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19.04.2019

Italiens Region Emilia-Romagna investiert 350 Millionen Euro in Big Data und künstliche Intelligenz

Europäisches Wetterprognosezentrum ab 2020 mit Supercomputer in Bologna / Von Oliver Döhne

Mailand (GTAI) - Gemeinsam mit der Lombardei und Venetien bildet die Region Emilia-Romagna Italiens neues Industriedreieck und glänzt besonders bei Hightech. Die Region im Überblick.

Das Silicon Valley ist für die innovationsaffine Region Emilia-Romagna nicht nur Partner eines Förderprogramms, bei dem italienische Firmen in Kontakt mit Technologiepartnern und Investoren aus Kalifornien kommen, sondern auch Vorbild. "Intelligente Region" ist folglich ein Motto mit dem die Emilia-Romagna um Investoren wirbt. Die Beratungsgesellschaft Ernst &Young bescheinigte der Region bereits 2016 den ersten Rang unter den italienischen Regionen bei der digitalen Infrastruktur. Bologna belegte den ersten Platz bei Smart City Index und ICITY-Rating, mit weiteren acht Städten aus der Emilia-Romagna unter den ersten 27.

Neuester Wurf ist ein neuer Technologiepark in Bologna rund um das Thema Big Data und künstliche Intelligenz, mit geplanten Investitionen von 350 Millionen Euro. Damit ist der Techpark das größte europäische Investitionsprojekt in diesem Bereich. Im Jahr 2020 wird dort das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) seinen neuen Sitz eröffnen, inklusive Supercomputer, ebenso die nationale Wetter- und Klimaagentur und das Nationale Institut für Nuklearphysik (INFN).

Kompetenzzentrum für Industrie 4.0

Außerdem entsteht in Bologna das Kompetenzzentrum für Industrie 4.0 Bi-Rex Bologna - Big Data Innovation & Research Excellence, wo kleine und mittelständische Unternehmen sich Themen wie Big Data mit industrieller Relevanz sowie Cybersecurity, additive Manufacturing sowie Robotik nähern können. Mit dem europäischen Supercomputer würde die Region global zur Nummer fünf für Computerrechenleistung und zum internationalen Hub für Big Data und künstliche Intelligenz-Anwendungen. Schon heute besitzt die Emilia Romagna 70 Prozent der nationalen Rechen- und Speicherkapazität Italiens.

In zehn weiteren Hochtechnologiezentren kooperieren die vier renommierten Universitäten von Bologna, Parma, Modena-Reggio und Ferrara mit Forschungsinstituten und Firmen. Gemeinsam riefen die Universitäten zudem die Motor Vehicle University of Emilia-Romagna ins Leben, wo sie die Masterstudiengänge Advanced Automotive Engineering und Advanced Automotive Electronic Engineering anbieten.

Die Arbeitnehmer aus der Emilia-Romagna gelten als hochqualifiziert, entsprechend erhöht ist auch das regionale Lohnniveau. "Die höheren Gehälter lohnen sich", sagt Eugenio Sidoli, Italien-Chef von Philipp Morris. Der Tabakkonzern hat bei Bologna über eine Milliarde Euro auf die grüne Wiese investiert. Die Unternehmensberatung Prometeia bestätigt, dass die Emilia-Romagna bei der Produktivität im verarbeitenden Gewerbe landesweit vorne liegt. Nicola Poleschi, Managing Director von Augmented Reality-Entwickler Eon Reality lobt das gute Ökosystem und die Unternehmerfreundlichkeit der Region.

Überdurchschnittliche Entwicklung der Wirtschaftsindikatoren

Die Region setzt auf die Zukunft und das zahlt sich aus. Dank antizyklischer Investitionen von gut 20 Milliarden Euro in den vergangenen vier Jahren ist die Region bei Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Export pro Kopf in Italien die Nummer eins. Aufgrund ihrer industriellen Wettbewerbsfähigkeit und ihres starken Forschungs- und Entwicklungsprofils gehört sie zu Europas Benchmarks. Mit 13,5 Prozent der industriellen Wertschöpfung Italiens bildet die Emilia-Romagna gemeinsam mit der Lombardei und Venetien das neue Industriedreieck Mailand-Bologna-Treviso.

