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24.01.2019

Ölkonzern Pemex erlebt unter Mexikos neuer Regierung eine Renaissance

Präsident stärkt den staatlichen Einfluss auf die Öl- und Gasindustrie / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Nachdem die letzte Regierung den Öl- und Gassektor geöffnet hatte, dreht der neue Präsident das Rad zurück. Für deutsche Ausrüstungsanbieter ist das zweischneidig.

961 Prozent - so stark steigt 2019 das Budget des mexikanischen Energieministeriums unter dem neuen Staatspräsidenten Andrés Manuel López Obrador (genannt AMLO). Das Ministerium wird allerdings den geringsten Teil davon selber behalten. Gut 1,2 Milliarden des Gesamtetats von 1,4 Milliarden US-Dollar (US$) muss Energieministerin Rocío Nahle an die staatliche Erdölgesellschaft Pemex abgeben. Die Zahlungen des Ministeriums machen nur einen kleinen Teil des gesamten Pemex-Budgets aus, doch der Vorgang zeigt, wie sehr die neue Regierung auf den Staatskonzern setzt, nachdem ihm die Vorgängeradministration kontinuierlich Mittel entzogen hatte.

AMLOs Vorgänger im Präsidentenamt, Enrique Peña Nieto, hatte 2012 eine umfassende Energiereform angestoßen, die das Monopol von Pemex über die komplette Wertschöpfungskette aufbrach. Dem Konzern wurden zwar weite Teile der bekannten Ölquellen zugesprochen, doch in den folgenden Ausschreibungen von neuen Gebieten kamen Privatfirmen zum Zug. Diese haben über die gesamte Laufzeit der Verträge hinweg rund 220 Milliarden US$ an Investitionen zugesagt.

Künftig führt kein Weg vorbei am Staatskonzern

Die neue Regierung löst diese Verträge zwar nicht - wie zunächst befürchtet - auf, doch künftig wird kein Weg an Pemex vorbeiführen. Die noch offenen Vergaberunden 3.2 und 3.3 sowie sieben Kooperationsprojekte wurden zunächst verschoben. Pemex soll wieder alleine handlungsfähig werden, wozu das Gesamtbudget des Ölriesen 2019 um 14 Prozent auf 23,1 Milliarden US$ steigt. Rund 13,5 Milliarden US$ davon sind für Investitionen bestimmt, ein Plus von 28,5 Prozent gegenüber 2019.

Dafür erwartet die Regierung Gegenleistungen: Die Erdölförderung soll Ende 2024 bei 2,5 Millionen Barrel pro Tag (bpd) liegen. Momentan sind es lediglich 1,8 Millionen bpd. Ein Hindernis ist die schlechte Finanzlage, denn die Schulden von Pemex betragen umgerechnet gut 100 Milliarden US$ und übersteigen die Aktiva. Da rund 80 Prozent der Verschuldung in US-Dollar vorliegt, birgt eine Abwertung des Mexikanischen Peso große Risiken. Zudem steckt Pemex derzeit in einem Kampf gegen Kraftstoffdiebe, die in großem Umfang Pipelines anzapfen. Das führte in den vergangenen Wochen zu Lieferengpässen und langen Schlangen an den Tankstellen in ganz Mexiko. Ein Pipelineleck war auch Ursache der verheerenden Explosion letzte Woche mit vielen Toten in der Kleinstadt Tlahuelilpan im Gliedstaat Hidalgo.

Schwieriger Geschäftspartner für deutsche Firmen

Für deutsche Technologieanbieter ist das politisch gewollte Wiedererstarken von Pemex zweischneidig. Zum einen schieben die staatlichen Investitionen neue Projekte an, für die Equipment benötigt wird. Andererseits gilt die Zusammenarbeit mit Pemex aufgrund langwieriger Entscheidungsprozesse, der schlechten Finanzsituation und Compliance-Fragen als schwierig. Der Staatskonzern führt die Projekte in der Regel jedoch nicht komplett alleine durch, sondern beauftragte in der Vergangenheit häufig private Firmen wie Alfa, Grupo R, Grupo Diavaz, Oro Negro und Carso Oil & Gas.

