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05.04.2019

Mexiko geht neue Wege im Hafenbau

Sonderwirtschaftszonen bleiben aber umstritten / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mexikos Hafenbetreiber erhalten neue Befugnisse und die Regierung will einzelne Hafenanlagen modernisieren. Zuletzt haben vor allem Private investiert.

Mexikos neue Regierung will die Seehäfen des Landes fördern und erweitert dazu die Zuständigkeiten der staatlichen Betreiberunternehmen. Diese werden künftig nicht mehr nur auf dem Hafengebiet tätig sein, sondern dürfen auch als Finanziers von Industrieparks auftreten, die sich in der Nähe der Hafenanlagen befinden.

Die öffentlichen Partner können für Projekte im Hafengelände oder außerhalb Kapital aus dem Fonds Fiport (Fondo para el Fortalecimiento a la Infraestructura Portuaria) einbringen, der sich aus den Hafeneinnahmen speist. Sie sollen im Rahmen der Projekte mit privaten Investoren kooperieren, so dass die angestrebten Industrieparks als Public-private-Partnerships (PPP) umgesetzt werden. Die Umstellung kann neue Investitionen im Umfeld der Häfen anstoßen.

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Häfen erwarten neue Investitionen

Aber auch in die Hafenanlagen selbst könnten durch die Veränderungen mehr Mittel fließen. Unter der vergangenen Regierung wurden zahlreiche Häfen des Landes bereits ausgebaut. Der neue Präsident Andrés Manuel López Obrador kündigte bereits das erste Projekt unter seiner Regierung an: Für rund 150 Millionen US-Dollar (US$) will er die Häfen Salina Cruz im Bundesstaat Oaxaca und Coatzacoalcos im Bundesstaat Veracruz modernisieren lassen.

Die Arbeiten werden Teil des Projekts Corredor Transístmico sein, das vorsieht, mit einer Autobahn- und Schienenverbindung auf der Landenge zwischen Atlantik und Pazifik eine Alternative zum Panamakanal zu etablieren. Insgesamt sind für die Verbindung in einer ersten Phase rund 400 Millionen US$ von öffentlicher Seite vorgesehen, die um private Investitionen erweitert werden sollen. Verantwortlich wird eine neue Agentur sein, die sich aus Vertretern der Hafenbetreiber in Salina Cruz und Coatzacoalcos sowie dem Eisenbahnunternehmen Ferrocarril del Istmo de Tehuantepec zusammensetzt.

Andere Vorhaben, die unter der vergangenen Regierung angestoßen wurden, sind teilweise im Bau oder bereits abgeschlossen, zum Teil wurde über ihre Umsetzung jedoch noch nicht entschieden.

Ausbauvorhaben an mexikanischen Häfen (Auswahl)
Hafen Investitionen (in Mio. US$) Status Anmerkung
Veracruz (2. Phase) 1.852 Entscheidung steht aus U.a. Multifunktions-, Passagier- und Containerterminal; verantwortliches Unternehmen: Hutchison Port
Veracruz (1. Phase) 1.652 Im Bau U.a. Schüttgut-, Container- und Flüssigkeitsterminal, Zentralgebäude; verantwortliches Unternehmen: Hutchison Port
Mazatlán 846 Konzeptphase U.a. Ausbaggerung, Passagierterminal; verantwortliches Unternehmen: Administración Portuaria Integral de Mazatlán
Altamira 388 Im Bau U.a. Schüttgut-, Multifunktions-, Passagier- und Containerterminal; verantwortliches Unternehmen: Administración Portuaria Integral de Altamira
Altamira 53 Entscheidung steht aus Ausbau des Multifunktionsterminals; verantwortliches Unternehmen: Infraestructura Portuaria Mexicana
Tampico 32 In Ausschreibung Neues Multifunktionsterminal; verantwortliches Unternehmen: Integradora de Servicios Transporte y Almacenaje

Quelle: BNamericas

Ausbauprogramm zeigt bereits Wirkung

Unter der vergangenen Regierung wurden 3,7 Milliarden US$ in den Ausbau der Häfen investiert. 80 Prozent der Mittel stammten von privaten Investoren. Das Expansions- und Modernisierungsprogramm war nötig geworden, da die expandierende Industrie des Landes neue Kapazitäten erfordert. Die Maßnahmen zeigen Erfolg: Mexiko kletterte im Ranking Quality of Port Infrastructure des Weltwirtschaftsforums von Rang 75 im Jahr 2012 auf den 57. Platz 2018. Der Gesamtumschlag erhöhte sich von 260 Millionen auf knapp 320 Millionen Tonnen.

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Fragezeichen hinter neuen Sonderwirtschaftszonen

Ein Dämpfer für die Expansionspläne ist allerdings, dass die Fortführung des Konzepts der südlichen Sonderwirtschaftszonen unter der neuen Regierung unsicher ist. Die sieben Zonen an den Häfen Lázaro Cárdenas, Salina Cruz, Puerto Chiapas, Coatzacoalcos, Seybaplaya, Dos Bocas und Progreso waren erst unter der Vorgängeradministration ausgerufen worden. Sie bieten unter anderem Steueranreize und beschleunigte Abschreibungsmöglichkeiten.

Ende März 2019 erklärte Arturo Herrera, Staatssekretär im Finanzministerium, dass sich das bisherige Modell aus Sicht der neuen Regierung nicht bewährt habe. Besonders kritisch sehen die Verantwortlichen, dass es mit sieben Gebieten zu viele Zonen gäbe, wodurch sich die Unternehmen räumlich zu sehr verteilten. In den kommenden Monaten wird das Ministerium entscheiden, wie das Förderschema verändert werden kann.

Wirtschaftsvereinigungen wie der Dienstleisterverband Concanaco Servytur (Confederación de Cámaras Nacionales de Comercio, Servicios y Turismo) betonen hingegen die Notwendigkeit der Zonen für die betroffenen Regionen und sprechen sich dafür aus, die Anreize beizubehalten. Bis September 2018 unterzeichneten private Unternehmen 83 Absichtserklärungen, um in den Zonen tätig zu werden. Die daraus resultierenden Investitionen würden sich auf 7,2 Milliarden US$ belaufen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Comunicaciones y Transportes http://www.gob.mx/sct Mexikanisches Kommunikations- und Transportministerium
Sistema Portuario Nacional (SPN) http://www.sct.gob.mx/puertos-y-marina/puertos-de-mexico Nationales Hafensystem
Asociación Mexicana de Infraestructura Portuaria, Marítima y Costera (AMIP) http://www.amip.org.mx Verband Betreiber von Hafenanlagen
Autoridad Federal para el Desarrollo de las Zonas Económicas Especiales http://www.gob.mx/zee Regierungsstelle für die Entwicklung der Sonderwirtschaftszonen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Wasser-, Hafenbau

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