Suche

24.06.2019

Maschinenbauer müssen in Mexiko umdenken

Weniger Neugeschäft wegen schlechtem Investitionsklima / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - In Mexiko lassen sich weniger neue Anlagen verkaufen, Maschinenanbieter konzentrieren sich auf die Optimierung des bestehenden Equipments. Die Digitalisierung hält langsam Einzug.

Internationale Maschinenbauer haben in den vergangenen Jahren in Mexiko gut verdient, doch mittlerweile macht sich das schwache Investitionsklima bemerkbar. Dadurch wandelt sich das Geschäft: weg vom Ausrüstungsverkauf an Neuinvestoren, hin zu Engineering-Leistungen für bestehende Werke.

"In der Kfz-Industrie sehen wir, dass sowohl OEM als auch Zulieferer ihren Maschinenpark optimieren wollen", sagt etwa Mario Loske, Geschäftsführer des Sondermaschinenbauers Strama-MPS in Mexiko. Oft gehen dabei Automatisierung und Digitalisierung Hand in Hand: "Industrie 4.0 ist für unsere Kunden in Mexiko definitiv ein Thema", bestätigt Loske und führt aus: "Beispielsweise sind viele Produzenten daran interessiert, die Kommunikation zwischen ihren Fertigungslinien zu erweitern."

Gleichzeitig geht der Geschäftsführer davon aus, dass die digitale Produktion in Mexiko nicht so schnell Realität werde, wie in den etablierten Industrienationen. "Die geringen Lohnkosten sorgen dafür, dass viele Arbeits- und Kontrollprozesse noch per Hand durchgeführt werden."

Boom der letzten Jahre setzt sich nicht fort

Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Mexiko halten Firmen derzeit davon ab, in zusätzliche Fertigungslinien oder gar neue Werke zu investieren. Hinzu kommt die abflauende Konjunktur in den USA. Sie wird die Exportmöglichkeiten Mexikos in Richtung des nördlichen Nachbarn dämpfen.

Auch die neue Regierung unter dem linksgerichteten Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (genannt AMLO) verunsichert Unternehmen - beispielsweise dadurch, dass sie die Liberalisierung des Energiesektors teilweise zurücknimmt. Bislang stellte die AMLO-Regierung zudem kein überzeugendes Konzept vor, um die immer schlechter werdende Sicherheitslage in den Griff zu bekommen.

Schwaches Investitionsklima in Mexiko

Die abnehmende Bereitschaft zum Maschinenkauf spiegelt sich in der Investitionsabfrage des mexikanischen Statistikinstituts Inegi (Instituto Nacional de Estadística y Geografía): Der entsprechende Index lag laut den jüngsten Zahlen vom März 2019 um 7,5 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Gegenüber dem Vormonat betrug das Minus 0,9 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2019 erwarten Branchenkenner, dass die Maschinen- und Ausrüstungsverkäufe leicht zurückgehen. Dies trifft vor allem ausländische Anbieter, da der mexikanische Markt vorwiegend über Importprodukte versorgt wird. Inegi zufolge entfallen rund 80 Prozent der Investitionsausgaben für Maschinen und Anlagen auf Produkte aus ausländischer Fertigung. Im Jahr 2018 hatten die Importe noch um 9,3 Prozent zugelegt.

MKT201906218009.14

Nahezu keine heimische Konkurrenz

Der heimische Maschinenbau ist hingegen sehr schwach ausgeprägt und konzentriert sich auf die Fertigung von Teilen und Komponenten für den Export sowie auf einfache Ausrüstungen. Marktkennern zufolge gibt es im Land zwar fähige Unternehmen, die Importmaschinen integrieren und komplette Produktionsanlagen bei den Endkunden installieren können. Sie haben aufgrund des hohen Zinsniveaus im Land (Leitzins im Juni 2019 bei 8,25 Prozent) jedoch nicht die Möglichkeiten, eigenes Equipment samt eines attraktiven Finanzierungspakets anzubieten.

Ausgehend von diesem niedrigen Niveau gibt es am ehesten im Nahrungsmittel- und Verpackungsbereich eine eigenständige Maschinenproduktion, allerdings auch hier fast nur von einfachen Produkten. Beispielsweise stellen die Firmen Maquinaria Workers, Sierras DTM und Tecpra Anlagen für die Fleischverarbeitung her. Beutelspacher fertigt kleine Extrusions- und Abfüllanlagen für PET-Flaschen. Devecchi produziert Dosiermaschinen, dagegen stellen Equitek und Platinum Pack Verpackungsanlagen her.

Vormachtstellung der USA im Außenhandel geht zurück

Im Jahr 2018 stammten 45 Prozent der importierten Maschinen und Ausrüstungen (SITC-Kategorien 71 bis 74) aus den USA. Der Anteil nimmt aber langsam ab. Chinesische Hersteller stärken hingegen ihre Präsenz und sind mit einem Anteil von knapp 15 Prozent an den Einfuhren mittlerweile der zweitwichtigste Anbieter.

Deutschland lag mit 8 Prozent an dritter Stelle. Deutsche Maschinenbauer konnten ihre Lieferungen gegenüber 2017 zwar nur geringfügig steigern, verzeichneten in den Vorjahren aber stets beachtliche Zuwächse. Weitere große Lieferländer waren Japan (Anteil von 6,4 Prozent), Italien (3,8 Prozent), und Südkorea (3,2 Prozent).

Einfuhr von Maschinen in Mexiko (in Mio. US$)
SITC Warenbezeichnung 2017 2018 davon aus Deutschland (2018)
71 Kraftmaschinen und Kraftmaschinenausrüstungen 18.720,5 23.293,7 1.147,5
72 Arbeitsmaschinen für besondere Zwecke, darunter 9.890,3 9.883,6 1.384,3
723, 728.3 .Bau- und Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen 1.770,1 1.837,8 103,6
724 .Textil- und Ledermaschinen 824,9 845,7 102,3
725, 726 .Druck- und Papiermaschinen 676,7 707,6 127,1
727, 745.27 .Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 1.177,3 1.205,9 248,9
728.12, 728.44 .Holzbearbeitungsmaschinen 116,1 132,0 28,9
728.42 .Kunststoff- und Gummimaschinen 1.307,2 1.239,1 304,2
73 Metallbearbeitungsmaschinen, darunter 4.312,7 4.258,4 669,1
731, 733, 735 .Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung 3.050,4 2.971,1 497,0
74 Maschinen, Apparate und Geräte für verschiedene Zwecke, darunter 26.796,6 27.862,1 1.990,6
742, 743.1 .Pumpen, Kompressoren 4.164,0 4.401,5 283,4
744 .Fördertechnik 2.179,8 2.271,6 262,2
Gesamt 59.720,0 65.297,8 5.191,4

Quelle: UN Comtrade

Zahlreiche Branchenmessen

Messen und Veranstaltungen sind nach wie vor die besten Möglichkeiten für deutsche Maschinenanbieter, um mit potenziellen mexikanischen Kunden ins Gespräch zu kommen. Die wichtigsten Branchenevents sind die Expo Manufactura in Monterrey (nächste Ausgabe: 11. bis 13. Februar 2020) und die Tecma in Mexiko-Stadt (März 2021). Die etwas kleinere Expomaq in León (April 2020) legt den Fokus auf Werkzeugmaschinen.

Mit der Industrial Transformation Mexico (9. bis 11. Oktober 2019) wird in diesem Jahr erstmals ein Ableger der Hannover Messe in Mexiko die Pforten öffnen. Das ebenfalls in León beheimatete Event konzentriert sich laut den Organisatoren auf digitale Technologien in der Produktion.

Neben den einschlägigen Maschinenmessen gibt es eine Reihe von Veranstaltung für einzelne Sektoren. Darunter befinden sich die Expo Empaque (Monterrey; März 2020) für die Verpackungswirtschaft sowie die Plastimagen (Mexiko-Stadt; 10. - 13. November 2020) für die Kunststoffindustrie.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación Mexicana de Distribuidoresde Maquinaria (AMDM) http://www.amdm.org.mx Mexikanischer Verband der Maschinenhändler
Association for Manufacturing Technology (AMT) http://www.amtcenter.org.mx Nordamerikanischer Verband für Fertigungstechnologie
Expo Manufactura http://www.expomanufactura.com.mx Maschinenbaumesse
Texma (Tecnología en Maquinas-Herramienta) http://www.tecma.org.mx Maschinenbaumesse

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

Funktionen

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

Kontakt

Jutta Kusche

‎+49 228 24 993 419

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche