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21.02.2019

Solarstromanbieter in Indonesien warten ab

Stromüberkapazitäten verhindern förderliche Regulierung für erneuerbare Energien / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Indonesien verfügt über ein großes Potenzial an Solarkraft. Doch nur ein minimaler Anteil der Stromerzeugung wird aus ihr gewonnen. Anbieter fordern ein verbessertes Vergütungssystem.

Wie schwierig Langzeitprognosen in einem riesigen Archipel sind, zeigt sich exemplarisch am indonesischen Strommarkt. So rechnete der nationale Energieplan im Jahr 2015 mit einer Verdoppelung der benötigten Elektrizität in nur neun Jahren. Schließlich sollte die Wirtschaft um etwa 7 Prozent per anno wachsen. Folglich wurden überall im Land - zumeist kohlebetriebene - Kraftwerke gebaut.

Heute ist von einem solchen Nachfragewachstum keine Rede mehr. Der Entwurf des neuen Energieplanes für die nächsten zehn Jahre sieht einen jährlichen Mehrbedarf von nur noch 6 Prozent vor. Das bedeutet, dass die benötigten Neukapazitäten für die kommenden Jahre bereits vorhanden sind oder durch laufende Kraftwerksprojekte gedeckt werden. Der staatliche Stromversorger PLN sitzt deshalb auf erheblichen Überkapazitäten.

Das sind schlechte Nachrichten für die Anbieter erneuerbarer Energien, denn unter diesen Bedingungen können sie mit keiner baldigen Verbesserung der ungünstigen rechtlichen Rahmenbedingungen rechnen. Insbesondere Projektentwickler von Solaranlagen warten derzeit ab oder bedienen kleine Nischen.

Größtes Hindernis für den Ausbau der Erneuerbaren sind die niedrigen Einspeisevergütungen. Wenn eine Solaranlage innerhalb der PLN-Netze - die den weitaus größten Teil der Elektrizitätsversorgung leisten - Strom erzeugt, bekommt der Betreiber nur maximal 85 Prozent der von PLN festgelegten regionalen Stromerzeugungskosten pro Kilowattstunde (KWh) vergütet. Lediglich in Regionen, in denen die Erzeugungskosten unter dem nationalen Durchschnitt liegen, ist die Vergütung zwischen Betreiber und PLN verhandelbar. Das ist im weiter entwickelten Java und auf Bali der Fall.

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Geschäftschancen in der Peripherie und auf Dächern

Viele Projektentwickler richten ihren Blick deshalb auf den unterentwickelten Osten Indonesiens. Dort gibt es viele kleinere Stromnetze, die nicht von PLN betrieben werden. Hier liegen die Chancen in sogenannten Hybridanlagen, die Solaranlagen mit einem Diesel- oder Gaskraftwerk koppeln - mit einer Batterie als Zwischenspeicher. Ein weiterer Zielmarkt sind Industrieparks, die nicht an das PLN-Netz angebunden sind. Auch hier ist die Vergütung mit dem Abnehmer frei verhandelbar.

Ein neu entstandener Markt sind die gesondert geregelten Dachanlagen. Hier hatte es im November 2018 eine erste Regulierung gegeben. Ausländische Solaranbieter begrüßten, dass diese Rechtssicherheit schuf. Allerdings bekommen Betreiber durch das neue Gesetz lediglich 65 Prozent ihres erzeugten und in das PLN-Netz eingespeisten Stroms vergütet. Zudem schreibt es eine Deckelung der eingespeisten Menge fest, sodass PLN niemals Nettoabnehmer von Strom ist. Für private Verbraucher amortisiert sich die Investition in eine Solar-Dachanlage so erst nach schätzungsweise zwölf Jahren.

Und damit nicht genug: Wenn sich ein Unternehmen eine Solaranlage auf sein Dach setzt, von deren Strom nichts in das PLN-Netz einspeist, aber weiterhin Strom von PLN bezieht, dann muss es eine Art Strafzahlung leisten. Sie bemisst sich an der produzierten Strommenge. Das schreckt kommerzielle Projektentwickler von Investitionen ab.

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Kaum deutsche Ausrüstungen

Unter diesen widrigen Bedingungen versuchen einige Anbieter, Dachanlagen auf großflächigen, kommerziell genutzten Gebäuden zu entwickeln, etwa auf Lager- und Kühlhäusern oder Shoppingmalls. Dächer von Bürogebäuden sind in der Regel zu klein für einen lohnenden Betrieb. Solche Anlagen können die Gebäude direkt mit Strom versorgen. Wenn PLN nicht involviert ist, bedeutet das: Die Vergütung ist mit dem Abnehmer verhandelbar.

Nach indonesischen Gesetzen muss der Local-Content-Anteil für Komponenten von Solaranlagen mindestens 34 bis 40 Prozent betragen. Er ist angesichts der geringen einheimischen Produktion aber nicht annähernd zu erfüllen. Ausnahmen werden deshalb häufig erteilt, es gibt aber keinen Anspruch darauf.

Unter dem herrschenden Preisdruck setzen Projektentwickler überwiegend auf in China produzierte Technik. In Deutschland hergestellte Teile kommen in Indonesien nach Angaben von Marktteilnehmern so gut wie nicht zum Einsatz. Dennoch profitieren deutsche Projektentwickler von "made in Germany", weil sie verlässlichere Qualität als andere Anbieter abliefern.

Strompreise sind politisches Thema

Solarenergie ist nur eine Nische in der indonesischen Stromversorgung. Es sind kaum mehr als 200 Megawatt an Erzeugungskapazitäten installiert. Das entspricht dem Promillebereich der Gesamtkapazitäten. Immerhin befinden sich einige kleinere Projekte vor der Finalisierung. Etwa 85 Prozent der indonesischen Elektrizität wird heute konventionell erzeugt, Kohle bildet mit fast 60 Prozent den Schwerpunkt. Der größte Teil der erneuerbaren Energien entfällt auf Wasserkraft und Geothermie.

Auch Indonesien hat das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet und will den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2025 auf 23 Prozent steigern. Allerdings hat das Energieministerium bereits verlauten lassen, dass dieses Ziel möglicherweise nicht erreicht wird.

Indonesien hat in Relation zu den Einkommen hohe Strompreise. Der nicht-subventionierte Preis für private Haushalte liegt bei etwa 11 Cent pro Kilowattstunde. Der politische Druck, die Tarife nicht steigen zu lassen, ist hoch, insbesondere vor den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Die im Land in großen Mengen verfügbare Kohle wird daher auf absehbare Zukunft mit Abstand wichtigster Energieträger bleiben.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
PLN http://www.pln.co.id staatlicher Stromerzeuger
ESDM http://www.esdm.go.id Energieministerium
BKPM www3.bkpm.go.id/ Investitionsbehörde
METI http://www.meti.or.id Gesellschaft für erneuerbare Energien (Informationsplattform)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, alternative Energien

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