Suche

27.05.2019

Russlands Gesundheitswirtschaft braucht neue Laborgeräte

Staat will Krebsvorsorge und Genforschung ausbauen / Von Gerit Schulze

Moskau (GTAI) - Die russische Pharmaindustrie, der Ausbau der Genforschung und die Krebsvorsorge bieten gute Absatzmöglichkeiten für Analysetechnik. Landesweit entstehen neue Forschungslabore.

In der Arzneimittelherstellung verzeichnen deutsche Hersteller von Analyse- und Labortechnik zurzeit in Russland die größten Wachstumsraten. Der Staat unterstützt die Ansiedlung in- und ausländischer Arzneimittelhersteller mit Subventionen und Vorteilen bei öffentlichen Beschaffungen. Aus diesem Grund gibt es zurzeit viele Investitionsvorhaben. Pharmasyntez erweitert das Werk Sankt Petersburg um eine Produktionslinie für Biopräparate. Biocad will in der Newastadt ein Zentrum für vorklinische Forschungen errichten.

Pharmstandard und Janssen Pharmaceutica (gehört zu Johnson & Johnson) haben eine gemeinsame Produktion von Tuberkulosepräparaten in Baschkortostan vereinbart. Radioswjas plant in der Region Krasnojarsk die Produktion von Krebsmitteln. Weitere Investitionspläne meldeten Pharmasyntez im Gebiet Irkutsk, Rusatom Healthcare in Moskau, Oktafarma-Farmimex, Geropharm und Novamedika.

Ausführliche Informationen liefert der GTAI-Bericht "Russlands Pharmakonzerne investieren in neue Werke", http://www.gtai.de/MKT201901308004

Genforschung soll internationales Niveau erreichen

Moskau fördert auch die Molekularbiologie und strebt bis 2025 eine international führende Rolle bei der Genforschung an. In den kommenden Jahren sollen zwei Zentren zur Entwicklung und Produktion von Gentechnik entstehen. Ein großer Genforschungskomplex für 270 Millionen Euro ist in "Akademgorodok 2.0" bei Nowosibirsk geplant. Initiator ist das Forschungsinstitut für Zytologie und Genetik (http://www.bionet.nsc.ru).

Die Zahl der Einrichtungen, die in Russland klinische Forschungen mit biomedizinischen Genprodukten betreiben, soll von derzeit 5 auf 50 steigen, so die Pläne der Regierung. Außerdem plant Russland eine Datenbank mit den biomedizinischen Daten aller Bürger. Diese "Nationale Basis medizinischen Wissens" (http://nbmz.ru) soll mit Hilfe von künstlicher Intelligenz große Datenmengen (Big Data) auswerten. Damit könnten genauere Diagnosen erstellt und passende Behandlungsmethoden ausgewählt werden, erklären die Befürworter des Projekts.

Mit Geldern des staatlichen Venturefonds Biofond RVC baut das Unternehmen National BioService (http://www.nbioservice.com) schon heute ein Netz von Biobanken auf, in denen Zell- und Gewebeproben gespeichert und analysiert werden. Erste Zentren bestehen in Moskau, Sankt Petersburg, Nischni Nowgorod und Sotschi. Zu den Lieferanten der Laborausrüstung gehören nach Unternehmensangaben auch deutsche Firmen wie Eppendorf, Miltenyi Biotec und Carl Zeiss, außerdem Qiagen, Bio-Rad Laboratories und ESCO-Labor.

Auch die biotechnologische Genforschung wird gefördert. Die Agrarwirtschaft hat bis 2020 den Auftrag, mindestens 13 gentechnisch veränderte Produkte zu entwickeln. Außerdem ist die Forstwirtschaft angehalten, mehr DNA-Analysen am Baumbestand durchzuführen, um Veränderungen am Erbgut festzustellen. Für 2020 sind hier 70 Analysen vorgesehen, wofür ein neues Labornetz aufgebaut werden muss.

Patienten nutzen häufiger private Labordiagnostik

Ein interessantes Wachstumsfeld ist die medizinische Diagnostik. Diese wird immer häufiger in privaten Labors durchgeführt. Im Jahr 2018 erreichte die Zahl der Untersuchungen einen neuen Höchstwert von 279 Millionen, berichtet das Marktforschungsunternehmen BusinesStat. Dies entsprach einem Anstieg um 3 Prozent gegenüber 2014. Bis 2023 erwarten die Marktforscher jährliche Steigerungsraten von 1,7 Prozent.

Immer häufiger suchen die Patienten private Laborketten auf und zahlen Blut- oder Urintests aus eigener Tasche. Dadurch sparen sie Zeit und genießen in modern eingerichteten Filialen viele Zusatzleistungen wie die Zustellung der Ergebnisse per SMS oder Smartphone-App. Einige Labors bieten sogar an, die Untersuchungen zu Hause durchzuführen.

Dabei dominieren die vier Ketten Invitro (1.100 Filialen in sechs GUS-Ländern, http://www.invitro.ru), Gemotest (650 Filialen, http://www.gemotest.ru), Helix (300 Filialen, https://helix.ru) und Citilab (250 Filialen, https://citilab.ru). Sie alle bauen ihre Filialnetze dynamisch aus, vor allem über Franchisekonzepte.

MKT201905248016.14

Auch das Spektrum der angebotenen Untersuchungen wird erweitert. Citilab bietet 1.900 verschiedene Tests an, Invitro 1.800. Bei Gemotest sind es sogar 3.000, darunter auch Hormonanalysen, Hämostasebefunde und Antigennachweise. Zu den an meisten nachgefragten Diensten gehören Blut-, Urin- und Stuhlanalysen, Prüfung auf Infektionskrankheiten und die Onkodiagnostik.

Die Laborketten haben in der Regel mehrere größere Technologiezentren zur umfassenden Analyse der Proben. Helix zum Beispiel betreibt drei solcher Einrichtungen in Moskau, Sankt Petersburg und Jekaterinburg. Die Ausstattung der Filialen müssen die Franchisenehmer in der Regel selbst vornehmen. Helix gibt ihnen aber eine Liste mit genehmigten Modellen vor. Außerdem hilft das Unternehmen den Filialbetreibern bei den Kaufverhandlungen mit den Lieferanten.

Bei Telemedizin sind Geräte für den Hausgebrauch gefragt

Die Entwicklung der Telemedizin in Russland vergrößert den Bedarf an Analysegeräten, die zuhause von Privatpersonen genutzt werden können. Immer wichtiger sind dabei Schnittstellen ins Internet.

Für die pathologische Anatomie hat das Gesundheitsministerium im März 2019 angeordnet, Referenzzentren für die Auswertung von Untersuchungen und den Austausch der Ärzte via Telemedizin zu schaffen. Dabei wurde auch eine Mindestausstattung definiert, wozu Geräte für Immunhistochemie und Hybridisierung, zum Scannen von Mikropräparaten und Fluoreszenzmikroskope gehören.

Diagnosegeräte für Krebsvorsorge benötigt

Ein Schwerpunkt der russischen Gesundheitspolitik ist die Krebsvorsorge. Dafür sind neue Labors geplant, die mit modernster Ausrüstung eingerichtet werden. In Moskau wurde Anfang 2019 ein solches Testzentrum für Immunhistochemie eröffnet.

Die Technologie soll zunehmend im Inland produziert werden, wenn möglich auch mit ausländischen Partnern. Der russische Mischkonzern Sistema, Siemens und die südkoreanische Macrogen haben zusammen mit dem Russischen Fonds für Direktinvestitionen RDIF vereinbart, Technologien für die Krebsdiagnose zu entwickeln (Zell- und Genanalyse).

In Krasnojarsk will das Unternehmen Radioswjas (http://www.krtz.su) in Kooperation mit der Außenstelle der Akademie der Wissenschaften (http://ksc.krasn.ru) und der örtlichen Medizinischen Universität Geräte zur Krebsdiagnose entwickeln und produzieren.

Lesen Sie auch unseren Artikel "Russland bleibt wichtiger Markt für Labor- und Analysetechnik": http://www.gtai.de/MKT201905248018

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Medizintechnik, allgemein, Mess- und Regeltechnik, Labortechnik

Funktionen

Kontakt

Edda Wolf

GUS/Südosteuropa

‎+49 228 24 993 214

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche