Suche

15.03.2019

Sri Lanka setzt langfristig auf Erneuerbare Energien

Ausbau von Solar- und Windenergie steht im Fokus / von Heena Nazir

Colombo/Mumbai (GTAI) - Sri Lanka bietet für Solar- und Windenergie ideale Voraussetzungen. Projekte zum Ausbau kommen aber derzeit nur schleppend voran. Dies soll sich nun ändern.

Sri Lankas Regierung hat bislang vor allem auf die fossilen Energieträger Kohle, Öl und LNG gesetzt - und wird dies wohl auch kurzfristig weiter tun. Die Wirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten rapide gewachsen, gleichzeitig sind die Stromerzeugungskosten gestiegen. Mittel- bis langfristig gesehen soll aber der Ausbau Erneuerbarer Energien (EE) Priorität bekommen.

Die Vorteile für EE liegen auf der Hand: Wasser, Wind und Sonne sind reichlich vorhanden, ganz im Gegenteil zu Kohle und Öl - Rohstoffe, die Sri Lanka bisher importieren muss. Obwohl das Land Explorationsrechte für Erdöl und Erdgas vor seinen Küsten vergibt und dort kommerziell nutzbare Vorkommen erwartet, liegt dies noch in weiter Ferne.

Das Land würde sich bei der Transition zu EE bis 2050 mindestens 18 Milliarden US-Dollar (US$) an fossilen Importen ersparen, so eine Studie des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen UNDP (United Nations Development Programme). Diesen Ersparnissen stehen Investitionen von circa 50 Milliarden US$ für Erzeugung, Übertragung und Speicherung gegenüber. Die Finanzierung sollte aber - teilweise zu Vorzugskonditionen - über internationale Geldgeber wie die Weltbank, Asian Development Bank (ADB) oder ähnliche nachhaltig zu stemmen sein.

Bis 2050 benötigt Sri Lanka geschätzt 34 Gigawatt an Stromproduktionskapazität, davon soll der Löwenanteil auf Solar- (16 Gigawatt) und Windenergie (15 Gigawatt) entfallen und die Differenz aus Kleinwasserkraftwerken und Biomasse kommen. Ferner braucht das Land ein flexibles Übertragungsnetz und Speicherlösungen.

Solarenergie hat gute Zukunftsaussichten

Sri Lanka hat derzeit mehr als 100 Megawatt Solarkapazität installiert und will bis 2025 einen Wert von 1 Gigawatt erreichen. Treiber war das 2016 von der Regierung initiierte Solar-Dach-Programm ("Soorya Bala Sangramaya" - Kampf um Sonnenenergie). Das größte Energieunternehmen des Landes, Ceylon Electricity Board CEB, und die Behörde für nachhaltige Energie SEA (Sri Lanka Sustainable Energy Authority) setzen es um.

Zu den größten Geldgebern gehört die ADB (50 Millionen US$) und die indische Regierung (100 Millionen US$). Auch die sri-lankische Regierung investiert, die Summe variiert jedoch jedes Jahr und wird im Haushaltsplan veröffentlich. Für 2018 waren es umgerechnet circa 4,5 Millionen US$. Ziel ist die Ausstattung von einer Million Haushalte mit Mikrosolarkraftwerken. Im Jahr 2018 hat das CEB 90 kleine Solarprojekte im Rahmen der zweiten Stufe des Solar-Dach-Programms genehmigt.

Sri Lankas Unternehmen haben ein Eigeninteresse daran, den Strombedarf nicht mehr über Generatoren, sondern über EE zu decken. Viele Textilfirmen im Land beziehen ihren Strom bereits aus eigen installierten Solaranlagen, so auch das Textilunternehmen MAS Holdings, das 24 Anlagen auf seinen Dächern installiert hat.

Teil des Least Cost Long Term Generation Extension Plans 2018 bis 2037 (LCLTGEP) ist auch ein Hybridkomplex (Solar und Wind) in Pooneryn. Die Anlage soll 800 Megawatt an Photovoltaikstrom und 240 Megawatt an Windkraft erzeugen. Für das Projekt sind drei Phasen vorgesehen: 12 Megawatt Solar und 150 Megawatt Windenergie bis 2022, weitere 100 Megawatt Solar und 100 Megawatt Windenergie bis 2025 sowie die Gesamtfertigstellung bis 2030.

Insgesamt erwartet die UNDP zwischen 2016 und 2030 (Phase 1) Investitionen in Solarenergie (nur Stromerzeugung) in Höhe von 1,6 bis 1,8 Milliarden US$, für Phase 2 (2030 bis 2040) circa 3 Milliarden US$ und Phase 3 (2040 bis 2050) nochmals über 5 Milliarden US$.

