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04.12.2018

Modernisierung der Industrie in der Ostukraine bietet Chancen

Metallunternehmen investieren in neue Anlagen / Von Fabian Nemitz

Kiew (GTAI) - Die Ostukraine, das Herz der ukrainischen Industrie, gilt als Krisenregion. Dabei ist die Sicherheitslage in Städten wie Dnipro oder Saporishshja stabil und es bieten sich Geschäftschancen.

Die Ostukraine ist das industrielle Zentrum der Ukraine. Die Region profitiert von reichen Rohstoffvorkommen, der entwickelten Industrie und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Es bieten sich viele Geschäftsmöglichkeiten, besonders in den Schwerpunktbranchen Bergbau und Metallindustrie. Die großen Industriekonzerne investieren Jahr für Jahr hohe Summen. Gleichzeitig arbeiten die Gebietsverwaltungen an der Verbesserung der Infrastruktur.

Allerdings leidet der Landesteil unter seinem Image als Kriegs- und Krisenregion. Dabei ist die sogenannte Kontaktlinie, an der es täglich zu Kampfhandlungen kommt, von den Verwaltungssitzen der Gebiete Charkiw, Dnipropetrowsk und Saporishshja rund 200 Kilometer entfernt. Die "Kontaktlinie" trennt die von der ukrainischen Regierung kontrollierten von den nicht kontrollierten Gebieten.

Für die drei genannten Gebiete gilt keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Die Sicherheitslage vor Ort ist stabil. Sorgen bereitet aber die jüngste Verschärfung des Konflikts mit Russland am Asowschen Meer.

Staat stellt Mittel für Flughafenprojekt in Dnipro bereit

Hauptstadt des Gebiets Dnipropetrowsk und viertgrößte Stadt der Ukraine ist Dnipro. Die Ende des 18. Jahrhunderts von Katharina der Großen als Jekaterinoslaw gegründete Stadt am Dnjepr (ukrainisch: Dnipro) ist eines der wichtigsten Industriezentren der Ukraine. Wegen der bedeutenden Rüstungsindustrie mit den Raketenbauern Yuzhmash und Yuzhnoye war Dnipro bis in die 90er-Jahre eine geschlossene Stadt.

Heute bemüht sich die Region um Offenheit und möchte ausländische Investoren gewinnen. Hierzu wurden die Investitionsförderagenturen Dnipro Development Agency (http://dda.dp.ua) für die Stadt Dnipro und Dnipropetrovsk Investment Agency (http://dia.dp.gov.ua) für das Gebiet Dnipropetrowsk gegründet. An der Industrie- und Handelskammer der Region (http://cci.dp.ua) gibt es ein deutsch-ukrainisches Kooperationsbüro.

Standortnachteil von Dnipro ist der Flughafen. Während in jüngster Zeit an den meisten Airports der Ukraine Billigflieger für Wettbewerb und neue Flugziele sorgen, verfügt Dnipro nur über sehr wenig Verbindungen und deutlich höhere Ticketpreise. Gründe hierfür liegen an den früheren Eigentümerverhältnissen, doch es besteht Hoffnung auf Besserung. Im Juli 2018 hat der Chef der Firmengruppe DCH, Oleksandr Yaroslavsky, die Kontrolle über den Airport übernommen und angekündigt, bis zu 70 Millionen US-Dollar (US$) in die Modernisierung investieren zu wollen.

Das Projekt soll im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft umgesetzt werden. Im Staatsbudget für 2019 ist hierfür eine Summe von 7,1 Millionen US$ eingeplant. Neben der Modernisierung des bestehenden Flughafens sind jedoch auch der Bau eines neuen Airports im Ort Solone, auf halbem Weg zwischen Dnipro und Saporishshja, sowie in Kamjanka im Gespräch.

Ausgewählte Kennzahlen zum Gebiet Dnipropetrowsk
Indikator
Einwohnerzahl in Mio. (1.9.18) 3,21
Fläche in qkm 31.914
Bruttoregionalprodukt in Mrd. US$ (2016) 9,6
Anteil am landesweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) in % (2016) 10,2
Größte Städte (Einwohnerzahl in 1.000; 2017) Dnipro (979), Krywyj Rih (639), Kamjanske (244), Nikopol (114), Pawlohrad (108)

Quelle Derzhstat

ArcelorMittal investiert in Standort Krywyj Rih

Eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Dnipro spielte die Lage der Stadt zwischen dem Eisenerzbecken von Krywyj Rih (Krywbass) und den Steinkohlevorkommen des Donbass. Zentrum des Krywbass ist Krywyj Rih, die zweitgrößte Stadt im Gebiet Dnipropetrowsk - und, wie die Stadtväter versichern, die mit 126 Kilometern längste Stadt in Europa, was an der immer weiter fortschreitenden Erschließung von Lagerstätten liegt.

Wichtigster Arbeitgeber der Stadt ist das Stahlwerk ArcelorMittal Kryvyi Rih. Im Jahr 1934 als Kriworoshstal gegründet, wurde das Unternehmen 2005 privatisiert und für 4,8 Milliarden US$ von Mittal übernommen. Nach eigenen Angaben hat der Stahlriese seither rund 4,5 Milliarden US$ in die Modernisierung der Anlagen investiert. Im Jahr 2018 dürften es weitere 404 Millionen US$ werden. Für 2019 bis 2022 sind 1,5 Milliarden US$ eingeplant. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) unterstützt ArcelorMittal dabei mit 350 Millionen Euro.

Die Industrie- und Bergbaustadt Krywyj Rih zählt zu den Städten mit der größten Umweltbelastung in der Ukraine. Berüchtigt ist die rotverfärbte Schneedecke im Winter. Schwerpunkte der Stadtverwaltung im Entwicklungsplan bis 2025 sind Umweltschutz, Entwicklung der Wirtschaft und Lebensqualität. Ein Ende 2013 gegründeter Industriepark mit Fokus auf Logistik, Maschinenbau, Baustoffproduktion und IT soll zur Diversifizierung der Wirtschaft beitragen. Aktuell sucht die Stadtverwaltung nach einer Betreiberfirma für den Park.

Auch der Industrietourismus soll stärker entwickelt werden. Schon heute verfügen die größten Betriebe über eigene Museen und zeigen Touristen die Erzförderung im Tagebau oder die Stahlherstellung.

Powerhouse Saporishshja

Auch Saporishshja hat Touristen einiges zu bieten. Auf der Dnjeprinsel Chortiza befand sich einst ein wichtiges Zentrum der Kosaken. Heute ist Saporishshja eine bedeutende Industriestadt, nicht zuletzt dank der reichlich vorhandenen Energie aus Europas größtem Kernkraftwerk mit einer Leistung von 6.000 Megawatt und dem Wasserkraftwerk Dniprowska HES mit 1.554 Megawatt. Das Wasserkraftwerk wird im Moment mit Unterstützung der EBWE vom österreichischen Unternehmen Andritz modernisiert.

Auch in Saporishshja haben traditionsreiche Industriekonzerne ihren Sitz. Hierzu zählen der Turbinenbauer Motor Sich, der sich heute in einem traurigen Zustand befindliche Autobauer Avto ZAZ sowie Metallunternehmen wie Dneprospetsstal, Zaporozhsky Ferroalloy Plant und Zaporizhstal. Letzeres Unternehmen hat in den vergangenen Jahren 500 Millionen US$ in die Modernisierung investiert, unterstützt vom deutschen Partner SMS Group.

Ein harter Schlag für Zaporizhstal sind die von der EU jüngst eingeführten Antidumpingmaßnahmen. Von einst 35 Prozent ist der Exportanteil in die EU laut Unternehmenschef Rostyslav Shurma auf weniger als 20 Prozent gesunken.

Ausgewählte Kennzahlen zum Gebiet Saporishshja
Indikator
Einwohnerzahl in Mio. (1.9.18) 1,71
Fläche in qkm 27.180
Bruttoregionalprodukt in Mrd. US$ (2016) 4,1
Anteil am landesweiten BIP in % (2016) 4,4
Größte Städte (Einwohnerzahl in 1.000; 2017) Saporishshja (751), Melitopol (155), Berdjansk (113)

Quelle Derzhstat

Unternehmerreise als Türöffner

Mehr als in Deutschland zählt bei Geschäften in der Ukraine der persönliche Kontakt. Entscheidungen werden in der Regel auf der obersten Managementebene getroffen. Ein guter Türöffner sind Unternehmerreisen, wie zum Beispiel die vom Deutsch-Ukrainischen Forum (http://www.d-u-forum.de) und dem Ost-Ausschuss - Osteuropaverein (http://www.oaoev.de) im Oktober 2018 durchgeführte Reise nach Dnipro und Krywyj Rih (Titel der Reise: "Industrielle Modernisierung und neue Technologien").

Kontaktadressen

Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland Donezk/Dienstsitz Dnipro

Internet: https://donezk.diplo.de

ArcelorMittal Kryvyi Rih

Technischer Direktor: Herr Vinay Tiwari

E-Mail: vinay.tiwari@arcelormittal.com

T +380 56 49 91 665

Head of Capex Procurement: Herr Limesh Thanki

E-Mail: limesh.thanki@arcelormittal.com

T +380 56 49 91 939

Internet: http://www.arcelormittal.com

Zaporizhstal

CEO: Herr Rostyslav Shurma

E-Mail: rostyslav.shurma@zaporizhstal.com, reception.ceo@zaporizhstal.com

T +380 61 218 33 01

Internet: http://www.zaporizhstal.com

Dieser Artikel ist relevant für:

Ukraine Regionalstruktur, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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