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19.09.2019

Schnellbahnnetz in Johannesburg wächst weiter

Südafrikas Gautrain erhält 150 Kilometer neue Strecken / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - Mit dem modernen und schnellen Gautrain ergänzt die südafrikanische Metropole Johannesburg seit 2010 ihr traditionelles S-Bahnnetz Metrolink. Nun startet die zweite Ausbaustufe.

Das Schnellbahnnetz der Provinz Gauteng mit den beiden Großstädten Johannesburg und Pretoria wird weiter ausgebaut: Eine zweite Nord-Süd-Verbindung und der Ausbau der Ost-West-Route mit zusammen 150 Kilometer neuen Strecken und 19 zusätzlichen Bahnhöfen stehen für die nächsten 20 Jahre für den Gautrain auf dem Programm. Das Netz wurde 2010 in Betrieb genommen als Ergänzung zu den in die Jahre gekommenen Strecken der Metrolink-Vorortzüge. Die ersten zwei Linien des Gautrain verstärken insbesondere die Verbindung zwischen den beiden Stadtkernen und schaffen eine schnelle Anbindung zum internationalen Flughafen OR Tambo.

Von Soweto nach Mamelodi

Da die Gautrain-Strecken deutlich weniger Zwischenhalte aufweisen und die Züge höhere Geschwindigkeiten erreichen, haben sich die Fahrtzeiten gegenüber den traditionellen Nahverkehrszügen erheblich verringert und sind je nach Verbindung auch zum Auto konkurrenzfähig. Insbesondere die prognostizierte starke Zunahme des Straßenverkehrs in der Metropolregion mit immer häufigeren Staus ist ein wichtiger Antrieb für den Ausbau des Bahnnetzes neben der Erschließung weiterer bevölkerungsreicher Siedlungsgebiete.

Denn während die ersten Strecken vor allem die Stadtzentren von Johannesburg und Pretoria mit den wohlhabenden Geschäftszentren in den nördlichen Vororten wie Sandton und Rosebank verbinden, erreichen die geplanten Neubaustrecken mit ihren Außenästen auch bevölkerungsreiche Vororte wie die ehemaligen "Townships" Soweto im Südwesten Johannesburgs oder Mamelodi im Osten Pretorias. Der Baubeginn ist für 2023 vorgesehen.

Mehr Züge für steigenden Bedarf

Schon in den nächsten zwei Jahren will die provinzeigene Gesellschaft Gautrain Management Agency (GMA) zusätzliche Fahrzeuge beschaffen, da die vorhandenen 96 Wagen, die zu Vier- beziehungsweise Achtwagenzügen gekoppelt eingesetzt werden, in den Hauptverkehrszeiten nicht mehr ausreichen. Zunächst waren Mitte 2018 drei Konsortien um die Hersteller Bombardier, CRRC und Egoli Rail (Alstom) im Gespräch.

Gegenüber der lokalen Presse sagte GMA-Chef Jack van der Merwe allerdings im Juli 2019, bis zu 35 Wagen gebraucht im Vereinigten Königreich kaufen zu wollen. Hierdurch sinken die Anschaffungskosten dem Vernehmen nach von ursprünglich rund 247 Millionen Euro auf die Hälfte. Hintergrund ist zudem, dass die derzeitige Betriebskonzession der Bombela Concession Company 2026 ausläuft, die neuen Züge aber eine deutlich längere Lebensdauer hätten, so van der Merwe. Lieferant der vorhandenen Züge war Bombardier.

Mehr Spielraum für Lieferanten besteht bei den Beschaffungen im Zuge der Ausrüstung für die Neubaustrecken. Im Vorfeld soll bereits ein zweites Depot gebaut werden, um Kapazitäten für den wachsenden Fuhrpark zu schaffen. Die gesamten Investitionen in die baulichen Maßnahmen der Netzerweiterung werden nach Pressemeldungen umgerechnet mindestens rund 6,78 Milliarden Euro betragen.

Hinzu kommen etwa1,5 Milliarden Euro für Verbesserungen an den bestehenden Strecken. Dazu zählt auch die Anpassung der Signalanlagen in den nächsten zwei Jahren, um eine dichtere Zugfolge zu ermöglichen, die mit zusätzlichen Fahrzeugen erreicht werden kann. Die Stromversorgung für die Stammstrecke soll ebenfalls verstärkt werden. Eine Besonderheit im südafrikanischen Kontext ist die Spurweite der Gautrain-Züge: Diese rollen auf Normalspur (1.435 Millimeter), während im Rest des Netzes die schmalere Kapspur (1.067 Millimeter) benutzt wird, sodass die Gautrain- und die Metrolink-Züge nicht untereinander austauschbar sind.

Stationen als Entwicklungskerne

Das bestehende Netz des Gautrain mit 80 Kilometer Streckenlänge und zehn Bahnhöfen hat die wirtschaftliche Entwicklung in seinem Einzugsgebiet positiv beeinflusst, wie die GMA in einem im Sommer 2019 veröffentlichten Bericht hervorhebt. Die Stationen fungieren dabei als Kristallisationspunkte für die Ansiedlung vor allem von Handel und Dienstleistungen. Sie sind in der Regel mit großen Park-and-Ride-Parkplätzen ausgestattet und durch Zubringerbusse mit den umliegenden Stadtvierteln verbunden.

Zwischen 2006 und 2011 seien im Umfeld der Bahnstrecke 122.000 neue Arbeitsplätze entstanden, so ein Vertreter der Behörde Gauteng Roads and Transport gegenüber der Presse. Etwa 59 Prozent des neu entstandenen Büroraums in den wichtigen Geschäftszentren der Provinz Gauteng ständen in Zusammenhang mit der Entwicklung des Gautrain. Von der Erweiterung versprechen sich die Planer rund 210.000 weitere Stellen.

Größeres und dichteres Streckennetz

Die erste Bauphase wird zunächst die Verlängerung der Ost-West-Achse von Sandton über Randburg nach Cosmo und Little Falls bringen. Die bestehende Nord-Süd-Strecke erhält einen zweiten Ast im Nordosten über Irene nach Tshwane East. Es folgt die Verlängerung der Ost-West-Strecke von Little Falls nach Süden bis Jabulani (Soweto) und von Cosmo nach Norden bis Sunninghill sowie von Rhodesfield zur East Rand Mall im Osten. Der weitere Ausbau sieht die Fortführung von Sunninghill zum neuen Kreuzungspunkt mit der alten Strecke in Samrand vor.

Schließlich sollen die Strecken im Norden von Tshwane East nach Mamelodi, im Südosten von East Rand Mall nach Boksburg und im Westen zum zweiten Johannesburger Flughafen Lanseria erweitert werden

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika https://suedafrika.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in Südafrika
Gautrain Management Agency http://gma.gautrain.co.za Verwaltungsgesellschaft für den Gautrain
Bombela Concession Company https://www.bombela.com Betreibergesellschaft für den Gautrain

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Südafrika können Sie unter http://www.gtai.de/suedafrika abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Eisenbahnbau

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‎+49 228 24 993 288

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