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07.10.2019

Investoren zögern beim Schritt nach Mexiko

Ausländische Direktinvestitionen wachsen nur langsam, denn in wichtigen Industriebranchen herrscht Unsicherheit / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Angesichts der unklaren Handelsbeziehungen zu den USA halten sich ausländische Firmen derzeit mit Investitionen in Mexikos Industrie zurück. Auch die Wirtschaftspolitik der Regierung sorgt für Irritationen.

Ausländische Unternehmen investieren derzeit nur zögerlich in Mexiko. Im 1. Halbjahr 2019 legte der gesamte Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen zwar um 1,5 Prozent auf rund 18,1 Milliarden US-Dollar (US$) zu, im verarbeitenden Gewerbe betrug das Plus jedoch nur 0,6 Prozent. In anderen sekundären Bereichen wie dem Bergbau, dem Öl- und Gassektor, dem Baugewerbe, der Elektrizitätserzeugung und der Wasserwirtschaft waren die Zuflüsse gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres gar rückläufig.

Auch wichtige Industriebranchen mussten geringere Zuflüsse hinnehmen. Die Kfz-Wirtschaft blieb zwar mit knapp 2,8 Milliarden US$ größter Zielsektor, zog aber 5,4 Prozent weniger an direktem Auslandskapital an. Andere bedeutende Branchen wie die Fertigung von IT- und Kommunikationstechnik (-41,3 Prozent auf 531 Millionen US$) und die Chemieindustrie (-28,7 Prozent auf 522 Millionen US$) waren ebenfalls betroffen. Bereiche wie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie die Produktion von Elektrizitätsausrüstung konnten hingegen teilweise deutlich zulegen.

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Wichtigstes Herkunftsland von Direktinvestitionen war in der 1. Jahreshälfte 2019 die USA mit einem Anteil von 37,9 Prozent. Es folgten Kanada (15,4 Prozent) und Spanien (11,1 Prozent). Deutschland lag auf dem vierten Platz mit einem Anteil von 6,5 Prozent, was Aufwendungen in Höhe von 1.180 Millionen US$ entsprach. In den ersten sechs Monaten 2018 lag der deutsche Anteil noch bei 8,8 Prozent bzw. 1.566 Millionen US$.

Zweifel an Zugang zum US-Markt

Die klassischen Exportindustrien Mexikos wie die Kfz- und Elektronikbranche können derzeit vor allem aufgrund der Unsicherheit im Verhältnis zu den USA nicht mehr Investitionen anziehen. Das bereits ausverhandelte United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA)-Abkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada wartet immer noch auf seine Ratifizierung durch den US-Kongress. Der Vertrag soll das bisherige North American Free Trade Agreement (NAFTA)-Abkommen ersetzen. Auch wenn Mexiko besonders im Kfz-Bereich einige Zugeständnisse machen musste, bliebe durch USMCA der präferierte Zugang zum US-Markt bestehen.

Dass der USMCA-Vertrag noch in diesem Jahr vom US-Kongress ratifiziert wird, ist in den vergangenen Tagen allerdings unwahrscheinlicher geworden. Das mögliche Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump überschattet die Diskussion derzeit.

Zudem äußerten Ende September mehrere Abgeordnete der Demokraten Zweifel daran, dass die von der mexikanischen Regierung bereitgestellten Mittel für die Reformierung des Arbeitsmarkts ausreichen. Die Demokraten machen ihre Zustimmung zu USMCA davon abhängig, dass Mexiko es schafft, die Beschäftigung stärker zu formalisieren. Dies würde mittelfristig in dem lateinamerikanischen Land zu höheren Löhnen und zu einem geringeren Lohngefälle gegenüber den USA führen.

Mexiko kann Zollstreit nicht für sich nutzen

Angesichts des Handelskonflikts zwischen den USA und China wäre der Moment für höhere Investitionen chinesischer Industrieunternehmen in Mexiko eigentlich günstig. Die Firmen könnten durch den Aufbau von Produktionskapazitäten im Land die hohen Zölle umgehen, welche US-Präsident Trump auf Waren aus der Volksrepublik verhängt. Bislang zeigen chinesische Investoren jedoch nur vereinzelt Interesse an Mexiko. Potenziell interessante Branchen sind Zulieferprodukte für die Kfz-Wirtschaft sowie Komponenten und Endprodukte der Elektroindustrie.

Auch heimische Wirtschaftspolitik sorgt für Zurückhaltung

Beobachter geben zu bedenken, dass neben den unsicheren Exportmöglichkeiten auch die Wirtschaftspolitik der mexikanischen Regierung das Investitionsklima beeinträchtige. Präsident Andrés López Obrador und seine Morena-Partei trafen seit der Amtsübernahme im Dezember 2018 eine Reihe von Entscheidungen, die unter Wirtschaftsvertretern umstritten sind.

So kann der Rückgang des Investitionszuflusses im Energiesektor als direkte Reaktion darauf angesehen werden, dass Liberalisierungen der Vorgängeradministration zurückgenommen wurden. Beispielsweise spielt künftig die Kooperation mit dem Staatskonzern Pemex bei der Exploration und Förderung von Erdölvorkommen wieder eine größere Rolle. Zuvor konnten private Ölfirmen weitestgehend selbstständig tätig werden.

Mexiko fällt im Ranking zurück

Im Investment Confidence Index der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney fiel Mexiko 2019 auf den 25. Platz zurück, nachdem das Land in den beiden Vorjahren Rang 17 belegte. Auch Ratingagenturen wie Moody´s und Standard & Poor's stuften die Länderbewertung in den letzten Monaten zurück. Dadurch fällt es Mexiko zunehmend schwer, an den globalen Finanzmärkten frisches Kapital zu erhalten. Diese Situation kann sich zusätzlich anspannen, sollte dem Land infolge der dargestellten Herausforderungen der Investment Grade (Empfehlung der Agenturen zu investieren) entzogen werden.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Comisión Nacional de Inversiones Extranjeras http://www.gob.mx/se/acciones-y-programas/competitividad-y-normatividad-inversion-extranjera-directa?state=published Abteilung für ausländische Direktinvestitionen im Wirtschaftsministerium Mexikos
2019 Foreign Direct Investment Confidence Index http://www.atkearney.com/foreign-direct-investment-confidence-index/2019-full-report Investmentindex der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

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