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11.04.2019

Mexikos Kunststoffindustrie zögert neue Investitionen hinaus

Recycling wird wichtiger / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mexikos Kunststoffhersteller investieren weniger in Maschinen und Ausrüstung. Die mittel- bis langfristigen Perspektiven sind gut, doch neue Regulierungen verunsichern.

Die Perspektiven der mexikanischen Kunststoffindustrie sind nicht eindeutig: Einerseits weisen wichtige Abnehmerbranchen wie die Verpackungswirtschaft und die Kfz-Industrie mittelfristig auf eine gute Entwicklung hin. Beide Sektoren haben angesichts der wachsenden Bevölkerung und der Exportmöglichkeiten innerhalb Nordamerikas das Potenzial, ihre Nachfrage nach Kunststoffen zu steigern.

Andererseits steht die Branche vor Herausforderungen, wie an Ständen der Messe Plastimagen Anfang April 2019 zu hören war. Höhere Energiekosten, die wachsende Unsicherheit in einigen Landesteilen, Kampagnen gegen Einwegprodukte und die mangelnde Verfügbarkeit von Vorprodukten setzen den Unternehmen zu. Vertreter des Branchenverbands Anipac (Asociación Nacional de Industrias del Plástico) gehen für 2019 von einer weiteren Abnahme der Zuwachsraten aus, nachdem die Dynamik bereits 2018 nachgelassen hatte.

Mexikanischer Markt für Kunststoffe und Harze (in Mrd. US$, Veränderung in %)
Indikator 2016 2017 2018 2) Veränderung 2018/2017 2) 3)
Marktvolumen 1) 3) 29,1 30,2 31,0 2,3
Lokale Produktion 21,9 22,7 23,2 2,3
Importe 13,2 13,8 14,1 2,2
Exporte 6,0 6,2 6,4 2,2

1) ergibt sich aus: lokale Produktion + Importe - Exporte; 2) Schätzungen; 3) Abweichungen durch Rundungen

Quelle: US-Handelsministerium (U.S. Department of Commerce)

Die Kunststoffindustrie ist mit einem Anteil von rund 5 Prozent am industriellen Bruttoinlandsprodukt Mexikos ein wichtiger Wirtschaftszweig. 2018 produzierten die etwa 4.000 Branchenunternehmen zusammen rund 7 Millionen Tonnen an Kunststoffen und Produkten daraus. Zu den wichtigsten Lieferanten von Vorprodukten wie Ethylen, PET und PTA gehören Alpek, BASF, Braskem, Dow Chemical und Mexichem,

Verbot von Einwegprodukten eröffnet Recyclingfirmen Chancen

Derzeit gelten neue Regeln für die Branche, wonach bestimmte Einwegprodukte wie Tüten, Trinkhalme und Geschirr aus Plastik in Teilen des Landes nicht mehr verkauft werden dürfen, zum Beispiel im Bundesstaat Guerrero. Aktuell finden sich entsprechende Regelungen in 16 der 32 mexikanischen Bundesstaaten in Vorbereitung oder wurden bereits erlassen. Laut Angaben von Anipac stellten im vergangenen Jahr sieben Hersteller solcher Produkte die Fertigung ein.

Die Initiativen führen dazu, dass die Kunststofffirmen darauf drängen, mehr Verpackungen zu recyceln und so die Umweltbilanz ihrer Produkte zu verbessern. Zudem bekommt Mexiko zu spüren, dass China seit Anfang 2018 den Import von Plastikmüll eingeschränkt hat.

Daraus ergeben sich gleichzeitig Chancen für Technologieanbieter, denn Recyclingfirmen müssen ihre Kapazitäten ausbauen. Laut der Nichtregierungsorganisation Ecoce wurden 2016 rund 58 Prozent des PET eingesammelt. Damit ist Mexiko führend in Lateinamerika. Da nicht das gesamte Material wiederverwertet werden konnte, wurden allerdings 40 Prozent des PET-Mülls exportiert.

