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04.04.2019

Mexikanische Regierung will Gesundheitssystem umbauen

Mehr Mittel für öffentliche Einrichtungen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Das mexikanische Gesundheitssystem soll künftig der gesamten Bevölkerung offen stehen. Dafür will die neue Regierung mehr Geld in die Hand nehmen und die Verwaltung konzentrieren.

Im Lauf ihrer ersten vier Monate im Amt gab die neue mexikanische Regierung verschiedene Maßnahmen bekannt, um das öffentliche Gesundheitssystem zu verbessern. Bereits im Dezember 2018 stellte Präsident Andrés Manuel López Obrador (genannt AMLO) einen Plan vor, demzufolge das teilweise föderal organisierte System vereinheitlicht werden soll.

Demnach werden zunächst die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in den Bundesstaaten Guerrero, Veracruz, Tabasco, Chiapas, Yucatán, Oaxaca, Campeche und Quintana Roo vollständig dem Gesundheitsministerium auf Bundesebene (Secretaría de Salud) unterstellt. In den kommenden Monaten werden weitere Bundestaaten folgen.

Um die Missstände in zahlreichen Kliniken und Krankenhäusern zu beheben, nimmt der Staat zudem 1,3 Milliarden US-Dollar (US$) in die Hand. Die Summe wird in einen Fonds für die Modernisierung der betroffenen Einrichtungen und zusätzliches Personal fließen. Weitere 4,7 Milliarden US$ sind für den Kauf von Medikamenten bestimmt, die kostenlos an die Patienten abgegeben werden sollen.

Einheit öffentlicher Gesundheitsinstitutionen angestrebt

Den Plänen zufolge wird zunächst die Basiskrankenversicherung Seguro Popular umgebaut, um mehr Menschen zu erreichen und diese besser zu versorgen. Über den Seguro Popular sind 55,6 Millionen Mexikaner abgesichert. Der Leistungskatalog umfasst jedoch wesentlich weniger Krankheiten als bei anderen öffentlichen Versicherern. Rund 21,4 Millionen Personen verfügen derzeit laut dem Gesundheitsministerium über keinerlei Krankenversicherung.

Im Hintergrund dieser Überlegungen steht die Vision der neuen Regierung, bis zum Ende ihrer Legislaturperiode 2024 alle öffentlichen Gesundheitsinstitutionen zusammenzuführen. Neben dem Seguro Popular zählen das IMSS (Instituto Mexicano del Seguro Social) mit 43,4 Millionen und das ISSSTE (Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado) mit 6,8 Millionen Mitgliedern zu den größten öffentlichen Sozialversicherern. Beide betreiben eigene Einrichtungen.

Daneben verfügen etwa der staatliche Ölkonzern Pemex, die Bundesstaaten und die Streitkräfte über eigene Gesundheitssysteme. Dieses Konstrukt führt beim Übergang einer Person in ein anderes System zu Informationsverlusten und Unsicherheit über den Versicherungsstatus.

Gemeinsamer Einkauf soll transparenter werden

Um über mehr Mittel für Gesundheitsleistungen zu verfügen, reorganisieren die Verantwortlichen unter anderem den gemeinsamen Einkauf (Compra Consolidada) zahlreicher öffentlicher Institutionen. Bereits die Vorgängerregierung hatte diesen Einkaufsprozess etabliert, um bessere Preise für Medikamente und Verbrauchsgüter zu erreichen.

Allerdings gab es bislang eine starke Konzentration unter den erfolgreichen Anbietern. Über die gesamte Legislaturperiode der vergangenen Regierung von 2012 bis 2018 wurden 80 Prozent des Auftragswerts an nur zehn verschiedene Firmen vergeben. Das führende Unternehmen Grupo Fármacos Especializados alleine erhielt 35 Prozent der vergebenen Mittel. Künftig sollen die Ausschreibungen unter Aufsicht der Vereinten Nationen erfolgen. Die nächste Vergabe ist für den 10. Juni 2019 vorgesehen.

Auch die Deckelung von Medikamentenpreisen soll Mittel einsparen. Im Februar brachte die Regierungspartei Morena einen Vorschlag im Kongress ein, demzufolge die Preise bestimmter Arzneimittel auf jährlicher Basis überprüft werden. Die Initiative will besonders Privathaushalte entlasten, die einen hohen Anteil ihres Einkommens für Mittel gegen Diabetes und andere chronische Krankheiten ausgeben.

Öffentlicher Sektor könnte mehr teure Medikamente beschaffen

An anderer Stelle könnte der Staat jedoch gerade hochpreisige Medikamente verstärkt einkaufen: Im Zuge der Reform des Gesundheitssystems plant AMLO, den Leistungskatalog des Gesundheitsministeriums (Cuadro Básico) abzuschaffen. Dadurch könnte das öffentliche System alle in Mexiko zugelassenen Medikamente einkaufen. Bislang ist die Aufnahme in den Cuadro Básico eine große Hürde für Arzneimittelhersteller. Laut dem Pharmaverband Canifarma (Cámara Nacional de la Industria Farmacéutica) können öffentliche Einrichtungen nur auf rund 10 Prozent der im Land zugelassenen Arzneimittel zugreifen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Salud Pública http://www.gob.mx/salud Gesundheitsministerium
Instituto Mexicano del Seguro Social (IMSS) http://www.imss.gob.mx Sozialversicherung der privaten Arbeitnehmer
Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado (ISSSTE) http://www.issste.gob.mx Sozialversicherung der Staatsbediensteten
Cámara Nacional de la Industria Farmacéutica (Canifarma) http://www.canifarma.org.mx Nationale Kammer für Pharmazeutika

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Gesundheitswesen allgemein, Arzneimittel, Diagnostika

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