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01.05.2019

Singapurs Chemiesektor mit guten Wachstumsaussichten

Wartungsarbeiten an Produktionsanlagen verhindern noch besseres Ergebnis / Von Werner Kemper

Kuala Lumpur (GTAI) - 2018 war ein gutes Jahr für Singapurs Chemiesektor. Fast alle Segmente konnten ihre Produktion deutlich erhöhen. Digitalisierung soll den Sektor weiter stärken.

Der Chemiesektor Singapurs kann auf zwei sehr erfolgreiche Jahre zurückblicken. Im Jahr 2017 konnte ein beachtliches Wachstum von 6,2 Prozent erzielt werden und 2018 ging es abermals um 4,5 Prozent nach oben. Auch im laufenden Jahr 2019 sollte dieser positive Trend weiter anhalten. In den ersten beiden Monaten lag das kumulierte Plus bereits bei 1,8 Prozent.

Sowohl das Wachstum im Jahr 2018 insgesamt, als auch in den ersten beiden Monaten 2019 wäre viel höher ausgefallen, wenn der Output bei Erdöl und petrochemischen Erzeugnissen nicht auf der Bremse gestanden hätte. Die beiden Sparten weisen seit Mitte 2018 deutliche Minuszahlen aus. Grund sind turnusmäßige Wartungsarbeiten der Produktionsanlagen, die zum Teil längerfristige Produktionsausfälle nach sich ziehen.

Nach Angaben des Singapore Department of Statistics lag der Produktionswert der chemischen Erzeugnisse 2017 bei 33,7 Mrd. US$. Dieser teilt sich wie folgt auf: Erdöl- und Erzeugnisse 43 Prozent, Petrochemie 40 Prozent, Spezialchemikalien 11 Prozent und sonstiges 6 Prozent. Arzneimittel zählen nicht dazu, sie kamen 2017 auf einen Produktionswert von rund 11,7 Milliarden US$.

Produktionsentwicklung chemischer Erzeugnisse 2018 in Singapur (reale Veränderung des Produktionswerts in %)
Produktgruppe 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal
Insgesamt 1), darunter: 10,0 5,9 2,0 0,2
.Erdöl 4,9 3,5 -8,0 -5,0
.Petrochemie 17,2 13,9 -3,1 -12,0
.Spezialchemikalien 6,4 -0,7 8,0 4,9
.Sonstige Chemikalien 6,5 6,7 0,2 10,2
Arzneimittel -4,7 17,6 2,8 23,6

1) Ohne Arzneimittel

Quelle: Department of Statistics Singapore

Der Chemiesektor ist stark von der Erdöl und erdölverarbeitenden Industrie geprägt. Fast alle der rund 100 niedergelassenen Unternehmen im Petrochemiesektor befinden sich auf Jurong Island, einer künstlichen Insel im Südwesten Singapurs.

Dort siedelten sich auch etliche deutsche Unternehmen an, wie zum Beispiel Evonik und Linde. Evonik eröffnete im April 2018 außerdem sein Asien Research Hub im Stadtstaat. Im Jahr 2016 begann das Unternehmen mit dem Bau einer zweiten Produktionsanlage auf Jurong Island. Diese soll im Laufe des Jahres 2019 fertiggestellt werden und somit die Produktionskapazität der Aminosäure DL-Methionien auf 300.000 Tonnen pro Jahr verdoppeln.

Bereits jetzt versorgt Linde Evonik mit den zur Herstellung der Aminosäuren notwendigen Industriegasen. Derzeit erweitert das Unternehmen seine Anlagen, um auch für die zusätzliche Nachfrage gewappnet zu sein. Daneben versorgt Linde unter anderem rund ein Drittel aller Krankenhäuser in Singapur mit medizinischem Sauerstoff.

Regierung fördert digitalen Wandel im Chemiesektor

Die Regierung legt zunehmend Wert darauf, dass im innovativen Stadtstaat nicht nur produziert, sondern auch geforscht und entwickelt wird. Deshalb fördert sie mit tatkräftiger Unterstützung durch die Wirtschaftsförderagentur Economic Development Board (EDB) Investitionen in Forschung und Entwicklung und gewährt hierfür Anreize.

Im Hinblick auf die chemische Industrie wird mit der "Energy and Chemicals Transformation Map" eine Doppelstrategie gefahren. Zum einen soll die bestehende Basis an Produktionsstätten durch innovative Technologien modernisiert werden. Dazu gehört auch die Digitalisierung, die bereits Einzug in die Branche hält. Unter Federführung des EDB sollen beispielsweise bis 2020 mindestens 20 Chemiebetriebe durch digitale Aufrüstung effizienter und sauberer werden. Bis 2025 soll außerdem durch die Digitalisierung der Output um fast 10 Milliarden US$ zunehmen und 1.400 zusätzliche Arbeitsplätze für hochqualifizierte Mitarbeiter geschaffen werden.

