Suche

30.07.2019

Mexikos Kfz-Zulieferer rüsten sich für das Elektrozeitalter

Firmen brauchen Unterstützung angesichts sich wandelnder Nachfrage der OEM / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Kfz-Zulieferer müssen in Mexiko auf die Produktion für E-Autos umrüsten. Deutsche Firmen können sie dabei unterstützen und gleichzeitig Entwicklungspartner gewinnen.

Die Verkäufe von Elektro- und Hybridautos ziehen in Mexiko nur langsam an, doch die Kfz-Industrie des Landes muss bereits jetzt einen Gang hochschalten. Der Absatzanteil der elektrisch fahrenden Pkw liegt - auch unter Einbeziehung von Vollhybriden - noch unter der Marke von 2 Prozent. Doch heimische und internationale Zulieferer im Land tüfteln bereits daran, wie sie ihr Produktportfolio umstrukturieren müssen, um den neuen Bedürfnissen der OEM gerecht zu werden.

Denn die ansässigen Autobauer produzieren allesamt von Mexiko aus für den Weltmarkt, meist für den Export in die USA. Dort waren Elektro- und Hybridwagen mit einem Verkaufsanteil von 2,1 Prozent 2018 bereits stärker gefragt. In diese Daten des Center of Automotive Management (CAM) gehen Vollhybride nicht ein. Auch in Europa, der nach Nordamerika wichtigsten Absatzregion mexikanischer Pkw, verzeichnen Länder wie Norwegen, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Deutschland mittlerweile Absatzzahlen von jeweils rund 25.000 bis 75.000 Einheiten pro Jahr.

MKT201907298006.14

Zulieferer wollen nicht den Anschluss verlieren

Mexiko verfügt mit rund 1.300 im Land produzierenden Teileherstellern über ein gut ausgebautes Lieferantennetz, doch laut dem Branchenverband INA (Industria Nacional de Autopartes) liefern nur rund 50 Unternehmen Produkte für Elektro- und Hybridautos zu. Bislang stammen vor allem Kabelbäume aus dem lateinamerikanischen Land. INA-Präsident Óscar Albín sieht noch Luft nach oben und geht davon aus, dass besonders die Tier1-Firmen ihr Angebot in den nächsten Jahren ausbauen werden. Experten zufolge unterscheiden sich bei einem Elektro-Pkw rund 30 Prozent der Komponenten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Auch Christoph Lienemann beobachtet, wie sich mexikanische Zulieferer derzeit neu positionieren. Er ist Geschäftsführer für Nordamerika bei der deutschen Beratungsgesellschaft PEM Motion, einer Ausgründung der RWTH Aachen. "In Mexiko unterstützen wir die Firmen dabei, den Wandel in der Mobilität und die Marktentwicklung zu verstehen sowie ihr Produktportfolio entsprechend strategisch anzupassen." Dafür müssen laut Lienemann auch interne und externe Prozesse neu etabliert und Mitarbeiter geschult und weitergebildet werden.

Zusammenarbeit für deutsche Firmen interessant

Für deutsche Kfz-Zulieferer und Ingenieurfirmen kann eine Kooperation durchaus interessant sein. "Gerade die großen mexikanischen Zulieferer haben das Potenzial, in den kommenden Jahren zahlreiche Produkt- und Prozessinnovationen zu erarbeiten", so Lienemann. Die Zulieferbranche ist zwar von ausländischen Branchengrößen geprägt, darunter Bosch, Bridgestone, Continental, Lear, Magna und SKF. Mexikanische Firmen wie Condumex, GIS, Metalsa, Nemak und Rassini konnten in den letzten Jahren jedoch mit dem Markt wachsen und gehören in ihren Bereichen mittlerweile selbst zu den wichtigsten Playern weltweit.

Mexikanische Firmen haben ehrgeizige Pläne

So geht der mexikanische Anbieter von Antriebs- und Strukturteilen Nemak davon aus, dass Komponenten für Elektrofahrzeuge bis 2025 rund 21 Prozent seines Umsatzes ausmachen werden. Derzeit sind es nur 4 Prozent. Das Unternehmen will bei Motorteilen, Batteriekästen und Strukturkomponenten expandieren. Der Fahrwerkszulieferer Rassini spezialisiert sich auf die Energierückgewinnung. Bereits seit 2016 liefert die Firma mit Hauptsitz in Mexiko-Stadt Bremsscheiben an den US-amerikanischen E-Autohersteller Tesla.