Mexikanische Erdölförderung (in Mio. Barrel pro Tag)
Indikator 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
Basisszenario 1) 1,8 1,6 1,3 1,0 0,8 0,7 0,5
Regierungsprognose 2) 1,8 1,8 2,0 2,1 2,2 2,3 2,5

1) Beschränkung auf Berücksichtigung operativer Kosten und Wartungskosten; 2) mit geplanten Investitionen in Pemex; für 2016/2017 werden 2,2 Mio./1,9 Mio. bpd ausgewiesen

Quelle: Plan de Hidrocarburos 2018-2024

Upstream: Investitionen gegen geringere Produktion

Pemex operiert vorwiegend in reifen Ölfeldern, die ihr Produktionsmaximum bereits überschritten haben. Nicht zu investieren würde daher unweigerlich dazu führen, dass weniger Öl gefördert werden kann. Entsprechend fließen die meisten Investitionen 2019 in die Exploration und Förderung. 10,5 Milliarden US$ stellt der Staat bereit, hauptsächlich für Bohrungen in küstennahen Gewässern. Über das Jahr will Pemex die Ausbeutung von 20 Feldern an private Unternehmen vergeben.

Den Anfang machen die Gebiete Esah und Xikin. Alleine im Esah-Komplex investiert Pemex 1,1 Milliarden US$, unter anderem für fünf Förderbohrungen. Die Aufträge werden in beschränkten Ausschreibungen mit jeweils drei eingeladenen Firmen vergeben. Dadurch kann Pemex die in der Energiereform vorgesehenen offenen Ausschreibungen umgehen.

Neben den Aktivitäten von Pemex laufen auch die Explorationsprojekte der privaten Ölfirmen weiter, die in den Ausschreibungen der letzten Jahre zum Zug gekommen waren. Von deutscher Seite ist DEA in Mexiko aktiv. Die Firma stärkte ihr Engagement im Dezember 2018 durch die Übernahme der mexikanischen Sierra Oil. Der Deal muss noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Durch die Übernahme ist DEA an elf Explorations- und Produktionsblöcken beteiligt. In einigen Fällen arbeitet das Unternehmen mit Pemex zusammen.

Midstream: Kampf gegen Kraftstoffdiebe erfordert zusätzliche Mittel

Das Budget von Pemex Logística, dem Midstream-Arm des Konzerns, steigt 2019 um 46 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden US$. Die Investitionen in diesem Bereich gingen allerdings nach den ursprünglichen Planungen auf knapp 60 Millionen US$ zurück, wovon der Hauptteil für das Monitoring- und Kontrollsystem bestimmt war. Von der Vorgängerregierung geplante Projekte wie der Kauf von Tanklastern, die Wartung der Pipelines und die Installation von Sicherheitskameras wurden zunächst nicht weitergeführt.

Dies ändert sich jedoch seit Januar 2019 durch den Kampf gegen Kraftstoffdiebstahl. Im Rahmen des sogenannten "Plan vs. Huachicoleo" will die AMLO-Regierung 500 zusätzliche Tanklaster anschaffen. Dies war notwendig geworden, da zahlreiche Pipelines vorübergehend geschlossen wurden, damit sie nicht angezapft werden können. Auch die Sicherheitssysteme der Pipelines und Pumpstationen sollen verbessert werden.

Downstream: Neue Raffinerie soll Wahlkampfversprechen einlösen

Durch höhere Downstream-Investitionen will AMLO sein ehrgeiziges Wahlversprechen erfüllen, bis Ende 2021 unabhängig von Kraftstoffimporten zu werden. Derzeit stammen 70 bis 80 Prozent aus dem Ausland, vorwiegend aus den USA. Aufgrund der Schwerfälligkeit von Pemex und dem Investitionsstau der vergangenen Jahre halten Experten das Ziel jedoch für überhöht.

Der Staat stellt Pemex 2019 ein Investitionsbudget von 2,9 Milliarden US$ für die Verarbeitung zur Verfügung, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Alleine 2,5 Milliarden US$ sind für eine neue Raffinerie bestimmt. Die Anlage soll innerhalb von drei Jahren nahe der Hafenstadt Dos Bocas im Bundesstaat Tabasco entstehen und 8 Milliarden US$ kosten.

Daneben werden die bestehenden Raffinerien in Cadereyta (Bundesstaat Nuevo León), Tula (Hidalgo), Salamanca (Guanajuato), Minatitlán (Veracruz), Salina Cruz (Oaxaca) und Ciudad Madero (Tamaulipas) modernisiert. In den Raffinerien gibt es aufgrund technischer Probleme immer wieder Produktionsausfälle. Ähnlich wie im Midstream-Sektor führt die neue Regierung aber nicht alle Vorhaben der alten Administration weiter. So wurden Projekte aufgegeben, die vorsahen, Reststoffe besser zu nutzen und die Qualität des produzierten Diesels zu erhöhen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Energía http://www.gob.mx/sener Mexikanisches Energieministerium
Petróleos Mexicanos (PEMEX) http://www.pemex.com Staatliche Ölgesellschaft

Weitere Informationen zu Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Öl, Gas

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