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06.03.2019

Südafrika will mit seiner National e-Strategy den digitalen Wandel vorantreiben

Inhalt

Fortschritte beim E-Government / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Die südafrikanische Regierung will die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen. Bislang bleibt die Umsetzung aber hinter den Erwartungen zurück.

Digitalisierungsstrategie

Der 2012 verabschiedete National Development Plan 2030 hebt die Notwendigkeit einer umfassenden nationalen Digitalisierungsstrategie hervor. Mit der Digital Society South Africa (oder auch National e-Strategy) hat die südafrikanische Regierung im November 2017 eine Reihe von Programmen für die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) (National Integrated ICT Policy White Paper, ICT RDI Roadmap, Industry Policy Action Plan) gebündelt.

Die National e-Strategy umfasst drei Säulen: Maßnahmen für den IKT-Sektor (staatliche Investitionen und die Förderung des Wettbewerbs beim Ausbau des Breitbandnetzes); Maßnahmen, die die Anwendung von IKT fördern sollen (Einführung und Förderung von Smart Farming, Smart Industry, E-Learning und E-Commerce, Industrie 4.0), und die Entwicklung eines Aktionsplans, der den Übergang in eine digitale industrielle Revolution einleiten soll.

Als Teil der e-Strategy sieht das Programm SA Connect vor, bis 2020 insgesamt 570 Verwaltungsgebäude, Schulen, Krankenhäuser und kommunale Zentren (Thungson Centre) an das Breitbandnetz anzuschließen. Wegen Budgetbeschränkungen und bürokratischer Hürden waren allerdings bislang erhebliche Verzögerungen zu verzeichnen. Im Juni 2018 gab es 187 Anschlüsse anstatt der für diesen Zeitpunkt geplanten 327. Schulen und Gesundheitseinrichtungen sollen bis 2030 mit Datenübertragungsraten von einem Gigabyte pro Sekunde und weitere öffentliche Einrichtungen mit 100 Megabyte pro Sekunde ausgestattet werden.

Ein weiteres Programm zur Versorgung mit erschwinglichem Internetanschluss lautet Internet for all. Das Projekt basiert auf einer Partnerschaft zwischen dem Weltwirtschaftsforum, öffentlichen, privaten und kommunalen Organisationen und soll vor allem in den benachteiligten Wohngegenden (Townships) umgesetzt werden.

Strategie für künstliche Intelligenz

Im Februar 2018 hat Präsident Cyril Ramaphosa die Bildung einer Kommission angekündigt, die sich mit der digitalen Revolution befasst. Ein Jahr darauf - am 7. Februar 2019 - hat er während seiner Ansprache zur Lage der Nation die Gründung eines präsidialen Beratungsgremiums für Industrie 4.0 bekannt gegeben. Künstliche Intelligenz (KI) findet im Zusammenhang mit der digitalen Revolution und Industrie 4.0 in Südafrika regelmäßig Erwähnung.

E-Government

Bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung sind schon große Fortschritte gemacht worden. Es gibt Bemühungen, die digitale Transformation von Verwaltungsvorgängen in Bereichen wie Gesundheit, Umwelt und Arbeit voranzubringen. Beispielsweise ist die digitale Erfassung standesamtlicher Dokumente im Gange. Terminanmeldungen bei Behörden können zunehmend digital erfolgen. Die Ausstellung von Dokumenten oder Beschwerdevorgänge sind vermehrt digitalisiert. Auf kommunaler Ebene ist eine Vielzahl von Hotspots im öffentlichen Sektor eingerichtet worden.

Trotz solcher Erfolge bleiben Verwaltungsgänge - so die Lebenserfahrung der Südafrikaner - in weiten Bereichen stark bürokratisiert, ganz zu schweigen von hohen Defiziten bei wesentlichen staatlichen Dienstleistungen wie Sicherheit, Energieversorgung und Bildung. Einen herben Rückschlag erlitt die Digitalisierung der Verwaltung, als zur Regierungszeit Jacob Zumas ein Programm zur digitalen Steuererhebung 2014 abrupt beendet wurde. Das Programm soll reaktiviert werden.

Im E-Government Survey 2018 der Vereinten Nationen rangiert Südafrika im Index zur Entwicklung des E-Government (EGDI) auf Rang 68 von 193 Ländern. Das Kap-Land nimmt nach Mauritius (66) und vor Tunesien (80) und den Seychellen (83) den zweiten Platz auf dem afrikanischen Kontinent ein. Der EGDI setzt sich zu gleichen Teilen aus den Sub-Indizes Telekommunikationsinfrastruktur, Humankapital und Online-Service zusammen.

Stärken/Schwächen und Ausblick

Südafrika bleibt bei der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hinter den eigenen Erwartungen und Ansprüchen zurück. Eine starke Einkommensungleichheit und geringes Wachstum erschweren die digitale Transformation. Unternehmensvertreter bemängeln das Fehlen von IKT-Spezialisten aufgrund hoher Auswanderungsquoten und erheblicher bürokratischer Hürden für ausländische Fachkräfte.

Hohe Mobilfunkgebühren und eine verzögerte Freigabe von Funkfrequenzen werden die Einführung der nächsten Mobilfunkgeneration (5G) verzögern. Mobilfunkanbieter werden in den kommenden Jahren vor allem das 4G-Netzwerk ausbauen. In den nächsten drei Jahren dürfte die 3G-Technologie dominant bleiben, so Spezialisten. Trotz der skizzierten Schwierigkeiten ist mit Investitionen und einem wachsenden Markt für IKT-Güter und -Dienstleistungen in Südafrika zu rechnen.

Eine positive Entwicklung ist bei E-Health zu erwarten. Knappe Kassen und steigende Leistungsansprüche erfordern im privaten und öffentlichen Gesundheitssektor Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen. Im öffentlichen Gesundheitssektor gibt es große Herausforderungen bei der Versorgung der Bevölkerung. Geplant ist zudem eine gesetzliche Krankenversicherung. Neue, digital weit entwickelte Kliniken zwingen die großen Gesundheitskonzerne, bei den Investitionen in die Digitalisierung nachzuziehen.

Der Markteintritt beziehungsweise eine verstärkte Marktpräsenz digitaler Banken oder Versicherungen zieht Folgeinvestitionen bei Wettbewerbern nach sich.

Bei der Einführung intelligenter Maschinen gibt es großes, aber noch wenig realisiertes Potenzial im Bergbausektor. Experten rechnen mit hohen Produktivitätssteigerungen beim Einsatz von Industrie 4.0, vor allem beim Goldabbau. Der Abbau gestaltet sich mit zunehmender Ausbeute technisch immer schwieriger und für die Minenarbeiter gefährlicher. Investitionen in einen digitalisierten Maschinenpark sind allerdings mit hohen Arbeitsplatzverlusten und sozialen Konflikte verbunden und bedürfen umfassender Umschulungsmaßnahmen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
State Information Technology Agency http://www.sita.co.za; Zukile Nomvete, Board Chairman: contact.centre@sita.co.za Regierungsstelle; setzt Digitalisierungsstrategie technisch um
CSIR Meraka Institute http://www.csir.co.za/csir-meraka-institute; Hina Patel: hpatel@csir.co.za Organisation für Forschung und Entwicklung bei IKT
Tshimologong Digital Innovation Precinct https://tshimologong.joburg; Shaun David Randles, Enterprise Development Manager: shaun@tshimologong.joburg Inkubator; Wits University Johannesburg
LINK Centre based at Tshimologong http://www.wits.ac.za; Dr Lucienne Abrahams, Centre Director: luciennesa@gmail.com Zentrum für digitale Transformation; Wits University Johannesburg
LaunchLab https://launchlab.co.za; Philip Marais, CEO: info@launchlab.co.za Inkubator; Stellenbosch University

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Südafrika können Sie unter http://www.gtai.de/suedafrika abrufen.

Mehr zum Thema Digitalisierung finden Sie unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Verwaltung, Administration, Digitalisierung

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‎+49 228 24 993 288

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