo León. Ihm gehören mit dem Centro de Investigación Científica y de Educación Superior de Ensenada (CICESE), dem Centro de Investigaciones en Óptica (CIO) und dem Instituto Nacional de Astrofísica, Óptica y Electrónica (INAOE) drei Forschungseinrichtungen an, die jeweils vom Nationalen Wissenschaftsrat gefördert werden.

Nachfrage vorwiegend aus der Automobilindustrie

Die Kfz-Branche ist in Mexiko der wichtigste Abnehmer optischer Technologien, insbesondere in Form von Sensoren, Equipment zur Qualitätskontrolle und Beleuchtung. Mittlerweile betreiben nahezu alle großen Fahrzeughersteller Werke im Land. Nach Jahren des Booms wächst der Sektor momentan aber wesentlich langsamer. Im 1. Halbjahr 2019 wurden nur 0,7 Prozent mehr Fahrzeuge hergestellt als in den ersten sechs Monaten 2018. Da entsprechend weniger Neuinvestitionen getätigt werden, sollten sich Photonikanbieter auf die Optimierung bestehender Produktionslinien konzentrieren.

Weitere Sektoren mit einer hohen Nachfrage nach Photonikprodukten sind die Elektronikbranche, die Öl- und Gaswirtschaft, die Luftfahrtindustrie sowie der Infrastrukturbau in Form von Glasfasernetzen. Unter ihnen ist die Luftfahrt der dynamischste Bereich: Alleine 2018 konnten die Exporte um knapp 12 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar (US$) gesteigert werden. Wichtigste Unternehmen der Branche in Mexiko sind Safran, Airbus, Aernnova, Bombardier, Fokker Aerostructures, General Electric und Rolls Royce.

Der Infrastrukturbau sowie die Öl- und Gasbranche leiden hingegen unter der politischen Neuausrichtung, nachdem im Dezember 2018 mit Andrés Manuel López Obrador ein neuer Präsident vereidigt wurde. So will der Staat beim Ausbau des Glasfasernetzes mehr Einfluss nehmen, was private Investoren abschrecken könnte.

In der Öl- und Gasindustrie setzt die Regierung wieder auf den Staatskonzern Pemex, nachdem die Vorgängeradministration private Firmen stärker eingebunden hatte. Aufgrund der beschränkten technischen Kapazitäten von Pemex werden Förderprojekte in der Tiefsee des Golfs von Mexiko aufgeschoben. Dadurch dürfte die Nachfrage, etwa nach Lasertechnik für das Hybridschweißen im Schiffbau und für die Oberflächenbehandlung von Werkstoffen, nicht wie erhofft in Gang kommen.

Importe steigen nur langsam

Die Einfuhr Mexikos von Photonikprodukten stieg 2018 nur um 1,8 Prozent. Wegen der durchwachsenen Wirtschaftsaussichten und der zögerlichen Investitionstätigkeit werden die Importe 2019 voraussichtlich ebenfalls nur auf geringem Niveau zunehmen. Wichtigste Produktgruppen sind mit Abstand Halbleiterelemente und Apparate der Elektrodiagnose.

Wichtigster Lieferant waren 2018 die USA mit einem Importanteil von gut 47 Prozent. Darauf folgten China mit rund 14,6 und Malaysia mit 8,2 Prozent. Im Falle beider asiatischer Länder machen jedoch Halbleiterbauelemente einen Großteil der Lieferungen aus. Auf den weiteren Plätzen der wichtigsten Anbieter folgten Japan (6,9 Prozent) und Deutschland (5,0 Prozent). Deutsche Firmen haben hohe Marktanteile von rund 50 beziehungsweise 30 Prozent der Importe von Stereomikroskopen und Lasern.

Mexikanische Importe ausgewählter Photonikprodukte (in Mio. US$, Veränderung in %)
HS-Position 2018 Veränderung 2018/2017
8456.10: Photonenstrahlwerkzeugmaschinen 224,5 2,7
8541.40: lichtempfindliche Halbleiterbauelemente (inkl. Fotovoltaikzellen); Leuchtdioden 1.307,7 -10,9
8544.70: Kabel aus optischen Fasern 452,0 13,2
9001.10: Optische Fasern u. Bündel u. Kabel aus optischen Fasern 74,5 78,3
9001.90: Prismen, Spiegel und andere optische Elemente 33,0 -1,9
9002.19: Andere Objektive 22,8 20,5
9002.90: Andere optische Elemente 45,5 134,5
9011.10: Stereomikroskope 11,8 -1,8
9011.20: Mikrofotografische Mikroskope 0,7 -42,3
9011.80: Andere Mikroskope 13,5 -5,4
9013.20: Laser, ohne Laserdioden 23,0 -4,2
9013.90: Teile u. Zubehör für LCD 8,5 -24,3
9015.10: Entfernungsmesser 2,7 26,8
9015.20: Theodolite u. Tachymeter 0,6 -13,4
9015.30: Nivellierinstrumente 2,4 0,4
9018.20: Ultraviolett- oder Infrarotbestrahlungsgeräte, für medizinische Zwecke 1,1 -2,1
9018.90: Andere Apparate der Elektrodiagnose (darunter Endoskope) 1.637,8 7,1
9022: Röntgenapparate und -geräte 357,4 4,3
9027.30: Spektrometer, Spektrofotometer, Spektografen 36,7 -22,4
9027.50: Andere Apparate, die optische Strahlen verwenden 42,1 17,0
Gesamt *) 4.297,9 1,8

*) Abweichung durch Rundung

Quelle: UN Comtrade

Bedeutende Exporttätigkeit

Mexiko ist nicht nur wichtiger Importeur, sondern auch ein bedeutender Produzent von Photonikausrüstung. 2018 lag das Ausfuhrvolumen bei knapp 4,9 Milliarden US$ und überstieg damit die Einfuhren. Die Lieferungen ins Ausland stiegen getrieben vom Export in die USA um rund 10 Prozent.

Doch werden in erster Linie Teile und Komponenten für die Endmontage in den USA gefertigt. Die Herstellung von Endprodukten ist hingegen schwach ausgeprägt. Dies zeigt der hohe Anteil der Exporte in die USA von knapp 97 Prozent. Wichtigstes Ausfuhrgut waren mit rund 3 Milliarden US$ sonstige Teile und Apparate der Elektrodiagnose (HS 90189099).

Große Player der Branche fertigen vor Ort

Für die starke Fertigung im Land sind vorrangig ausländische Konzerne verantwortlich, die Mexiko als Produktionshub für ihr US-Geschäft nutzen. Darunter befinden sich im Elektronikbereich weltweit führende Unternehmen wie Samsung, LG, Panasonic und Toshiba. In der Medizintechnik stellen Firmen wie Baxter, Johnson & Johnson, GE Healthcare, Philips und Siemens Produkte her, die auf optischen Komponenten beruhen.

Deutsche Photonikspezialisten sind vielfach mit eigenen Verkaufsniederlassungen vertreten, die vor allem die Kfz-Industrie bedienen. Dazu gehören die Firmen Jenoptik, Schott und Trumpf. Andere Firmen wie Leica Microsystems sind über Handelsfirmen wie Aspelab und Coindissa präsent. Allgemein zeichnete sich in den letzten Jahren jedoch der Trend ab, dass ausländische Hersteller den Markt zulasten von Handelsvertretern stärker über eigene Verkaufsbüros bearbeiten. Dies ist mit der höheren Nachfrage aus der Industrie zu erklären.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Cluster Mexicano de Fotónica http://www.photonics-mexico.info Photonikcluster im Bundesstaat Querétaro
Consorcio en Óptica Aplicada (COA) http://www.coainnovacion.mx Vereinigung von Forschungsinstituten
Academia Mexicana de Óptica http://www.amo-ac.mx Forschungsverband für optische Technologien

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Photonik u. Präzisionstechnik (einschl. Optoelektronik)

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