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11.07.2019

Russland startet Afrikainitiative

Eurasische Wirtschaftsunion plant Freihandelsabkommen mit Ägypten / Von Dominik Vorhölter

Bonn (GTAI) - Russland sieht in Afrika einen potenziellen Absatzmarkt. Dreh- und Angelpunkt der russischen Afrikainitiative sind Industriezonen in Ägypten und in Simbabwe.

Russland beginnt eine Afrikainitiative. Beim Russland-Afrika-Kongress, der am 21. und 22. Juni 2019 in Moskau stattfand, diskutierten Vertreter der Wirtschaft und Politik aus 40 afrikanischen Ländern über die Entwicklung von Infrastruktur, Landwirtschaft, Maschinenbau, Digitalwirtschaft und Gesundheitswirtschaft.

Afrika habe ein enormes Potenzial als Absatzmarkt, sagte Andrej Slepnjew, Generaldirektor des Russischen Exportzentrums. Seit 2015 sind die Exporte Russlands nach Afrika um rund 23 Prozent gestiegen. Das Ausfuhrgeschäft wuchs allein 2018 gegenüber dem Vorjahr um 17,2 Prozent auf 20,4 Milliarden US-Dollar. Die größten Handelspartner Russlands in Afrika sind Ägypten, Algerien, Marokko, Tunesien und Nigeria.

Mittelfristig soll sich der Handel zwischen Russland und Afrika wertmäßig verdreifachen. An diesem Ziel arbeiten das Russische Exportzentrum und die Afrikanische Export-Import-Bank (Afreximbank) gemeinsam. Beide Institutionen hatten sich im Dezember 2017 zusammengeschlossen, um das russische Afrika-Geschäft zu stimulieren. Für Oktober 2019 plant Russland als größter Mitgliedsstaat der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EAWU und Ägypten abzuschließen.

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In Ägypten entsteht eine russische Industriezone

Das Tor nach Afrika sind Ägypten und Simbabwe. Dreh- und Angelpunkt der russischen Exportinitiative ist eine Industriezone am Hafen East Port Said am Nordende des Suezkanals. Diese soll auf einer Fläche von 525 Hektar entstehen. Dort will die russische Regierung Unternehmen und internationale Investoren ansiedeln. Dafür haben die Betreiber, Suez Canal Authority und russische Regierung, ein Investitionsvolumen von rund 7 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Die Arbeiten an der Projektierung haben bereits 2018 begonnen. Von 2020 bis 2022 soll die Industriezone errichtet werden. Die Umsetzung des Export-Hub-Projekts am Suezkanal hat das Russische Exportzentrum (Teil der VEB.RF-Gruppe) übernommen.

Bisher haben 13 Firmen angekündigt, sich in der Industriezone niederzulassen. Darunter sind das Metallurgieunternehmen Metprom, die Automobil- und Nutzfahrzeughersteller GAZ, KamAZ und UAZ, der Schienenfahrzeugbauer Transmashholding und der Energieanlagenbauer Inter RAO. Dieses Unternehmen errichtet und betreibt Wasser- und Wärmekraftwerke.

Präsentation des russischen Ministeriums für Industrie und Handel zur Industriezone: http://minpromtorg.gov.ru/common/upload/files/docs/Rossiyskaya_promyshlennaya_zona_v_Egipte.pdf

Russland entwickelt Bergbau in Simbabwe

Eine weitere Industriezone plant Russland in Simbabwe. Darüber unterzeichneten Präsident Emmerson Mnangagwa und der russische Außenminister Sergej Lawrow ein Memorandum of Understanding. Russische Unternehmen wollen in Simbabwe den Diamantenabbau fördern. Die Partner planen Projekte zur Entwicklung der Platingruppenmetall-Lagerstätte "Darwendale", in der Düngemittelproduktion und in der Landwirtschaft.

Ölkonzern Lukoil investiert im Kongo

Der russische Ölkonzern Lukoil will im Kongo Projekte zur Verflüssigung von Erdgas umzusetzen. Dafür erwarb der Konzern für 800 Millionen US-Dollar einen 25 prozentigen Anteil am Offshore-Gasfeld "Marine XII" vom afrikanischen Erdgasunternehmen New Age (African Global Energy). Dabei handelt es sich um eine Produktionslizenz für ein 571 Quadratkilometer großes Gasfeld im kongolesischen Festlandsockel des Atlantischen Ozeans. Die Produktionslizenz basiert auf einem im Jahr 2016 geschlossenen Produktionsteilungsvertrag. Lukoil teilt sich die Lizenz mit dem italienischen Mineralöl- und Energiekonzern Eni (65 Prozent) und der nationalen Ölgesellschaft der Republik Kongo SNPC (10 Prozent).

Rosneft produziert Erdgas in Ägypten

Rosneft, der größte russische Ölkonzern, ist mit einem Anteil von 30 Prozent am Gasfeld "Zohr", das vor der ägyptischen Küste liegt, beteiligt. Es ist das größte Erdgasvorkommen im Mittelmeer mit einem Volumen von 850 Milliarden Kubikmeter. Weitere Abbaurechte am Zohr-Gasfeld besitzen die italienische Eni (50 Prozent), die britische BP (10 Prozent) und die Mubadala Petroleum aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (10 Prozent).

Leuchtmittelhersteller Lisma geht nach Nigeria

Der russische Lichttechnikhersteller Lisma aus Mordowien plant, in Nigeria eine Produktionsstätte zu errichten. Dort gibt es noch keine Leuchtmittelindustrie. Das Land importiert Lichttechnik, unter anderem aus China, Indien oder dem Vereinigten Königreich. Der Saransker Hersteller Lisma betreibt seit 2018 schon ein Werk in der Republik Burundi, Ostafrika.

Russland will beim Infrastrukturbau in Afrika mitwirken

Russland wird sich am Ausbau des ägyptischen Eisenbahnnetzes beteiligen. Im Oktober 2019 wollen die russische Eisenbahn RZD, der russische Schienenfahrzeugbauer Transmashholding und die ägyptische Regierung eine Vereinbarung über das Modernisierungsvorhaben schließen. Davon verspricht sich die Transmashholding einen Lieferauftrag von etwa 100 Dieselloks nach Ägypten.

Für neue Schienen und Straßen benötigt Afrika jährlich Investitionen von 100 bis 130 Milliarden US-Dollar, sagte Amani Abu-Said, Kommissar der Afrikanischen Union für Infrastruktur und Energie beim Russland-Afrika-Kongress. Die Afrikanische Union fördert im Rahmen der 2013 verabschiedeten "Agenda 2063" den Ausbau der Infrastruktur. Bei der Agenda handelt es sich um eine Vision für die wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politischen Transformation des Kontinents.

Mehr Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union

Im Wettbewerb um Infrastrukturprojekte will Russland außerdem enger mit der Afrikanischen Union, der 53 Länder angehören, zusammenarbeiten. Deshalb sucht Russland über die Eurasische Wirtschaftsunion den Dialog mit der Afrikanischen Union.

Die Entscheidungsgremien beider Staatenverbünde planen, am 24. Oktober 2019 eine Kooperationsvereinbarung zu schließen. "Ein Ankommen mit der Afrikanischen Union wäre ein Meilenstein für die EAWU und Afrika", sagte die Ministerin für Integration und Makroökonomie der EAWU, Tatjana Walowaja, bei einem Treffen des Kollegiums der Eurasischen Wirtschaftskommission mit 35 Botschaftern und Wirtschaftsvertretern von Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union.

Weitere Nachrichten zur Eurasischen Wirtschaftsunion finden Sie hier: http://www.eawu.news

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Russland, Weißrussland, Belarus, Kasachstan, Armenien, Kirgisistan Außenhandel / Struktur, allgemein, Außenwirtschaftspolitik, allgemein

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