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26.02.2019

Irans Erneuerbare Energien in der Krise

US-Sanktionen und Rezession haben Rahmenbedingungen deutlich verschlechtert / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Attraktive Einspeisevergütungen hatten Investoren angelockt, insgesamt 0,5 Gigawatt wurden neu installiert. Jetzt dürften viele der geplanten Projekte vorerst nicht realisiert werden.

Der Chef der zum Energieministerium gehörenden Renewable Energy and Energy Efficiency Organization (SATBA), Mohammad Sadeqzadeh, versucht Optimismus zu verbreiten. Auch die "grausamen US-Sanktionen" könnten das Wachstum des Erneuerbaren Energien (EE) Sektors nicht verlangsamen, so Sadeqzadeh. Gleichzeitig wird aber eingeräumt, dass die Bedeutung ausländischer Investoren rückläufig sei und nun lokales Kapital vorherrsche.

Die Regierungsplanung sieht eine Finanzierung des EE-Sektors durch private Investoren vor. Den Kraftwerksbetreibern werden Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements/PPA) mit einer Laufzeit von 20 Jahren angeboten. SATBA zufolge summieren sich die bislang getätigten privaten Investitionen auf 2,4 Milliarden US-Dollar (US$), davon soll die Hälfte auf ausländische Investoren entfallen. Eine Aufschlüsselung dieser Zahlen ist allerdings nicht verfügbar.

Bedeutung der Erneuerbaren Energien weiterhin gering

Der Ausbau des EE-Sektors konnte zwar in den vergangenen beiden Jahren beschleunigt werden, dennoch blieben die Zuwächse eher bescheiden. Nach SATBA-Informationen erhöhten sich die EE-Kapazitäten 2018 um lediglich 260 auf 680 Megawatt, im Jahr zuvor gab es ein Plus von 170 Megawatt. Die Ende 2018 erreichte EE-Kapazität entsprach einem Anteil an den gesamten Stromerzeugungskapazitäten von 0,8 Prozent. Auf Fotovoltaikanlagen entfallen 42 Prozent der EE-Kapazitäten, gefolgt von Wind (41 Prozent), kleinen Wasserkraftwerken (13 Prozent) sowie Biomasse und Wärmerückgewinnung mit jeweils 2 Prozent. Irans große Wasserkraftwerke (12 Gigawatt) werden nicht dem EE-Sektor zugerechnet.

Iran: Installierte EE-Kraftwerke (in Megawatt; Stand: Januar 2019) *)
Staatliche Betreiber Private Betreiber Alle Betreiber
Insgesamt 223 457 680
.Wind 129 153 282
.Fotovoltaik 25 261 286
.Biomasse 0 11 11
.Kleine Wasserkraft-.werke 65 23 88
Waste Heat to Energy 4 10 14

*) ohne große Wasserkraftwerke, die über eine Kapazität von 12 Gigawatt verfügen

Quelle: Renewable Energy and Energy Efficiency Organization (SATBA)

SATBA geht davon aus, dass bis zum Ende des iranischen Jahres 2018/19 (21. März 2018 bis 20. März 2019) alle 42 derzeit im Bau befindlichen EE-Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 445 Megawatt fertiggestellt sind. Damit würde Iran eine EE-Kapazität von 1,13 Gigawatt erreichen.

Beobachter bewerten allerdings diese Prognose als wenig realistisch. Nach Angaben der staatlichen Stromversorgungsorganisation (Tavanir) waren Ende Januar 2019 EE-Kraftwerke mit insgesamt 671 Megawatt am Netz, bis März sollen es 953 Megawatt werden. Branchenvertreter berichten, dass sich die Fertigstellung laufender Projekte derzeit auch durch Behinderungen beim Import notwendiger Ausrüstungen verzögere.

Planung viel zu optimistisch

Bereits der 5. Fünfjahresplan (2011/12 bis 2015/16) hatte als Ziel für erneuerbare Energien 5 Gigawatt genannt. Tatsächlich waren es 2016 nur 0,2 Gigawatt. Der laufende Fünfjahresplan (2017/18 bis 2021/22) strebt erneut 5 Gigawatt an. Dazu wäre aber ein höheres Entwicklungstempo erforderlich: Am Ende des zweiten Planjahres (2018/19) dürfte maximal ein Gigawatt erreicht sein.

Iran: Geplante EE-Kraftwerke (in Megawatt; Stand: Februar 2019) *)
Zahl der Unternehmen Kapazitäten
Insgesamt 335 4.470
.Wind 36 1.589
.Fotovoltaik 281 2.792
.Biomasse 4 7
.Kleine Wasserkraft-.werke 9 18
Waste Heat to Energy 5 64

*) für diese Projekte wurden Power Purchase Agreement (PPA) mit SATBA abgeschlossen, die Realisierung des Großteils der Projekte ist aber fraglich

Quelle: Renewable Energy and Energy Efficiency Organization (SATBA)

Die 5 Gigawatt-Marke könnte erreicht werden, wenn nahezu alle geplanten Projekte, für die nach Einholung aller Genehmigungen bereits Stromabnahmeverträge unterzeichnet worden sind, umgesetzt würden. Die Liste der EE-Projekte in der Bau- oder Planungsphase besteht aktuell aus 335 Vorhaben mit einer Gesamtkapazität von 4,5 Gigawatt, davon entfallen 2,8 Gigawatt auf Fotovoltaikanlagen und 1,6 Gigawatt auf Windkraft.

US-Sanktionen und Wirtschaftskrise zeigen Wirkung

Angesichts der nun sehr schwierigen Rahmenbedingungen dürfte vorerst nur ein kleiner Teil der geplanten Projekte tatsächlich gebaut werden. Nach Lockerung der Wirtschaftssanktionen Anfang 2016 und der Einführung attraktiver Einspeisevergütungen zeigten sich viele in- und ausländischer Investoren interessiert. Zunächst waren ausländische Investoren "nur" mit der fehlenden Finanzierungsbereitschaft westlicher Banken konfrontiert. Die Reaktivierung der US-Sanktionen und die schwere Wirtschaftskrise haben nun zusätzliche Probleme gebracht.

Dem Vernehmen nach kommt es gegenwärtig bei der Auszahlung der Einspeisevergütungen zu erheblichen Verzögerungen, einige Kraftwerksbetreiber sollen seit Monaten kein Geld gesehen haben. Da die Zahlung der Einspeisevergütung in Rial erfolgt, schafft auch der starke Verfall der iranischen Währung erhebliche Probleme. Die in den PPA enthaltene Preisanpassungsformel (Adjustment Formula), die Inflation und Wechselkursverluste ausgleichen soll, funktioniere nicht, so Insider. Als weitere Probleme kommen die Weigerung der iranischen Zentralbank, Devisen zur Verfügung zu stellen, sowie die Weigerung deutscher/europäischer Banken, Zahlungen mit Ursprung Iran entgegenzunehmen, hinzu.

Ein Umtausch der Einspeisevergütungen zum Zentralbankkurs würde attraktive Kilowattstundenpreise ergeben. Beispielsweise erhalten Betreiber von Solarkraftwerken mit einer Kapazität bis zu 10 Megawatt pro Kilowattstunde 4.900 Rial, dies wären zum derzeitigen Zentralbankkurs 10,3 Euro-Cent. Muss allerdings zum freien Kurs gewechselt werden, sind es nur noch etwa 3,5 Euro-Cent. Die für 2019/20 vorgesehene Anhebung der Einspeisevergütungen um 20 bis 25 Prozent hilft hier wenig.

Aufgrund der wahrscheinlich vorerst fortbestehenden Zahlungs-, Wechselkurs- und Transferrisiken dürften ausländische Investoren nun große Zurückhaltung zeigen. Auch für lokale Unternehmen ist die starke Diskrepanz zwischen dem dramatischen Wertverlust des Rial und der nicht entsprechenden Anhebung der Einspeisevergütungen ein Investitionshindernis. Der 2018 gegründete Fachverband, die Iran Renewable Energy Association (IRENA), fordert deshalb einen Einspeisetarif in Euro. Energieminister Reza Ardakanian erklärt, die Regierung versuche, die Investoren vor Wechselkursrisiken zu schützen, Maßnahmen nannte er aber nicht.

Deutschland ist führender ausländischer Investor

Investoren aus Deutschland haben seit 2016 in Iran Fotovoltaikkraftwerke mit einer Gesamtleistung von etwa 80 Megawatt gebaut. Das Heidelberger Unternehmen Athos nahm im Februar 2017 in Anwesenheit des damaligen Energieministers, Hamid Chitchian, und des deutschen Botschafters, Michael Klor-Berchtold, seine ersten beiden 7 Megawatt Fotovoltaikkraftwerke in Betrieb. Im Januar 2019 ging die sechste Athos-Anlage ans Netz. Die Gesamtkapazität liegt nun bei 46 Megawatt. Nach iranischen Angaben hat Athos insgesamt 44 Millionen Euro investiert.

Auch das Münchener Unternehmen Durion hat kräftig in Iran investiert. In der Provinz Kerman wurden zwei Fotovoltaikkraftwerke mit jeweils 10 Megawatt realisiert. Durion hat zudem Anfang 2018 mit SATBA eine Vereinbarung über den Bau weiterer Fotovoltaikanlagen mit insgesamt 100 Megawatt unterschrieben. Die Realisierung erscheint aber jetzt ungewiss.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Iran können Sie unter http://www.gtai.de/Iran abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, alternative Energien

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