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20.09.2019

Schwacher Konsum belastet Mexikos Nahrungsmittelindustrie

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Exportgeschäft läuft jedoch weiterhin gut / Von Florian Steinmeyer (Juli 2019)

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mittelfristig bleibt Mexiko ein Wachstumsmarkt. Die Nahrungsmittelindustrie soll von 2019 bis 2023 um jahresdurchschnittlich rund 5 Prozent zulegen.

Das schlechtere Konsumklima dürfte 2019 auf die Nahrungsmittelindustrie durchschlagen. Nachdem die Umsätze in Supermärkten in den beiden Vorjahren real um jeweils 3 Prozent stiegen, geht der Einzelhandelsverband Antad (Asociacion Nacional de Tiendas de Autoservicio y Departamentales) für das laufende Jahr von einer Stagnation aus.

Zu Beginn der Amtszeit des neuen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador im Dezember 2018 gingen Analysten noch von einer positiven Konsumentwicklung für 2019 aus. Diese Einschätzung hat sich mittlerweile jedoch stark gewandelt: Sowohl die oft unkoordiniert wirkende Wirtschaftspolitik der neuen Regierung als auch Zollandrohungen von Seiten der USA haben die Konjunkturaussichten stark eingetrübt.

Mittelfristig bleibt Mexiko aufgrund des Bevölkerungswachstums und des konstant steigenden Einkommensniveaus jedoch ein Wachstumsmarkt. Das Analyseunternehmen Euromonitor International prognostiziert für den Zeitraum von 2019 bis 2023, dass der Umsatz mit verarbeiteten Lebensmitteln im Jahresdurchschnitt um 5,1 Prozent steigen wird. Die höchsten Wachstumsraten erreichen demnach salzige Snackartikel (+7,4 Prozent), verarbeitete Fleisch- und Fischprodukte (+7,1 Prozent) sowie Eiscreme und gefrorene Desserts (+7,0 Prozent).

Auch die geplanten Förderprogramme für die Landwirtschaft können mittelfristig dafür sorgen, dass der Sektor wettbewerbsfähiger wird. Die neue Regierung will besonders die Kleinerzeuger in den armen südlichen Landesteilen unterstützen. Davon dürfte insbesondere der Anbau von Kaffee, Zuckerrohr und Früchten profitieren.

Produktion der mexikanischen Nahrungsmittelindustrie nach ausgewählten Produkten (in 1.000 t; Veränderung in %)
Produkt 2017 2018 Veränderung 2018/2017 *)
Weizenmehl 3.242,8 3.379,1 4,2
Maismehl 2.506,9 2.543,5 1,5
Frühstückscerealien 181,2 177,8 -1,9
Schokolade in Tafeln 26,5 26,6 0,5
Kaugummi 82,6 83,5 1,1
Hühnerfleisch 195,6 194,3 -0,6
Pasta für Suppen 389,7 340,9 -12,5
Chilischoten in Konserven 307,7 284,5 -7,5
Süße Kekse 834,4 861,9 3,3
Thunfisch (eingemacht) 182,3 181,7 -0,3
Soßen 174,0 186,1 7,0
Löslicher Kaffee 50,0 50,0 0,1
Schweinefleisch 374,3 418,0 11,7
Rindfleisch 31,8 31,6 -0,8
Gesamt 8.944,4 9.123,7 2,0

*) Abweichungen durch Rundungen

Quelle: Statistikamt Inegi

Auslandsgeschäft wächst nach wie vor

Im Gegensatz zum Inlandskonsum läuft das Exportgeschäft 2019 gut. Hauptgrund dafür ist die weiterhin stabile Nachfrage aus den USA. Mexikanische Nahrungsmittelproduzenten versuchen darüber hinaus, neue Märkte zu erschließen, insbesondere in Ostasien und dem Mittleren Osten. Kleine und mittelständische Anbieter leiden jedoch darunter, dass die Förderung von Messebeteiligungen unter der neuen Regierung gekürzt wurde.

Die Exporte wachsen nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. 2018 stiegen die Ausfuhren um 10,5 Prozent auf knapp 13,8 Milliarden US-Dollar (US$). Davon machten Getränke mit einem Anteil von 48,8 Prozent das Gros aus. Weitere wichtige Gütergruppen waren Backwaren (14,6 Prozent) sowie Gemüse- und Fruchtzubereitungen (12,1 Prozent). 2017 lag das Wachstum der Exporte noch bei knapp 20 Prozent gegenüber 2016. Der geringere Wert für 2018 spiegelt die nachlassende Konjunktur in den USA wider. Rund 76 Prozent der mexikanischen Nahrungsmittel- und Getränkeausfuhren gingen 2018 an den nördlichen Nachbarn.

Durch das neue USMCA-Abkommen, das den bisherigen Nafta-Vertrag ersetzen soll, sind keine signifikanten Änderungen für die mexikanische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu erwarten. Jedoch mindert die noch ausstehende Ratifizierung des Abkommens die Bereitschaft insbesondere ausländischer Konzerne, in Mexiko zu investieren. Während der USMCA-Vertrag in Mexiko bereits vom Parlament bestätigt wurde, kann sich dies in den USA bis nach den Präsidentschaftswahlen im November 2020 hinziehen.

Größte Nahrungsmittel- und Getränkeproduzenten in Mexiko (Umsatz in Mexiko, in Mrd. US$)
Unternehmen (Herkunftsland) Umsatz 2018 Hauptsegment
Grupo Bimbo (Mexiko) 14,3 Backwaren
Coca-Cola Femsa (Mexiko) 9,0 Erfrischungsgetränke
Arca Continental (Mexiko) 7,9 Erfrischungsgetränke
Sigma Alimentos (Mexiko) 6,0 Gekühlte Lebensmittel
Grupo Modelo (Mexiko) 1) 4,2 Bier
Grupo Lala (Mexiko) 3,7 Milchprodukte
Pepsico de México (USA) 3,7 Erfrischungsgetränke
Gruma (Mexiko) 3,7 Tortillas und Maismehl
Cervecería Cuauhtémoc Moctezuma (Mexiko) 2) 3,5 Bier
Industrias Bachoco (Mexiko) 3,0 Hühnerfleisch und Eier (Aufzucht und Verarbeitung)
Grupo Nestlé de México (Schweiz) 2,7 Unter anderem Zerealien, Kaffee, Speiseeis, Süßwaren
SuKarne (Mexiko) 2,6 Rindfleisch (Aufzucht und Verarbeitung)
Jose Cuervo (Mexiko) 1,4 Spirituosen
Mondeléz (USA) 1,4 Süßwaren
Danone México (Frankreich) 1,3 Milchprodukte
Pilgrim´s Pride Mexico (USA) 1,3 Süßwaren

1) Tochterfirma von Anheuser-Busch InBev; 2) Tochterfirma von Heineken

Quelle: Wirtschaftsmagazin Expansión

Produktion steigt dank neuer Kapazitäten

Die Getränkeproduktion wird 2019 voraussichtlich über dem Niveau des Vorjahres zunehmen. 2018 stieg der Ausstoß laut dem Statistikamt Inegi um 3,5 Prozent. Grund für die Entwicklung ist weniger die heimische Nachfrage, sondern neue Produktionskapazitäten großer Branchenfirmen wie Grupo Modelo, die teilweise für den Export bestimmt sind.

Produktion der mexikanischen Getränkeindustrie nach ausgewählten Produkten (in Mio. hl; Veränderung in %) 1)
Getränk 2017 2018 Veränderung 2018/2017 2)
Cola-Getränke 133,3 134,2 0,7
Bier 110,1 119,8 8,8
Limonaden (ohne Cola) 56,1 56,9 1,5
Filtriertes Wasser (abgefüllt, ohne Kohlensäure) 82,9 84,8 2,4
Energy-Drinks und Sportgetränke 4,3 4,5 3,9
Säfte und Nektar 10,9 10,7 -1,4
Tequila 2,2 2,5 15,6
Gesamt 399,6 413,4 3,5

1) 1 hl = 100 l; 2) Abweichungen durch Rundungen

Quelle: Statistikamt Inegi

Auch in der Getränkeindustrie wird das Thema Recycling drängender. In den letzten Jahren wurden bereits mehr PET-Flaschen wiederverwertet, wodurch die Recyclingquote laut dem Unternehmen PET Star 2018 rund 56 Prozent betrug. Die schweizerische SIG Combibloc Group kündigte im Mai 2019 eine Initiative zusammen mit dem mexikanischen Softdrinkhersteller SCTP an, um auch mehr Getränkekartons zu recyceln. Dazu werden spezielle Sammelbehälter aufgestellt.

Bier sorgt für satte Exportzuwächse

Auch wenn die Dynamik im Vergleich zu den Vorjahren etwas nachlässt, können mexikanische Getränkefirmen weiterhin starke Zuwächse im Export erzielen. Wichtigstes Segment ist Bier, dass 2018 knapp 80 Prozent der Ausfuhren stellte. Der Großteil davon geht auf die beiden Branchengrößen Cervecería Cuauhtémoc Moctezuma (Heineken) und Grupo Modelo (Anheuser-Busch InBev) zurück. Bei Erfrischungsgetränken hat der mexikanische Coca-Cola-Abfüller Femsa eine starke Stellung.

Mexikanische Getränkeausfuhren (in Mio. l)
HS-Code Getränk 2017 2018 Veränderung 2018/2017
2201 Wasser, einschl. kohlensäurehaltiges 104,8 108,7 3,7
2202 Erfrischungsgetränke 528,0 680,3 28,8
2203 Bier 3.312,5 3.952,0 19,3
2208 Branntwein, Likör und andere alkoholhaltige Getränke 231,2 236,7 2,4
2204, 2205, 2206, 2207, 2209 Sonstige 6,1 5,9 -3,3
22 Gesamt 4.182,6 4.983,6 19,2

Quelle: Außenhandelssystem SIAVI

Grupo Modelo eröffnete Anfang Mai 2019 die achte Fabrik in Mexiko. Die Anlage im Bundestaat Hidalgo kostete rund 800 Millionen US$ und ist mit einer Kapazität von 12 Millionen Hektolitern pro Jahr die zweitgrößte Brauerei der Welt. Der US-amerikanische Brauer Constellation Brands will im Geschäftsjahr 2019/2020 rund 750 Millionen US$ in bestehende Werke investieren. Bereits 2018/2019 gab das Unternehmen 886 Millionen US$ unter anderem für neue Produktionslinien und die Erweiterung der Glasproduktion für Getränkeflaschen aus.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Getränke, Nahrungsmittel

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