Neben PET sollen auch weitere Materialien recycelt werden

Ecoce zufolge müssen sich die Wiederverwerter stärker auf Materialien wie Plastikverpackungen (Polypropylen hoher Dichte), Kunststofffolien (Polypropylen niedriger Dichte), Getränkepacks und laminierten Karton konzentrieren. Diese werden im Vergleich zu PET bislang noch wenig wiederverwertet.

Betreiber von Recyclinganlagen sind die Unternehmen PetStar, Imer, CPR MEX, Tecnología de Reciclaje, Green Pet, Envases Plástico del Centro, Paktec, Morphoplast, Alen del Norte, Procesadora Tecnológica de Polímeros, PET Performance/IPISA, Plásticos W/XITO/Petall, Green Mind, Indorama, Omnigreen und PetOne. Die Anlagen verfügten 2016 zusammen über eine Kapazität von 288.000 Tonnen an Ausgangsmaterial pro Jahr.

Hersteller beklagen Mangel an Vorprodukten

Neben dem Verkaufsverbot von Einwegprodukten ist die schlechte Verfügbarkeit von Rohstoffen ein schwieriges Thema für die Branche. Anfang April 2019 richtete sich das brasilianisch-mexikanische Joint Venture Braskem Idesa mit einem Appell an die Regierung Mexikos, die Infrastruktur für den Import von Erdgas und anderen Ausgangsstoffen für die Polymerproduktion zu verbessern.

Laut Braskem Idesa führt das geringe nationale Angebot an Ethan durch den staatlichen Ölkonzern Pemex dazu, dass das Joint Venture nur 80 Prozent seiner Produktionskapazitäten für Polyethylen nutzen kann. Andere Chemiekonzerne berichten ebenfalls davon, dass sie Engpässe in der Versorgung mit Vorprodukten haben. Pemex fährt die Förderung von Erdgas und die Produktion von Basischemikalien seit Jahren zurück. In den ersten beiden Monaten 2019 war die Gasproduktion 10 Prozent niedriger als im Vorjahr und 28 Prozent niedriger als 2017.

Geringere Nachfrage nach Maschinen

Nachdem die Maschinenverkäufe 2018 zurückgingen, werden sie im laufenden Jahr nach Meinung von Ausrüstungsanbietern bestenfalls stagnieren - die Kunststoffverarbeiter zögern mit Investitionen. Deutsche Anbieter mussten bereits 2018 Rückgänge hinnehmen, diese fielen allerdings geringer aus als im Marktdurchschnitt.

Bei Kunststoffmaschinen waren deutsche Ausrüstungsanbieter 2018 führend - vor Wettbewerbern aus den USA, China, Japan und Italien. In der Belieferung des mexikanischen Marktes mit Formen für die Kunststoffverarbeitung lag Deutschland hinter China, den USA, Kanada, Südkorea und Japan an sechster Stelle.

Mexikanischer Import von Kunststoffmaschinen und -werkzeugen (in Mio. US$, Veränderung in %)
HS-Code Produkt 2016 2017 2018 Veränderung 2018/2017 *)
8477 Kunststoff- und Gummimaschinen 1.475,1 1.534,5 1.463,7 -4,6
.davon aus Deutschland 338,0 350,3 347,8 -0,7
8480.71, 8480.79 Formen für Kautschuk oder Kunststoffe 1.454,4 1.449,6 1.579,7 9,0
.davon aus Deutschland 130,5 120,1 113,2 -5,7

*) Abweichungen aufgrund von Rundungen

Quelle: Mexikanisches Außenhandelssystem Siavi

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación Nacional de Industrias del Plástico (Anipac) https://anipac.org.mx Verband der Kunststoffproduzenten
Asociación Mexicana de Envase y Embalaje (Amee) http://www.amee.org.mx Verband der Verpackungsproduzenten
Asociación Mexicana de Empresas Ambientales (Amexa) http://www.amexa.org.mx Verband von Umweltunternehmen
Ecoce http://www.ecoce.mx Recycling-Initiative der Nahrungsmittelindustrie
Asociación Mexicana de Distribuidores de Maquinaria (AMDM) http://amdm.org.mx Verband der Maschinen- und Ausrüstungshändler

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Kunststoffe und Gummi, Kunststoff- und Gummimaschinen

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