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06.05.2019

Polen fördert energieeffiziente Sanierungen

Bedarf nimmt zu wegen steigender Energiepreise / Von Beatrice Repetzki (Februar 2019)

Warschau (GTAI) - Die Energiepreise drohen in Polen zu steigen, wodurch sich effiziente Gebäudelösungen lohnen. Deutsche Heiztechnik ist gefragt.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Staatliches Förderprogramm für moderne Heizkessel und Isolierungen in Einfamilienhäusern Konkrete Zielsetzungen zur Wärmeerzeugung und -versorgung müssen noch erarbeitet werden
Zielsetzung 2020: 15 Prozent der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen Energieministerium erwartet bei Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen eine Quote von 13,8 Prozent; Starke Kohlelobby
Modernisierungsbedarf bei Bestandsgebäuden hoch Fehlender Investitionsdruck und mitunter knappe Finanzmittel

Quelle: Analyse von Germany Trade & Invest

Aktuelle Themen der Energieeffizienzwirtschaft

Eigentümer und Verwalter von kommerziellen Gebäuden wie Büros, Einkaufszentren oder Lagerhallen legen in der Regel Wert auf energiesparende Lösungen, um ihre Marktposition zu stärken. Bauentwickler installieren zum Beispiel in Lagerhallen laut Janusz Gutowski, Direktor für Immobilienverwaltung bei AXI IMMO, LED-Lampen, Systeme zur Wärmerückgewinnung aus Grauwasser, Lichtsensoren, hochwertigere Heizanlagen und/oder PV-Anlagen. Anschließend wählen sie möglichst kostengünstige Energieversorger aus, mit denen sie Preise aushandeln.

Nachholbedarf besteht unter anderem beim individuellen Ablesen des Verbrauchs von Wasser, Strom und Wärmeenergie: Nebenkosten für Mieter werden häufig noch nach Flächenanteilen berechnet. Das soll sich künftig ändern, was auch deutschen Anbietern Zulieferchancen für entsprechende Messsysteme eröffnet.

Die Immobilienfirma Colliers rechnet auch in näherer Zukunft mit steigenden Nebenkosten in Bürogebäuden aufgrund der anziehenden Energiepreise. Die Verbrauchskosten machen gut ein Drittel der Nebenkosten aus, die 2019 um insgesamt 8 bis 15 Prozent, das heißt um 0,35 bis 0,70 Euro pro Quadratmeter, zulegen sollen.

Weitere Informationen zum Thema Polen Energieeffizienz in Gebäuden finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201904168001.

Wettbewerbssituation und Marktausblick

Inländische Baukonzerne behaupten sich gegen starke ausländische Konkurrenz

Die ansonsten zersplitterte polnische Baubranche wird von einigen Großunternehmen dominiert, die auch energieeffiziente Gebäude errichten. Den mit Abstand höchsten Umsatz erwirtschaftete 2017 mit 1,5 Milliarden Euro die inländische Budimex S.A. Platz zwei belegte Skanska S.A. vor Strabag, Polimex-Mostostal, Erbud, Warbud, Mostostal Warszawa, Hochtief Polska und anderen. Mitglied der Polnischen Vereinigung für Ökologisches Bauen sind Skanska Property Poland, Strabag und Hochtief Polska.

Kleine und mittlere Unternehmen fungieren unter anderem als Unterauftragnehmer der Großunternehmen. Sie können auch direkt Aufträge - etwa zur Gebäudemodernisierung - übernehmen. Führende Bauentwickler von Wohnhäusern sind die inländische JW Construction oder die britische Dom Development, von Lagerhallen und Logistikzentren Panattoni, Prologis, Segro, Goodman und 7R.

Baumaterialien stellt Polen zu einem großen Teil selbst her, wobei die Preise anziehen. Steigende Löhne verteuern Bauvorhaben zusätzlich. Bei Isolierfenstern haben inländische Produzenten eine starke Stellung. Dachfenster stellen die Tochtergesellschaft der dänischen Holding VKR, Velux, und das inländische Unternehmen Fakro her. H+H Polska mit dänischem Kapital ist der führende Produzent von Wandmaterialien wie Porenbeton und Silikaten. Das Unternehmen beschäftigt in 13 Betrieben in Polen über 800 Arbeitskräfte. Heiz- und Klimatechnik wird vielfach importiert. Bei Kesseln für Zentralheizungen ist Deutschland vor Italien das führende Lieferland.

Im Bereich der Energieberatung (auch wenn es um Nachhaltigkeitszertifikate geht) sind zum Beispiel VISIO Architects and Consultants oder VvS Architects & Consultants tätig. Schulungen dazu führt das Instytut Budownictwa Pasywnego (Institut für Passivbau) aus Gdansk (Danzig) durch.

Kundenansprüche steigen

Die Ansprüche der immer wohlhabenderen Bewohner, die es in die Städte beziehungsweise in die Nähe von Agglomerationen zieht, werden höher: Hochwertige, umweltfreundliche Materialien und energieeffiziente Installationen sind gefragt. Isolierfenster und Dämmstoffe steigern zusätzlich die Effizienz der modernen Heizungsinstallationen. LED-Lampen und Elektrogeräte mit einem geringen Energieverbrauch senken die Stromrechnungen.

Regierung deckelt Strompreis für Endverbraucher

Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen und -lösungen lohnen sich auf längere Sicht, da die Strompreise deutlich zu steigen drohen. Auch das Heizen wird kostspieliger. Grund sind die teureren Brennstoffe und der hohe Investitionsbedarf des Energiesektors. Außerdem verdreifachte sich der Preis für CO2-Zertifikate laut European Energy Exchange (EEX) im Jahresverlauf 2018 von 7,83 Euro pro Tonne am 2. Januar auf 23,40 Euro pro Tonne am 17. Dezember. Die Großhandelspreise für Strom waren vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2018 kräftig gestiegen. Lagen sie nach Angaben der Towarowa Gielda Energii S.A. (TGE, Warenbörse für Energie) am 2. Januar 2018 noch bei 43,69 Euro pro Megawattstunde (MWh), so betrugen sie am 27. Dezember 2018 bereits 68,20 Euro pro MWh.

Um Härten zu vermeiden, hat die Regierung gesetzlich vorgeschrieben, die Strompreise für die Endabnehmer 2019 auf dem Niveau von Mitte 2018 konstant zu halten. Die Verbrauchsteuer wird daher von 4,66 auf 1,16 Euro pro MWh gesenkt, und verschiedene Gebühren werden reduziert. Die Erhöhung des Gaspreises für private Haushalte wird 2019 durch verringerte Verteilungsgebühren weitgehend kompensiert. Der durchschnittliche Preis für Wärmeenergie aus den Wärmenetzen betrug in Polen 2017 laut dem Forum Energii rund 50 Euro pro MWh (ohne Mehrwertsteuer).

Gebäudeeffizienzprojekte in Polen *)
Projektbezeichnung (Technologie) Unternehmen/Investor Status Investitionsvolumen (in Mio. Euro)
PV-Panele für eigene Gebäude Polska Grupa Gornicza (Bergwerksgruppe) Planung 76,8
Bürokomplex Varso, 140.000 qm HB Reavis Construction Durchführung, fertig 2020 512
Büro-, Hotelkomplex Warsaw Hub,113.000qm Ghelamco Poland Durchführung, fertig 2019 k.A.
Büro-/Servicekomplex Skyliner, 90.519 qm Karimpol Polska, Bau: Warbud, BREEAM Excellent Durchführung, fertig 2020 k.A.
Bürokomplex Widok Towers, 34.000 qm S+B Gruppe, Österreich Durchführung, fertig 2020 k.A.

*) alle Büroprojekte in Warschau; modernste, energiesparende Technik

Quellen: Pressemeldungen, eigene Recherchen GTAI

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/polen Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Polen https://polen.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Polskie Stowa-rzyszenie Budow-nictwa Ekologicznego https://plgbc.org.pl Vereinigung für Ökologisches Bauen
Polski Instytut Bu-downictwa Pasywnego http://www.pibp.pl Institut für Passivbau, führt Schulungen durch
Instytut Energetyki Odnawialnej (IEO) http://www.ieo.pl Institut für Erneuer-bare Energie, analysiert Solarbranche
Forum Energii http://forum-energii.eu/pl Think Tank des Energiesektors
Budma,Poznan (Posen) http://www.budma.pl Größte Baumesse, 1. Quartal 2020
TermoEXPO und RE-energy, Warschau http://termoexpo.pl, http://reenergyexpo.pl Messen für ökologi-sche Wärme, erneuer-bare Energien, 10. bis 11.9.2019

Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt.

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Baustoffe, Glas, Keramik, allgemein, Wärme- und Gasversorgung, Mess- und Regeltechnik, Energieeinsparung

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