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04.04.2019

Mexikos Kfz-Industrie bleibt auch mit USMCA optimistisch

Ungewissheit beim Handelsabkommen und Sicherheitsprobleme belasten aber / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Trotz USMCA-Abkommen prognostizieren Branchenkenner Autobauern und Zulieferern in Mexiko eine steigende Produktion. Noch ist die Ratifizierung des Handelsvertrags aber unsicher.

Die Branchenverbände der mexikanischen Kfz-Industrie gehen für 2019 und darüber hinaus von einer guten Entwicklung aus. Eduardo Solís, Präsident des Herstellerverbands AMIA (Asociación Mexicana de la Industria Automotriz), sagte auf einer Pressekonferenz Anfang März, dass die Pkw-Fertigung gegenüber dem Vorjahr leicht anziehen wird. Aufgrund schwacher nationaler Verkäufe ist das Wachstum vom Export getrieben, allen voran in die USA. Dort werden 2019 insgesamt zwar wohl weniger Fahrzeuge verkauft, der Absatz mexikanischer Pkw steigt jedoch gegen den Trend.

Teilehersteller optimistisch

Ähnlich optimistisch äußerte sich Mitte März Óscar Albín, Präsident des Verbands der Teilehersteller INA (Industria Nacional de Autopartes). Er geht für 2020 erstmals von einer Teileproduktion von rund 100 Milliarden US-Dollar (US$) aus. Grund dafür sei die höhere nationale Nachfrage von neuen OEM wie BMW und Toyota, die 2019 Werke in Mexiko eröffnen werden.

Aber auch der Handelskrieg zwischen den USA und China treibt laut Albín die Produktion an. Chinesische Zulieferer investieren demnach verstärkt in Mexiko, um dort etwa Batterien, Kabel und Sensoren für den Export in die USA herzustellen. Das hat zur Folge, dass Mexiko sich ab 2021 auf den vierten Platz der weltgrößten Teilehersteller vorschieben könnte und damit Deutschland verdrängen würde.

Perspektiven der Kfz-Industrie in Mexiko
Kategorie 2017 2018 2019 2)
Pkw-Produktion (in Mio. Einheiten) 1) 3,9 3,9 4,2
Pkw-Export (in Mio. Einheiten) 1) 3,3 3,4 3,7
Teileproduktion (in Mrd. US$) 90,0 95,0 98,0

1) Pkw einschließlich leichter Nfz; 2) Prognosen

Quellen: IHS Markit; INA; Einschätzungen von Germany Trade & Invest

USMCA bereitet weiter Kopfzerbrechen

Obwohl von den beteiligten Regierungen bereits ausgehandelt, bereitet das Nafta-Nachfolgeabkommen USMCA weiter Kopfzerbrechen. Der Vertrag wurde Ende November 2018 von Kanada, Mexiko und den USA unterzeichnet. Die Ratifizierung im US-Kongress ist jedoch unsicher, weil die Demokraten strengere Arbeitsrichtlinien fordern. Kanada und Mexiko drängen außerdem darauf, dass die USA ihre Zölle auf Stahl und Aluminium abschaffen.

Jesús Seade, Staatssekretär im mexikanischen Außenministerium hoffte Ende März auf eine Ratifizierung von USMCA noch im Sommer 2019. Er befürchtete aber, dass der Vertrag Thema der Präsidentschaftswahlen Anfang November 2020 werden könnte. In diesem Fall würde sich die Ratifizierung bis nach den Wahlen hinziehen.

Handelsvertrag könnte Teilefertigung in Mexiko beflügeln

Falls das USMCA-Abkommen wie bislang ausgehandelt ratifiziert wird, könnte es entgegen erster Befürchtungen für neue Investitionen in der mexikanischen Kfz-Industrie sorgen: Damit Pkw zwischen den drei Ländern zollfrei gehandelt werden können, müssen sie eine regionale Wertschöpfung von 75 Prozent statt bisher 62,5 Prozent aufweisen. Davon könnte auch der Produktionsstandort Mexiko profitieren. Die regionale Wertschöpfung von Komponenten soll je nach Kategorie 65 bis 75 Prozent betragen.

Bereits 2018 sind die ausländischen Direktinvestitionen in die Kfz-Branche wieder gestiegen. Der Zufluss betrug 7,3 Milliarden US$ und somit knapp 5 Prozent mehr als 2017. Damit ist die Branche für rund 13 Prozent des mexikanischen Bestands an Direktinvestitionen verantwortlich.

Gegend mit deutschen Kfz-Werken unsicherer

Eine Herausforderung für Autobauer in Mexiko ist indes die neue Vorgabe, dass 40 bis 45 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs in Hochlohnregionen innerhalb Nordamerikas erfolgen müssen, in denen die Kfz-Industrie mehr als 16 US$ Stundenlohn zahlt. Da die Löhne in Mexiko weit niedriger sind, werden neue Investitionen in Kernkomponenten wie Motoren, Karosserie und Fahrwerk vorwiegend in die USA und möglicherweise auch Kanada fließen.

Auch unabhängig des USMCA-Abkommens muss Mexiko die internen Voraussetzungen verbessern, um attraktiv für internationale Autobauer zu bleiben. AMIA-Präsident Eduardo Solís wies im März auf die schlechte Sicherheitslage hin. Demnach leiden Branchenfirmen seit einigen Monaten vermehrt unter Übergriffen krimineller Banden in Gegenden, die bislang als problemlos galten. Beispiel dafür ist der Bundestaat Guanajuato, ein Zentrum der Kfz-Industrie. In dem Bundesstaat sind auch zahlreiche deutsche Firmen wie etwa Bosch ansässig.

Komplexere Regeln erfordern lange Übergangsfristen

Branchenvertreter sind optimistisch, dass die Fahrzeughersteller nach einer Übergangszeit ihre Zulieferketten in Nordamerika derart umbauen, dass sie den neuen Anforderungen entsprechen. Nach Ratifizierung, jedoch frühestens ab dem 1. Januar 2020, sieht der USMCA-Vertrag eine Übergangsfrist von drei bis fünf Jahren vor. Auf Pkw, welche die Anforderungen nicht erfüllen, wird ein Zoll von 2,5 Prozent erhoben.

Die Übergangszeit werden Autobauer und Zulieferer auch nutzen, um den komplexeren Regeln des USMCA-Abkommens im Vergleich zum alten Nafta-Vertrag gerecht zu werden. Allein die Berechnung des geforderten Lohnniveaus von 16 US$ dürfte die Unternehmen vor Herausforderungen stellen. Daneben prüfen die Zollbehörden künftig den Warenursprung strenger, was bis zu Besuchen in den betreffenden Produktionsanlagen reichen kann.

Mittelfristig neue Pkw-Werke möglich

Laut Presseberichten ziehen weitere Fahrzeughersteller in Betracht, Fabriken in Mexiko zu errichten. Im Februar erklärten Vertreter von Seat und Renault gegenüber der Zeitschrift Manufactura, dass Mexiko für sie als möglicher Produktionsstandort infrage komme. Ein Grund für diese Überlegungen dürfte sein, dass US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Monaten immer wieder angedroht hatte, auf in Europa gefertigte Fahrzeuge Zölle von rund 25 Prozent zu erheben.

Das Szenario neuer US-Zölle wurde in den USMCA-Verhandlungen bereits berücksichtigt: Ein Nebenabkommen besagt, dass die USA im Rahmen nationaler Sicherheitsbedenken Zölle auf Pkw und Kfz-Teile aus Mexiko und Kanada erheben können, aber lediglich auf diejenigen Einheiten, die über einer jährlichen Quote liegen - sofern die Fahrzeuge und Teile innerhalb der Quote die Bedingungen für den zollfreien Handel erfüllen.

Diese Quote beträgt im Fall Mexikos 2,6 Millionen Fahrzeuge sowie Teile im Wert von 90 Milliarden US$. 2017 lieferte Mexiko laut der U.S. International Trade Administration knapp 2,2 Millionen Pkw in die USA. Dem Zuliefererverband INA zufolge lagen die Teileexporte bei 63 Milliarden US$.

Derzeit bauen BMW, Daimler (zusammen mit Nissan) und Toyota neue Werke im Land. Die Entscheidungen darüber liegen jedoch bereits rund fünf Jahre zurück. In der Zwischenzeit hat lediglich der chinesische Autobauer BAIC angekündigt, ab 2020 ein neues Werk aufzubauen, in dem ab 2022 unter anderem Elektroautos von 2.000 Arbeitern gefertigt werden sollen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación Mexicana de la Industria Automotriz (AMIA) http://www.amia.com.mx Verband der Pkw-Hersteller
Asociación de Distribudores de Automotores (AMDA) http://www.amda.org.mx Verband der Autohändler
Industria Nacional de Autopartes (INA) http://www.ina.com.mx Verband der Kfz-Teilehersteller

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Straßenfahrzeuge, allgemein, Handels-, Zollabkommen, WTO

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