Metalsa gab im Juni 2019 bekannt, künftig die Karosserie für den Elektro-SUV F-150 von Ford zu entwickeln. Daneben wird der mexikanische Zulieferer für das US-amerikanischen Start-up Rivian tätig. Auch an Tesla liefert Metalsa bereits Teile. Der Spezialist für Kfz-Elektrik Condumex entwickelt verstärkt Kabelbäume sowie Software für E-Fahrzeuge. Das Unternehmen betreibt ein Entwicklungszentrum in Querétaro, wo mehr als 300 Ingenieure an entsprechenden Lösungen arbeiten.

OEM bereiten ihre mexikanischen Werke auf Elektro-Zeitalter vor

Die Initiativen der Zulieferer kommen zur rechten Zeit, denn Autobauer beginnen, auf die Produktion elektrisch betriebener Fahrzeuge umzustellen. Der chinesische OEM BAIC will in Mexiko bis 2022 ein neues Werk für 20.000 Einheiten pro Jahr aufbauen. Bei der Hälfte der Fahrzeuge soll es sich um E-Autos handeln. Ford wird ab 2020 einen E-SUV auf Basis des Ford Mustang im Werk Cuautitlán fertigen. Bereits seit 2018 baut das Unternehmen den Ford Fusion Hybrid im Werk Hermosillo.

Audi fertigt seit Mitte 2019 in Puebla das Modell Q5 auch als Hybridversion. BMW kann im neuen Werk im zentralmexikanischen San Luis Potosí laut eigenen Angaben die Produktion flexibel auf E-Autos umstellen, wenn der Markt dies verlangt. Daimler gab im Juni 2018 bekannt, die Elektroversion eines bestehenden Lkw-Modells in Mexiko fertigen zu wollen. Der Cascadia wird bereits im Daimler-Werk in Saltillo gebaut, ab 2021 soll er auch mit Elektroantrieb vom Band rollen.

Auch kleine Hersteller arbeiten an Elektrofahrzeugen

Neben den international agierenden Autobauern gibt es in Mexiko eine Gruppe kleiner Hersteller, die sich mit E-Autos und -Nutzfahrzeugen für die Nische beschäftigen. Beispielsweise baut Moldex, eine Tochterfirma des mexikanischen Backwarengiganten Bimbo, seit 2012 elektrische Transporter mit denen der Konzern seine Produkte ausfährt.

Bislang wurden nur rund 500 Exemplare gefertigt, doch ein Unternehmenssprecher ging im März davon aus, dass 2019 neben dem Mutterkonzern Bimbo auch andere Unternehmen die Fahrzeuge bestellen werden. Daneben entwickeln Firmen wie LM&TH Automotive und Motores Limpios elektrische Kleinstwagen für den Stadtverkehr.

Wo mexikanische Zulieferer Unterstützung brauchen

PEM Mexiko-Geschäftsführer Lienemann sieht trotz des im Land vorhandenen Potenzials, dass die mexikanische Zulieferbranche Unterstützung beim Wandel hin zur Elektromobilität benötigt. "Wir planen derzeit im Bundesstaat Nuevo León eine Ramp-Up Factory, in der Lieferanten und Start-ups Prototypen zügig und flexibel herstellen sowie testen können." Damit bringt PEM ein Konzept nach Mexiko, das die Gesellschaft bereits in Deutschland und den USA erfolgreich umgesetzt hat.

Neben der technologischen Entwicklung haben die Firmen einen Nachholbedarf bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Hier wollen die Clustervereinigungen in verschiedenen Bundesstaaten die Hersteller unterstützen. In Nuevo León kooperiert PEM beispielsweise mit dem Automotive Hightech Cluster (AHT) und der Universität Tec de Monterrey. Auch die Cluster in Chihuahua, Estado de México, Jalisco und San Luis Potosí haben bereits Initiativen gestartet.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación Mexicana de la Industria Automotríz (AMIA) http://www.amia.com.mx Verband der Pkw-Hersteller
Industria Nacional de Autopartes (INA) http://www.ina.com.mx Verband der Kfz-Teilehersteller
PEM Motion https://pem-motion.com Ausgründung der RWTH Aachen zur Beratung der Kfz-Industrie

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Elektromobilität

Funktionen

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

Kontakt

Jutta Kusche

‎+49 228 24 993 419

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche