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06.06.2019

Kuba importiert mehr Maschinen

Finanzierung stellt jedoch immer höhere Hürde dar / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Der kubanische Maschinenmarkt wächst trotz der wirtschaftlichen Probleme des Landes. 2018 stiegen die Importe ausgewählter Segmente von Maschinen und Ausrüstungen um knapp 4 Prozent auf 335 Millionen US-Dollar (US$).

Da die nationale Produktion von Maschinen und Ausrüstung in Kuba äußerst gering ist, gelten die Einfuhrzahlen als repräsentativ für die Entwicklung des Gesamtmarkts. Wichtigstes Importsegment waren 2018 Pumpen und Kompressoren mit einem Anteil von knapp 35 Prozent an den Importen, gefolgt von Fördertechnik (19 Prozent) sowie Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinen (18 Prozent).

Druck- und Papiertechnik (+46 Prozent) sowie Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinen (+21 Prozent) erzielten die höchsten Zuwächse an Einfuhren. Das Wachstum im Bereich der Bauwirtschaft ist auf die zahlreichen Hotelprojekte zurückzuführen. Nach Angaben des Tourismusministeriums werden derzeit insgesamt 40 Hotels mit 18.000 Zimmern neu gebaut oder saniert. Bis 2030 will die Regierung, dass 103.000 Zimmer auf der Karibikinsel bereitstehen - momentan sind es nur rund 74.000.

Import über spezielle Gesellschaften

In der sozialistischen Wirtschaft Kubas sind Staatsbetriebe als Endabnehmer vorherrschend. Für die Einfuhr von Ausrüstung sind Importgesellschaften zuständig, wobei in der Regel jede Branche über eine oder mehrere solcher Gesellschaften verfügt. Sie sind meist Teil größerer Unternehmensgruppen, die ihrerseits von den Fachministerien beaufsichtigt werden.

Beispiele für wichtige Importgesellschaften sind Construimport (Bauwesen), Energoimport (Energieerzeugung), Cubahidraulica (Wasserversorgung), Tecnoazucar (Landwirtschaft), Ileco, Divep (beide Leichtindustrie allgemein), Maquimport (Maschinen allgemein), Cubaelectronica (Elektroindustrie) und Tecnotur (Tourismus). Daneben verfügen die Streitkräfte mit Tecnoimport über ein eigenes Unternehmen für den Kauf von technischer Ausrüstung im Ausland.

Wichtig: Eintrag ins Lieferantenregister

Ausschreibungen sind in der Regel nicht öffentlich, sondern richten sich nur an solche Anbieter, die sich zuvor in das Lieferantenregister der Importfirmen (Cartera de Proveedores) eingetragen haben. Die kubanische Handelskammer bietet eine Übersicht aller Importgesellschaften in spanischer Sprache an: http://www.camaracuba.cu/index.php/es/registros/registros.

Ausländische Ausrüstungshersteller verkaufen in den meisten Fällen direkt an die Importgesellschaften, jedoch kommt es auch vor, dass ein Intermediär zwischengeschaltet ist. Bei diesen Firmen handelt es sich meist um ausländische Unternehmen mit einem Sitz in Kuba, die das Marktumfeld gut kennen.

Laut Vertretern von Handelsunternehmen sind der Preis des angebotenen Equipments und die Finanzierungskonditionen ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Für die Einarbeitung an den Maschinen werden Mitarbeiter des kubanischen Kunden in der Regel für einige Wochen an den Unternehmenssitz des Anbieters geschickt. Bislang war diese Einarbeitung oft zu knapp angesetzt, so dass es zu teuren Bedienfehlern kommt. Hier setzt allerdings langsam ein Umdenken der kubanischen Kunden ein.

Zunehmend private Kunden

Zunehmend geraten auch ausländische Privatfirmen als Endabnehmer ins Blickfeld. Insbesondere in der Sonderwirtschaftszone Mariel siedeln sich produzierende Unternehmen an, die auf Fertigungstechnik aus dem Ausland angewiesen sind. Schwerpunkte liegen in der Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln, Hygieneartikeln sowie Baustoffen. Eine aktuelle Liste der investierenden Unternehmen ist abrufbar unter: http://www.zedmariel.com/en/business-in-operation.

Mit Womy Equipment Rental operiert bereits ein niederländisches Unternehmen in Mariel, das Maschinen und Ausrüstung verleiht, bevorzugt für die Bauwirtschaft. Die puerto-ricanische Rimco Caribe hat ähnliche Pläne. Das Unternehmen will von der Sonderwirtschaftszone aus Bau- und Agrarausrüstung der Marken Caterpillar und AGCO verleihen sowie warten und reparieren. Auch ein deutsches Unternehmen denkt über einen Service-Stützpunkt in Mariel nach.

Finanzierung wird schwieriger

Obwohl Kuba Maschinen nachfragt, bleibt das Neugeschäft auf der Insel laut deutschen Unternehmen beschränkt. Der Grund: Kubanische Staatsfirmen zahlen immer später oder gar nicht. Lange unterstützte Venezuela das Land. Seit der Staatskrise dort bleiben die vergünstigten Öllieferungen aber weitgehend aus, was Kuba in Zahlungsschwierigkeiten bringt. Auch das Ärzteprogramm spült weniger Geld in die Kassen. Kubanische Mediziner sind in Brasilien nicht mehr erwünscht, wo nun mit Jair Bolsonaro ein rechtsgerichteter Präsident regiert.

Bislang konnten deutsche Unternehmen ihre Exporte via Kreditgarantien des Bundes (Hermes-Bürgschaften) absichern, doch seit Mitte 2018 gibt es erhebliche Überfälligkeiten. Daher können derzeit keine neuen Deckungen übernommen werden. Dies wird erst dann wieder möglich sein, wenn die ausstehenden Zahlungen vollständig beglichen wurden. Dadurch wird es für deutsche Firmen schwieriger, neue Geschäfte abzuschließen.

Für Geschäftsabschluss ist Fantasie gefragt

Laut Marktkennern gibt es jedoch Möglichkeiten, die Finanzierungsproblematik zu umgehen. In Bereichen, in denen Kuba Einnahmen in harter Währung erzielt, können Maschinenlieferungen durch diese Deviseneinnahmen abgesichert werden. Dies gilt beispielsweise für die Rum- und Tabakindustrie sowie für den Tourismus.

Andernfalls liefern Ausrüstungsanbieter häufig nur noch gegen Sicht-Akkreditiv. Der Lieferant erhält sein Geld also sofort, nachdem er die Versanddokumente eingereicht hat. Ausnahmen bilden Geschäfte mit kubanischen Kunden, die bekannt dafür sind, rechtzeitig zu zahlen. Dazu gehören Unternehmen im Bergbausektor sowie Firmen, die den kubanischen Streitkräften unterstehen.

Einfuhren aus Deutschland legen stark zu

Spanien und China sind in der Belieferung des kubanischen Markts führend. Spanische Anbieter nehmen beispielsweise im wichtigen Bereich der Pumpen und Kompressoren den ersten Platz ein - chinesische Firmen bei Bau- und Bergbauausrüstung sowie Fördertechnik. Deutsche Anbieter haben bei Druck- und Papiermaschinen eine starke Stellung.

Die deutschen Lieferungen legten 2018 insgesamt um rund 50 Prozent auf 40,3 Millionen US-Dollar (US$) zu. Jedoch sind die Bestellungen von Jahr zu Jahr sehr volatil, so dass aus dieser starken Steigerung kein allgemeiner Trend abgelesen werden kann.

Einfuhr von Maschinen in Kuba (in Mio. US$)
HS Warenbezeichnung 2017 2018 davon aus Deutschland (2018)
8429 bis 30, 8479.10, 8474 Bau- und Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen 50,7 61,5 3,4
8444 bis 49, 8451 bis 53 Textil- und Ledermaschinen 12,3 8,7 0,2
8439 bis 42, 8443.11bis .19 Druck- und Papiermaschinen 14,0 20,4 10,6
8422.30 bis 40, 8437, 8438, 8479.20 Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 35,7 40,5 4,7
8465, 8479.30 Holzbearbeitungsmaschinen 7,0 3,1 0,3
8477 Kunststoff- und Gummimaschinen 20,3 9,9 1,9
8413, 8414 Pumpen, Kompressoren 115,5 116,6 11,3
8425 bis 28 Fördertechnik 58,1 64,6 7,4
8456 bis 63 Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung 9,1 9,7 0,5
Gesamt 322,8 334,9 40,3

Quelle: International Trade Center (ITC)

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministerio de la Construcción (Micons) http://www.micons.gob.cu Kubanisches Bauministerium
Ministerio de las Industrias (Mindus) http://www.mindus.gob.cu Kubanisches Industrieministerium
Deutsches Büro zur Förderung von Handel und Investitionen in Kuba http://www.kuba.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Cámara de Comercio de Cuba http://www.camaracuba.cu Kubanische Handelskammer

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kuba sind unter http://www.gtai.de/kuba abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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