Zum anderen soll Singapurs Chemielandschaft durch die Hinzunahme neuer Produkte und Produktionslinien in Wachstumsmärkte vorstoßen. Hierzu gehören nicht zuletzt Spezialchemikalien, denen Branchenvertreter in Zukunft ein überdurchschnittliches Wachstum bescheinigen.

Chemieimporte mit dynamischem Wachstum

Die Chemieeinfuhren Singapurs nahmen von 2017 auf 2018 von 26,7 Milliarden US$ auf 29,8 Milliarden US$ um 11,7 Prozent zu. Die singapurischen Ausfuhren der Branchenerzeugnisse konnten ihr Ergebnis sogar um 14,7 Prozent verbessern und beliefen sich 2018 auf 57,7 Milliarden US$. Singapur erwirtschaftete somit mit chemischen Erzeugnissen einen Exportüberschuss in Höhe von 27,9 Milliarden US$.

Einfuhr ausgewählter Chemieerzeugnisse nach Singapur (in Mio. US$; Veränderung in %)
SITC Produktgruppe 2017 2018 Veränderung 2018/17
5 Summe aller chemischen Erzeugnisse, darunter: 26.679,2 29.804,8 11,7
.51 Organische chemische Erzeugnisse 6.620,4 6.279,6 -5,1
.54 Medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 2.570,7 2.864,7 11,4
.55 Ätherische Öle, Körperpflege-, Putz- und Reinigungsmittel etc. 3.511,9 4.201,2 19,6
.57 Kunststoffe in Primärformen 4.704,2 5.502,1 17,0
.58 Kunststoffe in anderen Formen als Primärformen 1.027,5 1.102,8 7,3

Quelle: Department of Statistics Singapore

Branchenlieferungen aus Deutschland konnten 2018 um 10,7 Prozent auf 1,3 Milliarden US$ zulegen. Die höchsten Zuwächse bei den Importen aus Deutschland konnten anorganische chemische Erzeugnisse erzielen. Sie legten um 24,6 Prozent auf 161,3 Millionen US$ zu. Ebenfalls sehr gut dazugewonnen haben ätherische Öle, Körperpflege-, Putz- und Reinigungsmittel. Bei ihnen lag das Plus bei 22,5 Prozent, der Lieferwert beträgt 164,3 Millionen US$.

Den größten Anteil an den Branchenlieferungen aus Deutschland hatten 2018, mit 19,2 Prozent, organische chemische Erzeugnisse. Ihr Wert belief sich auf 255,3 Millionen US$. Auf Platz zwei folgen medizinische Erzeugnisse mit 222,5 Millionen US$ und einem Anteil von 16,7 Prozent.

Bei den deutschen Importen aus Singapur spielen nahezu ausschließlich anorganische chemische Erzeugnisse und medizinische Erzeugnisse eine Rolle. Sie decken zusammen 96,8 Prozent der gesamten Branchenlieferungen aus Singapur ab und belaufen sich auf rund 3,4 Milliarden US$ beziehungsweise 1,2 Milliarden US$. Insgesamt bezieht Deutschland chemische Erzeugnisse im Wert von rund 4,8 Milliarden US$ aus Singapur.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Economic DevelopmentBoard (EDB) https://www.edb.gov.sg Singapurische Investitionsförderbehörde
Health Sciences Authority (HSA) http://www.hsa.gov.sg Staatliche Registrierungsbehörde für Arzneimittel und andere Gesundheitsprodukte
JTC Corporation (JTC) https://www.jtc.gov.sg Singapurs führende Agentur für die Planung, Förderung und Entwicklung dynamischer Industriegebiete, die Singapurs ökonomischen Fortschritt unterstützen sollen
Singapore Chemical Industry Council(SCIC) https://www.scic.sg Offizieller Verband der chemischen Industrie
Standards Development Organisation (SDO) https://www.scic.sg/sdoscic/ Zuständig für Normen und Standards innerhalb der chemischen Industrie
Singapore Plastic Industry Association (SPIA) http://www.spia.org.sg Verband der Kunststoffindustrie
Singapore Association of Pharmaceutical Industries (SAPI) http://www.sapi.org.sg Verband der pharmazeutischen Industrie
Medical Fair Asia http://www.medicalfair-asia.com Fachmesse: 9. bis 11. September 2020

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Singapur können Sie unter http://www.gtai.de/singapur abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Singapur Chemische Industrie, allgemein

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