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26.06.2019

Russland investiert in seine Forstwirtschaft

Aufforstung und Ausfuhrbeschränkungen sollen Rohstoffbasis erhalten / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Russland will seine gigantischen Waldgebiete besser nutzen. Gelder fließen in die Wiederaufforstung und die Waldbrandbekämpfung. Den Bau von Forstwegen übernehmen Unternehmen.

Der Wald ist Russlands nationaler Schatz. Das größte Flächenland der Erde beheimatet ein Fünftel der weltweiten Bestände, die mit 800 Millionen Hektar etwa die Hälfte des Territoriums bedecken. Trotzdem trägt die Forstwirtschaft nur etwa ein halbes Prozent zur Entstehung des Bruttoinlandsproduktes bei. Der Anteil Russlands am Welthandel von Holzwaren beträgt nur 4 Prozent. Die geringe Effizienz bei der Holzernte, eine unzureichende Wiederaufforstung und illegale Rodungen sind die Hauptgründe für das schwache Abschneiden. Im Jahr 2018 wurden in Russland 215 Millionen Kubikmeter Rundholz eingeschlagen.

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Investitionen in Aufforstung und zur Bekämpfung von Waldbränden

Der Wiederaufforstungsgrad beträgt derzeit nur rund zwei Drittel der geernteten Menge. Da Waldgebiete meist nur für 49 Jahre verpachtet werden, haben private Firmen kaum Anreize, neue Bäume zu pflanzen. Um die Wiederaufforstung mindestens auf das Niveau des Holzeinschlags zu heben, stehen im Rahmen des nationalen Projekts "Ökologie" über das Unterprogramm "Erhaltung der Wälder" etwa 32 Millionen Euro für 2019 zur Verfügung. Daneben will Russland seinen größten Abnehmer von Rundholz mit ins Boot holen. Umweltminister Dmitri Kobylkin deutete im November 2018 an, die Ausfuhren von Rundholz nach China komplett zu verbieten, wenn sich das Land nicht an der Aufforstung beteilige.

Russland will stärker in die Bekämpfung von Waldbränden investieren. Feuer vernichten pro Jahr Tausende Hektar Wald. Das Unterprogramm "Erhaltung der Wälder" stellt bis 2024 etwa 300 Millionen Euro für die Beschaffung von Frühwarnsystemen und Feuerwehrfahrzeugen bereit. Damit sollen die alljährlichen Brände vor allem in den waldreichen Weiten der Taiga frühzeitig erkannt und gelöscht werden.

Gemeinsam mit der Naturschutzorganisation WWF und der Europäischen Union wird Russland ein Umweltprojekt ins Leben rufen, das unter anderem die Bekämpfung von Waldbränden zum Ziel hat. Geplant ist die Beschaffung von Feuerlöschgeräten und die Schulung von Feuerwehrleuten, um Waldbrände im Sajan- und Altaigebirge zu bekämpfen.

Auch auf regionaler Ebene gibt es Initiativen. Im Gebiet Krasnodar fließen in den kommenden sechs Jahren etwa 13 Millionen Euro in die Aufforstung von 440 Hektar Wald und die Beschaffung entsprechender Technik.

Russland will Ausfuhren von Rundholz verringern

Die Regierung will mit der Einschränkung des Exports von Rundholz die Rohstoffbasis im Land sichern. Vor allem China deckt seinen Bedarf zu etwa einem Fünftel aus russischen Wäldern. Bis 2024 möchte das Industrieministerium die bestehende Exportquote von derzeit 4 Millionen Kubikmetern Rundholz zu verbilligten Zolltarifen durch einen einheitlichen Exportzoll von 80 Prozent ersetzen. Damit sollen die Rohstoffe zur Verarbeitung im Land gehalten werden. Aufgrund fehlender Ressourcen mussten 2017 einige Holzverarbeiter kurzzeitig ihre Produktion aussetzen. Im Jahr 2018 sank der Rundholzexport um 2,1 Prozent auf 19 Millionen Kubikmeter.

Für die Ausfuhren wertvoller Laubholzarten wie Eiche, Buche oder Esche, die keinen Exportquoten unterliegen, erhöhte die Aufsichtsbehörde Rosprirodnadsor für 2019 hingegen die Exportgenehmigungen um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die tatsächlich ausgeführte Menge kann jedoch von der genehmigten Anzahl abweichen.

Forstwegebau soll neue Waldgebiete erschließen

Russland muss seine Wälder besser zugänglich machen: es fehlt vor allem an geeigneten Forstwegen. Derzeit werden nur etwa ein Drittel der Waldflächen wirtschaftlich genutzt. Die unzureichende Zugänglichkeit hemmt die weitere Entwicklung der russischen Forstwirtschaft. Auf 1.000 Hektar Wald kommen in Deutschland 45 Kilometer und in den USA 10 Kilometer Forstwege. In Russland sind es hingegen nur 1,5 Kilometer, wovon nur 10 Prozent befestigt sind. Pro Jahr müssten bis zu 3.000 Kilometer Forstwege neu angelegt werden.

Da die Rechtslage oft unklar ist, fließen kaum staatliche Gelder in den Bau von Forstwegen. Deshalb nehmen große private Unternehmen das Heft des Handelns selbst in die Hand. Die Ilim Group investiert aus eigenen Mitteln in neue Forstwege im Gebiet Irkutsk. Dazu werden Baumaschinen mit über 40 Tonnen Gewicht benötigt. Da russische Technik oft nicht den Anforderungen hinsichtlich Qualität und Zuverlässigkeit entspricht, möchte Ilim Timber ausländische Baumaschinen erwerben. Ansprechpartner für kommerzielle Angebote ist Wiktor Dolgow, Direktor der Repräsentanz von Ilim in Irkutsk: viktor.dolgow@irk.ilimgroup.ru, Tel: +7 (0) 3952 20 19 89.

Illegaler Holzeinschlag bleibt Anlass zur Sorge

Die ungesetzliche Abholzung von Bäumen bleibt ein großes Problem in Russland. Der wirtschaftliche Schaden beläuft sich pro Jahr auf einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro. Im Jahr 2018 entdeckten Kontroll- und Aufsichtsbehörden russlandweit 16.100 illegale Rodungen mit einem Gesamtschaden von 1,1 Millionen Kubikmetern. Dies entspricht etwa 0,5 Prozent der Menge des geernteten Schnittholzes. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 37 Prozent. Zwei Drittel der illegalen Rodungen entfallen auf das Gebiet Irkutsk.

Irkutsk ist zugleich Vorreiter bei der Bekämpfung illegaler Holzrodungen. Seit Juni 2017 läuft ein Pilotprojekt zur Kennzeichnung von Stämmen, das über den Stichtag 1. Juli 2019 hinaus unbefristet verlängert werden soll. Damit konnten die regionalen Behörden den illegalen Einschlag 2018 um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr reduzieren. Dabei müssen Holzernteunternehmen Identifikationskarten mitführen, die vom regionalen Forstministerium ausgegeben und von Förstern oder Aufsichtsorganen digital ausgelesen werden können. Damit wird es möglich, den Lieferweg von geschlagenem Rundholz an Umschlags- und Verarbeitungspunkten nachzuverfolgen.

Forstwirtschaftliche Produkte unterliegen Kennzeichnungspflicht

Die Regierung weitet die Kennzeichnungspflicht auf Bäume und Holzwaren aus. Wertvolle Baumarten wie Eiche, Buche und Esche sollen direkt am Holzsammelplatz mit elektronischen Etiketten (long range RFID-tags) versehen werden. Die Erfassung der Informationen über den Holztransport erfolgt im einheitlichen staatlichen Informationssystem zur Erfassung und Abrechnung von eingeschlagenem Holz "LesEGAIS". Vorbild ist das Pilotprojekt zur Kennzeichnung von Stämmen von der Holzernte bis zur Verarbeitung im Gebiet Irkutsk. Doch kosten die Chips etwa 5 US-Dollar pro Baumstamm, was die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahme in Frage stellt.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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