Eckdaten der Region Emilia Romagna
Indikator Wert
Bevölkerung 4,5 Mio. (2018)
BIP 162,3 Mrd. Euro (2018)
BIP-Wachstum 1,8 Prozent (real, 2017)
BIP pro Kopf 36.068 Euro (2018)
Einfuhr 36,4 Mrd. Euro (2018)
Einfuhr aus Deutschland 6,2 Mrd. Euro (2018)
Industrieschwerpunkt Kfz, Maschinenbau, Lebensmittel, Mode, Chemie und Plastik, Gesundheit

Quellen: Istat, Prometeia

Industriell glänzt die Region mit den Clustern für Verpackungsmaschinen in Bologna, für Landtechnik in Modena und Reggio, für Nahrungsmittelmaschinen in Parma, für Keramik und Fliesen in Modena und Sassuolo, für Medizintechnik in Mirandola, für Mechatronik in Reggio und für Holzverarbeitung sowie Öl und Gas in Rimini. Zudem ist hier das Motor Valley Bologna/Modena entstanden, wo neben Kfz-Zulieferern Hersteller von Transportfahrzeugen und Sportwagen ansässig sind. Das gemäßigte Klima und fruchtbare Böden machen die Region zu einer Hochburg der Lebensmittelindustrie.

Drittgrößte Industrieregion Italiens

Neben italienischen Industrie-Ikonen wir Ferrari, Barilla und Maserati sowie den Verpackungsmaschinen-Riesen Ima, Sacmi und Coesia sind rund 1.000 ausländische Firmen in der Emilia Romagna aktiv, darunter zahlreiche aus Deutschland.

Deutsche Investitionen in Emilia-Romagna
Firma Standort
Siemens Technologiezentrum Piacenza(seit 2011)
Fresenius Kabi Produktion von Filtern zur Blutbehandlung und von Transfusionssystemen in Cavezzo und Mirandola
VW/Audi Produktion von Ducati-Motorrädern (2012) und Lamborghini-Sportwagen (1998)
Bosch Übernahme der Firma Sicam und Produktion von Reifenhebern und Achsmessgeräten in Correggio
B.Braun Produktion von therapeutischen Systemen für Dialyse, Apherese, parenterale und enterale Ernährung sowie extrakorporale Blutbehandlungen in Mirandola
Daimler Busproduktion in Sorbara-Bomporto
BASF Produktion von Saatgut in S. Agata
GEA Produktion von Homogenisatoren für die Lebensmittelindustrie und Volumenpumpen in Parma und Bologna

Laut einer Befragung der Deutsch-Italienischen Handelskammer (AHK Italien) schätzen deutsche Firmen vor Ort allen voran die Infrastruktur und die zentrale Lage der Emilia-Romagna. Über Bologna, wo rund 60 deutsche Firmen aktiv sind, läuft der gesamte Verkehr zwischen Nord- und Süditalien. Auch bei den Immobilienpreisen und der Nähe zu spezialisierten Zulieferern tut sich Emilia-Romagna hervor. Laut Prometeia liegt die Region beim Pro-Kopf-Einkommen, beim Außenhandelsanteil am regionalen Bruttoinlandsprodukt, bei der Beschäftigung sowie bei der Beschäftigungsrate von Frauen und Jugendlichen deutlich über Landesdurchschnitt.

Kfz, Maschinen und Kunststoffe aus Deutschland

Deutschland ist mit Abstand das wichtigste Lieferland der Emilia-Romagna. Aus Deutschland kommen Kfz und -teile, Spezialmaschinen, Kunststoffe und Elektrotechnik. Die Emilia-Romagna lieferte 2018 rund 63 Milliarden Euro an Waren und Dienstleistungen ins Ausland. Nach Deutschland gehen unter anderem Maschinen, Lebensmittel und Keramikfliesen.

Auch touristisch lockt die Emilia-Romagna mit den Adria-Strandbädern in Rimini, Riccione und Cattolica und mit dem nördlichen Apennin. Die Städte Bologna, Parma und Piacenza locken Kulturinteressierte, ebenso die byzantinischen Mosaiken in Ravenna. Kurgäste reisen gerne in die Thermalbäder von Salsomaggiore und Bagno di Romagna. Zudem besitzt die Region mit Bologna, Parma und Rimini große Messe- und Kongresszentren. 2018 gingen rund 9,6 Prozent aller Urlaubsreisen und 8,4 Prozent aller Geschäftsreisen in Italien in die Emilia-Romagna.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/Italien Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
Deutsch-Italienische Handelskammer http://www.ahk-italien.it Kontakte in Italien und Unterstützung beim Markteintritt
Regione Emilia Romagna http://www.regione.emilia-romagna.it Regionalverwaltung Emilia Romagna
Invest in Emilia-Romagna http://www.investinemiliaromagna.eu Regionale Investitionsförderagentur
Tecnopoli dell' Emilia-Romagna http://www.reinnova.it/i-tecnopoli-dellemilia-romagna/ Die Technologieparks in Emilia-Romagna

Weitere Informationen zu Italien finden Sie unter http://www.gtai.de/italien

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Infrastruktur, Robotik und Automation, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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