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22.01.2019

Start-up-Ökosystem in Kanada gedeiht landesweit

Jungunternehmer suchen oft Unterstützung für das Backoffice / Von Daniel Lenkeit

Toronto (GTAI) - Viele junge Talente stärken Kanadas Start-up-Sektor. Die Zusammenarbeit zwischen großen Unternehmen, Gründern und Forschungseinrichtungen soll den Weg für neue Technologien ebnen.

Gute Rahmenbedingungen für kanadische Start-ups,...

Kanada versteht es, junge Talente aus dem In- und Ausland anzuziehen und sie zu fördern. Das Land bildet nicht nur stetig Ingenieure aus, sondern investiert auch schon früh in die Verknüpfung von Forschung und Anwendung. In der Folge entstehen für junge Unternehmer und solche, die es werden wollen, sehr gute Entwicklungsbedingungen.

Ein Beispiel dafür sind die von Universitäten gemanagten Technologieinkubatoren wie der DMZ an der Ryerson University, Velocity von der University of Waterloo, TEC Edmonton oder Innovate Calgary. Diese Tech-Inkubatoren machen Studenten direkt zu Unternehmern. Geht es allein um den Faktor Mensch, schätzen in der Folge einige Wagniskapitalfirmen und Start-up-Berater Kanada heute als Standort sogar höher ein als den großen Nachbarn im Süden.

...aber zu selten Geld für das Wachstum

Kanada profitiert aktuell von der generell positiven Einschätzung für sein Start-up-Umfeld. Das Geld für neue Ideen und junge Talente ist vorhanden und die Investitionen in Technologie-Start-ups in Kanada steigen stetig, wie unter anderem der MoneyTree Report von PwC belegt. So gehört Kanada heute bei der Summe an Wagniskapital nach den USA zu den Top-5-Ländern. Allerdings es ist für junge Unternehmen, die ihre ersten Erfolge bereits hatten, immer noch schwerer als in den USA, rasch zu wachsen, sagt der kanadische Gründer und Risikokapitalgeber Bruce Croxon. Seine Firma Capital13 will genau diese Lücke füllen und hilft Start-ups zu skalieren.

Direkt nach der Gründung mangelt es Start-ups zudem oft an Unterstützung im Backoffice. Startup Canada, eine Organisation, die sich als nationaler Zusammenschluss und die Stimme junger Unternehmen versteht, befragte sein Netzwerk unter anderem, wo sie am meisten Unterstützung bräuchten. Am häufigsten genannt wurden Finanzierung (65 Prozent), Vertrieb (54) und öffentliche Aufmerksamkeit (51). Zudem fehlen Mentoren und Paten (44 Prozent) sowie juristische Dienstleistungen (44), Buchhaltung (27) und Hilfe bei der Übernahme neuer Technologien.

Fördergelder fließen eher an Kooperationen

Ein Report der Organisation Startup Genome, der das globale Start-up-Ökosystem untersucht, zeigt zudem auf, dass die Akteure in Kanada noch besser zusammenarbeiten sollten. Gute Beispiel gibt es etliche. Staat und Wirtschaft arbeiten teilweise eng mit Universitäten zusammen, um Innovationen zu fördern. Bei Umwelttechnologien ist die unabhängige Stiftung Sustainable Development Technology Canada (SDTC) ein gutes Beispiel. Sie bringt Forschung, Privatwirtschaft und staatliche Akteure zusammen, um neue Umwelttechnologien zu entwickeln. Die SDTC finanziert ihre Förderung im Auftrag der kanadischen Regierung.

Zusammenarbeit und Synergien sind auch der Fokus bei der Supercluster-Initiative der Regierung. Knapp eine Milliarde kanadische Dollar, also gut 600.000 Euro, nimmt der Staat in die Hand, um Kooperationen zwischen Start-ups, Konzernen, Mittelstand und Forschungseinrichtungen in fünf neuen Superclustern aufzubauen. Clusterpartner aus der Privatwirtschaft haben sich verpflichtet, die gleiche Summe oben drauf zu legen.

Der Ansatz der "Supercluster" ist neu, er zielt mehr auf Zusammenarbeit und nicht auf Verdrängung. Die riesigen Cluster schaffen Verbindungen zwischen Unternehmen, die am Ende ähnliche Kunden haben - sie sind Partner statt Konkurrenten.

Kanadische Förderlandschaft stark

Auch die Förderlandschaft für einzelne Firmen und Beteiligte ist in Kanada gut ausgebaut. Es gibt zahlreiche Akzeleratoren und Inkubatoren. Dazu wurden Programme entwickelt, die jungen Unternehmen helfen, etwa Förderangebote zu sondieren (wie Mentor Works), oder Forschungsunterstützung anbieten (wie SR&ED); daneben gibt es Zuschüsse für die Finanzierung einer Gründungsbelegschaft, Abschreibungsvergünstigungen bei Vermarktungs- und Marketing-Maßnahmen (Ontario Interactive Digital Media Tax Credit) und vieles mehr. Eine gute Übersicht der wichtigsten staatlichen Programme bietet die Webseite "Start Up Here Toronto".

Start-up-Akzeleratoren und -Inkubatoren in Kanada (Auswahl)
Kanadaweit Highline(http://www.highline.vc) - nationale Akzelerator-Plattform
Atlantikprovinzen Innovacorp (https://innovacorp.ca), Halifax/Inkubator; Investitionen in wissensbasierte Start-ups aus Nova Scotia Launch 36 (http://launch36.ca), Moncton; Programm zur Entwicklung der nächsten Generation von Hochtechnologiefirmen an der Ostküste
Manitoba Manitoba Technology Accelorator (http://www.mbtechaccelerator.com), Winnipeg; Vermarktungsberatung für Tech-Start-ups
Ontario Digital Media Zone (https://dmz.ryerson.ca), Toronto; Digital Media MaRS Discovery District (http://www.marsdd.com), Toronto; Innovationshub CommuniTech (http://www.communitech.ca), Kitchener/Waterloo; Innovative Technologien L-SPARK (http://www.l-spark.com), Ottawa; Akzelerator und Inkubator; eigene Konferenz: SAAS North
Quebec Inno-centre (http://www.inno-centre.com), Montreal und Quebec City; Start-up-Akzelerator CEIM (http://www.ceim.org/en), Montreal; Management-Unterstützung für Start-ups in IT, neue Medien, Umwelttechnologien, Life Sciences Founder Fuel (https://founderfuel.com/en), Montreal; unterstützt Data- und SaaS-Projekte mit speziellem Fokus auf AI-Technologien mit Seed-Capital Centech (http://www.etsmtl.ca/services/Centech/accueil), Montreal; Katalysator für Tech-Start-ups in Montreal
British Columbia Wavefront (http://www.wavefrontac.com), Vancouver; Akzelerator für IKT-Sektor GrowLab (http://growlab.ca), Vancouver; Start-up-Akzelerator
Alberta Innovate Calgary (http://www.innovatecalgary.com), Calgary; Technologietransfer und Inkubator für die Universität von Calgary TEC Edmonton (http://www.tecedmonton.com), Edmonton; Akzelerator

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Kanadas Gründer sind oft Studenten

Der Anteil an Studenten unter Start-up-Gründern ist in Kanada weltweit am höchsten. Eine kürzlich erschienene OECD-Studie fand das heraus. Etwa 14 Prozent der Start-ups werden hier von jungen Menschen nicht mehr als vier Jahre nach Beginn eines Bachelor-Studiums gegründet.

Auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist der kanadische Unternehmergeist im internationalen Vergleich beachtlich. Die OECD-Studie porträtiert länderübergreifend die Strukturen innovativer Start-up-Systeme im Zeitraum 2001 bis 2016 und zeigt, dass Kanada sowohl bei Start-up-Anzahl als auch -Dichte relativ zu seiner Einwohnerzahl zu den Top-5-Ländern gehört.

MKT201901218003.15

MKT201901218003.14

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Fundica - Guide to Canadian Accelerators and Incubators https://www.fundica.com/blog/646c8004aab609c7/The_Definitive_Guide_To_Canadian_Accelerators_and_Incubators.html Umfangreiche Liste kanadischer Akzeleratoren und Inkubatoren
Mentor Works https://www.mentorworks.ca Staatliche Finanzierungsberatung
Startup Here Toronto https://startupheretoronto.com/partners/ryerson-university/dmz/the-8-government-grants-every-canadian-entrepreneur-should-be-chasing/ Überblick über 8 staatliche Förderprogramme für Unternehmen
Scientific Research and Experimental Development Tax Incentive Program (SR&ED) https://www.canada.ca/en/revenue-agency/services/scientific-research-experimental-development-tax-incentive-program.html Steuererleichterung für Forschungsausgaben in Kanada

Weitere Informationen zu Kanada sind unter http://www.gtai.de/kanada abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Start-up

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Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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