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07.06.2019

Japan will weniger Kunststoffabfall produzieren

Ziele sind zudem mehr Recycling und Biokunststoffe / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Effizienz- und Umweltfragen sowie nicht zuletzt politische Forderungen werden Japans Kunststoffbranche verändern. Recycling und Nutzung von "grünen" Kunststoffen sollen zunehmen.

Japans Regierung hat Anfang Juni 2019 ihre Absicht erklärt, Kunststoffabfälle deutlich zu verringern. Damit will das Land im Vorfeld des G20-Gipfels, den Japan 2019 als Gastgeber veranstaltet, ein Zeichen setzen. Ein Thema des Gipfeltreffens ist die Verschmutzung der Weltmeere durch Kunststoffe. Weggeworfene und nicht verwertete Kunststoffe sind nicht nur für die maritime Umwelt eine Belastung. Daher können sich die Recyclingbranche wie auch die Hersteller von alternativen Materialien auf eine höhere Nachfrage einstellen.

Gemäß den Zielen der Regierung soll bis 2030 das Aufkommen an Kunststoffabfällen um 25 Prozent sinken. Bis dahin muss ein System aufgebaut werden, um alle Einwegkunststoffe und Kunststoffverpackungen entweder recyceln oder wiederverwerten zu können und eine Recyclingquote von 60 Prozent zu erreichen. Kunststoffabfälle sollen bis 2035 zu 100 Prozent genutzt werden, nicht zuletzt zur Wärme- beziehungsweise Stromerzeugung.

Japan braucht mehr Recyclingkapazitäten

Bereits gegenwärtig steht Japan unter Druck, sein Recyclingsystem für Kunststoffe umzubauen. Denn seit 2018 ist der Export von Kunststoffabfällen nach China fast nicht mehr möglich. Der Export in andere Länder ist keine wirkliche Alternative, denn auch dort fehlen die Verarbeitungskapazitäten oder die Regierungen haben dem Handel mit Kunststoffabfällen Beschränkungen auferlegt.

Zudem hat sich Japan 2019 dazu verpflichtet, den grenzüberschreitenden Handel von Plastikmüll einzudämmen. Anfang Mai 2019 haben sich mehr als 180 Länder darauf geeinigt, das internationale Umweltabkommen ("Basel Convention") um den Bereich Kunststoff zu ergänzen. Japans Recyclingwirtschaft muss daher die eigenen Kapazitäten für die Trennung, Säuberung und Behandlung von Kunststoffabfällen ausweiten. Dafür erhält die Branche finanzielle Unterstützung vom Ministry of Environment.

Kunststoffabfälle werden in Japan meist verbrannt

Da der Kapazitätsaufbau kurzfristig nicht möglich ist, will das japanische Umweltministerium die Stadtverwaltungen anhalten, mehr Abfälle in ihren Müllverbrennungsanlagen zu nutzen. Nicht alle weggeworfenen Kunststofferzeugnisse werden in Japan wiederverwertet, sondern werden verbrannt oder landen auf Abfallhalden. Der Anteil von ungenutztem Kunststoffmüll betrug gemäß Angaben des Plastic Waste Management Institute (PWMI) 2017 circa 14 Prozent.

Insgesamt erreichte die Menge des Kunststoffabfalls in Japan laut PWMI 2017 etwa 9 Millionen Tonnen. Darunter kamen 4,9 Millionen Tonnen aus der Industrie und 4,2 Millionen Tonnen aus den Haushalten. Der Anteil der Kunststoffabfälle, die recycelt oder genutzt werden, betrug 86 Prozent. Davon werden 23 Prozent der Kunststoffe recycelt, wobei die Recyclingquote vor allem bei PET-Flaschen sehr hoch ist. Die Verbrennung zur Stromerzeugung spielt mit 32 Prozent die wichtigste Rolle.

Japans Nutzung von Kunststoffabfällen 2017 (in 1.000 Tonnen) *)
Segment Industrie Haushalte
Mechanisches Recycling 1.440 670
Chemisches Recycling (Verflüssigung, Vergasung, Hochofeneinsatz) 130 270
Brennstoff oder Zementmaterial 1.380 290
Verbrennung zur Energieerzeugung 850 2.020
Verbrennung zur Wärmerzeugung 480 220
Verbrennung ohne Nutzung 220 540
Abfallhalde 360 170

*) Die Zahlen, die dem Umweltministerium als Grundlage dienen, stammen aus dem Jahr 2013. Damals wurde ein Volumen an Kunststoffmüll von 9,4 Millionen Tonnen errechnet.

Quelle: Plastic Waste Management Institute

Nachfrage nach "grünen" Kunststoffen wird steigen

Anfang Mai 2019 hat das Wirtschaftsministerium die "Roadmap for Popularizing Development and Introduction of Marine Biodegradable Plastics" vorgestellt. Dazu will Japan die Forschung und Entwicklung von Biokunststoffen unterstützen und bei öffentlichen Ausschreibungen höhere Anteile "grüner" Kunststoffe verlangen.

Der Biokunststoffmarkt ist gegenwärtig noch klein. Laut Japan BioPlastics Association lag die gelieferte Menge 2017 bei rund 39.500 Tonnen, darunter waren mit 35.500 Tonnen vor allem aus Biomasse erzeugte Kunststoffe. Aufgrund hoher Produktionskosten und fehlender Nachfrage ist der Markt in den letzten Jahren kaum gewachsen, was sich mit den neuen Zielen und den Anreizen der Regierung jedoch ändern dürfte.

Unternehmen zeigen zunehmendes Interesse

Japan hat eine Vielzahl von Unternehmen, die Kunststoffe aus Petroleum herstellen. In Zukunft sollen sie auch die Entwicklung und Nutzung von "grünen" Kunststoffen ausweiten, wie biologisch abbaubare oder aus Biomasse hergestellte Kunststoffe. Mehrere etablierte japanische Hersteller haben ihre Aktivitäten in dieser Richtung bereits ausgeweitet, wie Mitsui Chemicals, Mitsubishi Chemicals, Kuraray und Kaneka.

Darunter dürfte beispielsweise Kaneka seine Produktionskapazität erhöhen. Denn die Nachfrage aus Europa wie auch aus Japan steigt. So hat Kaneka mit Seven&I Holdings, dem größten Betreiber von Convenience-Stores in Japan, im April 2019 vereinbart, gemeinsam Erzeugnisse aus biologisch abbaubaren Kunststoffen unter Nutzung von Kanekas pflanzenbasierten Polymeren zu entwickeln, wie etwa Strohhalme. Im gleichen Monat ist Kaneka auch mit Shiseido, Japans größtem Kosmetikunternehmen, eine Kooperation eingegangen, um entsprechende Kosmetikverpackungen zu entwickeln.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan Abfallentsorgung, Recycling, Bioplastik

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