Suche

20.09.2019

Mexikos Pharmaindustrie knickt ein

Branche leidet unter neuen Ausschreibungsregeln / Von Florian Steinmeyer (Juli 2019)

Mexiko-Stadt (GTAI) - Für die kommenden Jahre sind die Aussichten für die Pharmaindustrie jedoch gut. Mittelfristig bieten Medikamente zur Diabetesbekämpfung die größten Chancen.

Die in den vergangenen Jahren überaus erfolgreiche Pharmaindustrie Mexikos wird 2019 voraussichtlich einen Wachstumsknick hinnehmen müssen. Grund dafür sind Änderungen im gemeinsamen Arzneimitteleinkauf der öffentlichen Institutionen. Die neue Regierung drang darauf, die Ausschreibungsbedingungen durch niedrigere Preise und kürzere Lieferfristen anspruchsvoller für die interessierten Unternehmen zu gestalten.

In der Konsequenz gaben Branchenfirmen nur für 38 Prozent der ausgeschriebenen Medikamente und Verbrauchsmaterialien gültige Angebote ab. Dadurch werden mit knapp 6,9 Milliarden US-Dollar (US$) lediglich 56 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschüttet. Die restlichen 62 Prozent der Produkte muss das zuständige Finanzministerium direkt einkaufen beziehungsweise eine neue Ausschreibung starten. Vertreter von Pharmaherstellern sprachen davon, dass sich die beteiligten Firmen durch die neuen Regeln zum einen wesentlich schlechter stellten. Zudem sei der Ausschreibungsprozess zum Teil konfus verlaufen.

Für die kommenden Jahre sind die Aussichten dennoch gut. Das nach wie vor starke Bevölkerungswachstum und die alternde Gesellschaft treiben die Entwicklung an. Chronische und altersbedingte Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßverstopfungen sowie Gebärmutter- und Darmkrebs greifen immer weiter um sich.

Pharmaabsatz in Mexiko

Indikator 2016 2017 2018 *) 2019 *) 2020 *)
Absatz (Mrd. US$) 9,8 10,0 10,4 11,2 11,9
Pro-Kopf-Absatz (US$) 76,8 77,6 79,3 84,5 89,1
Anteil des Absatzes am BIP (%) 0,91 0,87 0,85 0,83 0,80
Anteil des Absatzes an gesamten Gesundheitsausgaben (%) 15,3 14,8 14,2 13,8 13,4

*) Prognose

Quelle: Fitch Solutions

Mittelfristig bietet die Bekämpfung von Diabetes die größten Chancen. Im Jahr 2040 wird Mexiko aktuellen Projektionen zufolge die weltweit sechsthöchsten Behandlungskosten für Diabetes aufweisen. Entsprechend groß ist das Interesse des Gesundheitsministeriums und der öffentlichen Krankenkassen IMSS und ISSSTE an Medikamenten, welche die Krankheit am Ausbruch hindern beziehungsweise therapieren können. Dabei müssen die öffentlichen Kassen jedoch sparen. Entsprechend hoch ist der Druck, kostengünstige Medikamente einzukaufen.

Arzneimittelproduktion 2019 vermutlich schwächer

Während die nationale Pharmaproduktion 2018 mit einem mengenmäßigen Plus von 2,7 Prozent noch gut zulegen konnte, wird das Wachstum aufgrund der schwachen Beteiligung an der gemeinsamen Ausschreibung 2019 voraussichtlich niedriger ausfallen. Der öffentliche Gesundheitssektor gilt auch unabhängig von den neuen Ausschreibungsbedingungen als schwieriges Feld für traditionelle Arzneimittelhersteller. In den letzten Jahren nahm der Anteil an Generika immer weiter zu und liegt mittlerweile bei über 90 Prozent.

Produktion von Pharmazeutika in Mexiko (in Mio. Schachteln, Veränderung in %) 1)
2014 2015 2016 2017 2018 Veränderung 2018/2017 2)
2.584,4 2.572,0 2.563,3 2.574,8 2.645,4 2,7

1) umfasst Human- und Tiermedizin sowie Impfstoffe, Vitaminpräparate und Ernährungszusatzstoffe; 2) Abweichungen durch Rundungen

Quelle: Statistikamt Inegi

Weniger Investitionen

Die Investitionsdynamik im mexikanischen Pharmasektor hat sich deutlich abgekühlt. Dies ist neben der aktuellen Marktentwicklung auf eine natürliche Konsolidierung zurückzuführen. In den vergangenen Jahren investierten sowohl nationale als auch ausländische Pharmafirmen hohe Beträge in neue Werke und Fabrikerweiterungen.

Im 1. Halbjahr 2019 gab es lediglich kleinere Ankündigungen über die Erweiterung von Werken und die Fortentwicklung der Distribution. Pfizer will 2019 rund 26 Millionen US$ in Mexiko ausgeben, unter anderem um ein Werk im Bundestaat Estado de México zu erweitern. Boehringer Ingelheim wird bis 2021 umgerechnet knapp 50 Millionen US$ in eine Fabrik für Antidiabetika in Mexiko-Stadt investieren. Die schweizerische Novartis plant, für 20 Millionen US$ unter anderem ihr mexikanisches Servicezentrum zu erweitern.

Größte Arzneimittelproduzenten in Mexiko (Umsatz in Mexiko, in Mio. US$, Veränderung in %)
Unternehmen (Herkunftsland) Umsatz 2017 Veränderung 2017/2016 *)
Sanofi (Frankreich) 892,1 -2,1
Bayer (Deutschland) 822,9 1,9
Genomma Lab Internacional (Mexiko) 608,7 1,7
Farmaceúticos Maypo (Mexiko) 591,4 15,9
Pfizer (USA) 460,6 -0,7
Novartis Farmacéutica (Schweiz) 393,6 4,9
Roche (Schweiz) 353,8 -4,1
Merck (Deutschland) 346,1 -1,7
Boehringer Ingelheim (Deutschland) 328,8 8,5
Eli Lilly (USA) 208,3 -6,2
Bausch Health Mexico (Kanada) 201,2 6,8
AstraZeneca (Russland) 190,7 9,9
Específicos Stendhal (Mexiko) 188,6 14,6
Chinoin (Mexiko) 173,5 16,7

*) Veränderung in nationaler Währung

Quelle: Wirtschaftsmagazin Expansión

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Arzneimittel, Diagnostika

Funktionen

Sofia Hempel Sofia Hempel | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Sofia Hempel

‎+49 228 24 993 248

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche