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02.08.2019

Qualifikationsdefizite auf Italiens Arbeitsmarkt

Neue Initiativen in der Berufsbildung / Von Oliver Döhne

Mailand (GTAI) - Italiens Industrie fehlen im digitalen Wandel die Fachkräfte. Im Bildungssystem und in Unternehmerkreisen beginnt mit deutscher Unterstützung ein langsames Umdenken.

Italien, einer der wichtigsten Industriestandorte Europas, hat enorme Schwierigkeiten, qualifizierte neue Arbeitskräfte für den digitalen Wandel zu rekrutieren und die vorhandenen an die disruptiven technischen Veränderungen heranzuführen. Der Unternehmerverband Confindustria schätzt, dass der Industrie in den kommenden fünf Jahren insgesamt rund 280.000 technische Fachkräfte fehlen werden. Auch Altagamma, die Stiftung der italienischen Industrieelite, bezeichnet die Lage als "dramatisch": Man rechne damit, rund 70 Prozent der in den kommenden fünf Jahren benötigten 236.000 Fachkräften nicht zu finden.

Mittlerweile zeichnet sich immer deutlicher ab, dass Italiens Ausbildungssystem und Arbeitsmarkt an einem besonders ausgeprägten Qualifikationsdefizit leiden: Schüler werden zu wenig an technische Bereiche herangeführt und viele Studenten an den Bedürfnissen der Unternehmen vorbei ausgebildet. Im 1. Quartal 2019 war jeder dritte Italiener zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos. Von den Absolventen einer tertiären Bildungsinstitution kamen nur rund 78,7 Prozent auf dem Arbeitsmarkt unter. In der Europäischen Union (EU) verzeichnet nur Griechenland mit 73,3 Prozent eine schlechtere Quote. Dazu kommen zurückgehende Geburtenraten und eine hohe Zahl an Studienabbrechern.

Bei den zukünftigen Engpässen auf dem Arbeitsmarkt geht es besonders um digitale Kenntnisse. Laut einer Studie von Unioncamere werden in Italien zwischen 2019 und 2023 alleine im Bereich Mechatronik und Robotik zwischen 68.000 und 82.900 Fachkräfte mit digitalen Kenntnissen benötigt. Diese werden an den technischen Hochschulen (Istituti Tecnici Superiori, ITS) ausgebildet, die vor etwa zehn Jahren nach dem Vorbild der deutschen Fachhochschulen entworfen wurden. An diesen sind Regionen, Bildungsministerium und Unternehmerstiftung beteiligt. Zwar finden vier von fünf Absolventen der ITS innerhalb von zwölf Monaten einen Arbeitsplatz. Im April 2019 waren in den Bereichen Made in Italy (Industrie 4.0), Life Sciences sowie Informations- und Kommunikationstechnologie jedoch nur insgesamt 8.043 Studenten eingeschrieben.

"Die ITS sind noch nicht auf Masse angelegt", sagt Katrin Helber, Leiterin von Dual.Concept, der Berufsbildungsgesellschaft der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Mailand (AHK Italien). Im Rahmen der deutsch-italienischen Bildungskooperation koordiniert die AHK Italien daher das Projekt digItalia des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In Kooperation mit den ITS entwickelt die AHK dabei den neuen Studiengang "Mechatronik IoT" (Internet of Things) und bürgt für die Dualität der Ausbildung. Da die Berufsbildung in Italien Sache der Regionen ist, sind auch die ITS, trotz finanzieller Unterstützung durch das italienische Bildungsministerium, zum Teil sehr unterschiedlich in Angebot und Renommee. "Wir wollen den ITS dabei helfen, einen landesweiten Industriestandard zu schaffen", sagt Helber.

Überdies organisiert die AHK Italien die Qualifizierung und Weiterbildung von Ausbildern an Schulen, Unternehmen und bei weiteren Bildungsträgern. Neuestes Projekt ist eine, in Deutschland erfolgreich getestete, Kooperation mit dem Bosch-Konzern. Im Rahmen des "Upskilling" werden technische Fachkräfte, die bereits im Unternehmen tätig sind, in mehreren Modulen an die Industrie 4.0-Philosophie, agile Methoden und neue Geschäftsmodelle herangeführt.

Kontaktadresse:

Dual.Concept S.r.l.

Berufsbildungsgesellschaft der AHK Italien

Via Fabio Filzi 25/a

20124 Mailand, Italien

team@dualconcept.it

T +39 02 83451150

Weitere Wirtschaftsinformationen über Italien: http://www.gtai.de/italien

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung, Robotik und Automation, Digitalisierung

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‎+49 228 24 993 356

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