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06.03.2019

Regierung treibt "Digital India" voran

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Digitalisierung ist wichtiger Stützpfeiler für die wirtschaftliche Entwicklung / Von Heena Nazir (Januar 2019)

Mumbai (GTAI) - Die indische Regierung will die digitale Teilhabe der Bürger fördern und investiert kräftig in E-Government. Einzelne Wirtschaftsbereiche setzen ebenfalls auf digitalen Lösungen.

Digitalisierungsstrategie

Die indische Regierung hat im Juli 2015 die Kampagne Digital India ins Leben gerufen und angekündigt, bis 2019 umgerechnet rund 20 Milliarden US-Dollar (US$) in entsprechende Projekte zu investieren. Zu den drei Hauptzielen der Kampagne gehört die Anbindung der gesamten Bevölkerung an das Hochgeschwindigkeitsinternet. Des Weiteren soll der Bereich E-Government stark ausgebaut werden. Das dritte Ziel ist die digitale Autonomie der Bürger. Sie sollen digitale Kompetenzen erlangen, um die neuen Möglichkeiten nutzen zu können.

Strategie für künstliche Intelligenz

Im Februar 2018 beauftragte Indiens Regierung den politischen Think Tank National Institution for Transforming India (NITI Aayog) mit der Aufgabe, eine Strategie für künstliche Intelligenz (KI) zu entwickeln. Im Juni 2018 präsentierte NITI Aayog einen Entwurf für ein nationales Strategiepapier (http://niti.gov.in/writereaddata/files/document_publication/NationalStrategy-for-AI-Discussion-Paper.pdf). Die Regierung will laut Haushaltsplan 2019/20 im Rahmen des Programms Digital India rund 960 Millionen US$ in die Entwicklung von KI investieren.

Schwerpunkte der indischen KI-Strategie
Bereich Ziel
Gesundheitsfürsorge besserer Zugang und Erschwinglichkeit
Landwirtschaft Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität
Bildung verbesserter Zugang und Qualität der Bildung
Smart Cities und Infrastruktur effizientere Vernetzung, um der steigenden Urbanisierung gerecht zu werden
intelligente Mobilität und Verkehr intelligentere und sicherere Verkehrsdienstleistungen

Quelle: Nationale Strategie für KI, Juni 2018

E-Government

Premierminister Narendra Modi erachtet eine moderne öffentliche Verwaltung als besonders wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes. Ein stärkerer Einsatz von E-Government soll einen wesentlichen Beitrag zum Abbau von Bürokratie und zur Modernisierung der Verwaltung leisten. Zahlreiche Programme wurden bereits ins Leben gerufen. Zu den größten Projekten gehört das biometrische Identifikationsprogramm Aadhaar. Inzwischen sind schätzungsweise 90 Prozent der Bevölkerung in dieser Datenbank registriert. Weitere Projekte wie Jan-Dhan Yojana (ein Bankkonto für jeden indischen Haushalt), PAHAL (LPG-Subventionen) und DigiLocker (Speicherung von persönlichen Dokumenten auf einem gesicherten Server der Regierung) wurden implementiert.

Stärken/Schwächen

Die digitale Transformation verbreitet sich Experten zufolge rasch in den Bereichen Bank- und Finanzwesen, Transport und Logistik, Automobilindustrie und Gesundheitswesen.

Im Alltag ist das Thema Digitalisierung allgegenwärtig. App-basierte Taxiunternehmen wie Uber und Ola erzielen ein rasantes Wachstum auf dem indischen Markt. Essen lassen sich mittlerweile viele Inder über Apps wie Swiggy liefern. Der Wert des Start-ups wird auf 1,3 Milliarden US$ geschätzt. Steuern kann man mittlerweile auch online abführen, und viele Banken bieten Bezahl-Apps an. Immer mehr Inder kaufen im Internet ein - die Zahl der Online-Käufer im Jahr 2018 wird vom Fachverband ASSOCHAM auf circa 120 Millionen geschätzt.

In der Industrie sind es in Indien bisher vor allem die Global Player wie Siemens, Bosch oder die Tata Group, die in der Digitalisierung gut aufgestellt sind. Sie haben Kapital und Know-how für die Implementierung intelligenter Lösungen. Unternehmensangaben zufolge hat Bosch beispielsweise rund 300 Millionen Euro in das Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) mit Standorten auf drei Kontinenten investiert. Einer der Hauptstandorte ist das indische Bengaluru.

Ein Standortvorteil Indiens sind die vergleichsweise niedrigen Kosten von IT-Fachkräften. Die Qualität der Ausbildung, die die Mitarbeiter mitbringen, differiert jedoch stark. Während die Indian Institutes of Technology (IIT) und die Indian Institutes of Management (IIM) weltweit einen ausgezeichneten Ruf genießen, bleiben die meisten Universitäten weit hinter dieser Ausbildungsqualität zurück. Bosch hat neben anderen Playern wie Continental eine Partnerschaft mit dem renommierten IIT Madras in Chennai geschlossen.

Positive Impulse gehen von den verschiedenen staatlichen Maßnahmen aus. Der Zugang zum Internet soll erleichtert werden. Bürokratische Prozesse möchte die Regierung transparenter und effizienter gestalten. Indien soll sich Schritt für Schritt zu einem führenden Hub für KI in Asien entwickeln. Digitalisierung spielt auch eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung von Schlüsselprojekten wie der Initiative 100 Smart Cities.

Vielversprechend entwickelt sich die Start-up-Szene. Im Jahr 2018 wurden mehr als 1.200 neue Start-ups registriert. Zum Vergleich: In Deutschland gab es 2018 rund 600 neue Start-ups, in Israel schätzt man die Zahl auf 1.400. Laut dem indischen Fachverband National Association of Software and Services Companies (Nasscom) erhöhte sich die Gesamtzahl der indischen Start-ups 2018 auf rund 7.700. Diese dynamische Entwicklung sollte helfen, der Digitalisierung weitere Impulse zu verleihen.

Allgemein ist die Innovationskultur in Indien bisher allerdings schwach ausgeprägt und die digitale Infrastruktur noch unterentwickelt. Auch wenn die Zahl der Internetnutzer steigt, ist eine Mehrzahl der Bevölkerung von der virtuellen Welt ausgeschlossen. So soll fast eine Milliarde Menschen in Indien noch immer keinen Zugang zum Internet haben.

Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in Indien mit rund 0,7 Prozent niedrig und seit Jahren nahezu unverändert. Zum Vergleich: Chinas Ausgabenanteil am BIP liegt bei etwa 2,1 Prozent und Deutschlands bei etwa 3 Prozent. Die Qualität der Institutionen ist sehr unterschiedlich. Experten zufolge ist das Niveau im Durchschnitt wesentlich niedriger als in Deutschland oder dem restlichen Europa. Auch das System der Forschungsförderung ist sehr unübersichtlich. Dies liegt unter anderem daran, dass beinahe jedes der zahlreichen Ministerien einen eigenen Forschungsetat hat.

Auch Indiens Patentrecht bleibt problematisch, die Durchsetzung gewerblicher Schutzrechte gestaltet sich regelmäßig schwierig. Die Anzahl der angemeldeten Patente ist im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen, wenn auch noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Bei nur rund 20 Prozent der Patente handelt es sich allerdings um Eigenentwicklungen.

Ausblick

Ein großes Potenzial für Digitalisierung gibt es in Indien vor allem im Gesundheitssektor, aber auch im Bildungssystem und in der Landwirtschaft. Das indische Gesundheitssystem ist neben dem chronischen Mangel an medizinischem Personal durch gravierende Versorgungsunterschiede zwischen Städten und ländlichen Regionen geprägt. Fast 70 Prozent der gesamten Gesundheitsinfrastruktur konzentriert sich auf die Metropolen.

Indien versucht, mittels digitaler Lösungen Abhilfe zu schaffen. Zu den bekanntesten Vorhaben zählt das Programm Sehat, das eine Kommunikation zwischen Ärzten in der Stadt und Medizinern auf dem Land ermöglicht. Weiterhin ermöglichen digitale Lösungen und Telemedizin eine schnelle und kostengünstige Vordiagnose - eine wichtige Entwicklung in einem Land, wo die primäre Gesundheitsversorgung oftmals mangelhaft ist.

Auch im Bildungssektor könnte die Digitalisierung helfen, Engpässen entgegenzuwirken. Offiziellen Statistiken zufolge fehlen in staatlichen Grund- und Sekundarschulen rund 200.000 Lehrer. Der tatsächliche Bedarf ist sicherlich größer, denn viele Lehrer sind nicht richtig ausgebildet. Mehrere Millionen angemessen qualifizierter Pädagogen wären nötig. Intelligente IT-Programme könnten die Not mildern.

Auch um die Situation der Landwirte zu verbessern, setzt die indische Regierung unter anderem auf digitale Lösungen. Höhere Erträge kleiner Bauern sollen unter anderem durch das Zusammenspiel von Satellitenbildern, Big Data und KI erreicht werden. NITI Aayog plant ein Pilotprojekt zu "Precision Agriculture" mithilfe von KI in zehn wenig entwickelten Distrikten.

Mit IBM India wurde eine Absichtserklärung abgeschlossen, die die Einführung eines Vorhersagemodells für den Ernteertrag umfasst. Das AI-basierte System soll Bauern mit dem Ziel beraten, die Produktivität zu erhöhen und gleichzeitig den Ressourceneinsatz zu reduzieren. Da immer noch schätzungsweise die Hälfte der indischen Bevölkerung ihr Einkommen direkt oder indirekt aus der überwiegend ineffizienten Landwirtschaft bezieht, dürfte der Digitalisierung des Sektors insbesondere seitens der Politik eine hohe Bedeutung beigemessen werden.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
National Association of Software and Service Companies http://www.nasscom.in Fachverband
Ministry of Electronics and Information Technology (MeitY) http://meity.gov.in IT-Ministerium
Data Security Council Of India http://www.dsci.in Datensicherheitsrat

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indien können Sie unter http://www.gtai.de/indien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Mehr zum Thema Digitalisierung finden Sie unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Verwaltung, Administration, Digitalisierung

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