Windenergie steht vor dem Durchbruch

In Sri Lanka gibt es viele Regionen mit gutem Windenergie-Potenzial - so im Norden und Osten sowie in den bergigen Regionen im Landesinneren. Laut dem US National Renewable Energy Laboratory könnte das Land mehr als 20 Gigawatt Windenergie installieren. Viele Projekte sind geplant. Dabei sollen vor allem die windreichen Gebiete im Norden entwickelt und das Übertragungsnetz ausgebaut werden.

Zu den größten Projekten gehört das Mannar Wind Farm Project mit einer Kapazität von 100 Megawatt bei Inbetriebnahme 2021. Baubeginn ist im 1. Quartal 2019. Die ADB hat zugesagt, CEB ein Darlehen über 200 Millionen US$ zu gewähren. Das Projekt wird 256,7 Millionen US$ kosten, den Rest soll die CEB tragen. Das Projekt wird die Infrastruktur, einschließlich Verkabelung und Zufahrtsstraßen, ein Netzkontrollzentrum und Transformatoren zur Verwaltung der Spannungspegel umfassen. Der dänische Konzern Vestas hat den Zuschlag für die Lieferung von 30 Turbinen erhalten.

Sri Lanka will bis 2025 die installierte Leistung der Windenergie auf mindestens 799 Megawatt steigern. Für Windenergie sind im UN-Bericht die größten Ausgaben veranschlagt. Zwischen 2016 und 2030 (Phase 1) sieht die UNDP Investitionen in Windenergie (nur Stromerzeugung) in Höhe von 3,3 bis 3,5 Milliarden US$ vor, für Phase 2 (2030 bis 2040) circa 6 Milliarden US$ und Phase 3 (2040 bis 2050) über 12 Milliarden US$.

Diese weiteren EE-Alternativen kommen in Frage

Auch wenn Wasserkraft bisher zentral für den Energiemix war, bietet sich kaum Potenzial für neue Großkraftwerke, wobei es Projekte im Bau und Umbau gibt. Speziell der volatile Monsun und die daraus resultierenden Dürreperioden der vergangen Jahre führten zu niedrigen Auslastungen. Kleine Wasserkraftwerke hingegen sind weiter Teil der langfristigen Kapazitätsplanung und werden auch im Rahmen der ländlichen Entwicklung gefördert. Die aktuell 182 hauptsächlich privaten Kleinwasserkraftwerke können 356 Megawatt generieren. Weitere 215 Megawatt sollen bis 2037 hinzukommen.

Zentral für die ländliche Energieversorgung ist und bleibt Brennholz, wenn auch im einfachen Gebrauch (wenig in Form von speziellen Kraftwerken). Drei-Viertel der ländlichen Bevölkerung und Betriebe, allen voran Teeplantagen, decken hiermit ihren Energiebedarf. Laut dem LCLTGEP und nach Forderungen der PUCSL sollen bis 2037 insgesamt 85 Megawatt an modernen Biomassekraftwerken entstehen. Außerdem wäre Geothermie denkbar aufgrund heißer Quellen, kommt aber noch in keiner Initiative vor.

Umsetzung wird sich schwierig gestalten

Branchenkennern zufolge tut die sri-lankische Regierung nicht genug um die Branche zu fördern. "Sri Lankas Energiemarkt braucht bessere Rahmenbedingungen, transparente Ausschreibungen, klare Zuständigkeitsbereiche und eine beständige sowie klare Gesetzeslage, die für alle gilt," beklagen mehrere Branchenkenner.

Tatsächlich hat, von einer bescheidenen Senkung der Zölle auf Komponenten und der Steuer auf Gewinne aus Anlagen zur Erzeugung von Strom aus EE abgesehen, der Inselstaat neben den ADB-Kreditlinien kaum eigene Programme zur Förderung des Ausbaus von EE aufgelegt. Die schlechte Haushaltsdisziplin der vergangenen Jahre führt außerdem dazu, dass die Regierung wenig finanziellen Spielraum hat. Ohne internationale Geber ist die Regierung schlicht nicht in der Lage, die dringend notwendigen Investitionen in EE zu finanzieren.

Positiv zu vermerken ist der Aufbau einer von der Weltbank geforderten PPP-Agentur, die zusammen mit Sri Lankas Ministerium für Umwelt und Erneuerbare Energien (Ministry of Environment and Renewable Energy) sowie der Kommission für Öffentliche Einrichtungen PUCSL (Public Utilities Commission of Sri Lanka) versuchen soll, die Rahmenbedingungen für Investoren zu verbessern und die Umsetzung der Projekte zu beschleunigen. Dennoch wird sich erst zeigen, ob Sri Lanka sein ehrgeiziges Ziel erreichen kann - eine 50 prozentige Energiegewinnung aus EE bis 2030.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Sri Lanka können Sie unter http://www.gtai.de/sri-lanka abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Sri Lanka Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Bioenergie, Strom-/Energieerzeugung, Geothermie, alternative Energien

Funktionen

Wilma Knipp Wilma Knipp | © GTAI

Kontakt

Wilma Knipp

‎+49 228 24 993-259

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche