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29.04.2019

Südkasachisches Schymkent etabliert sich als wichtiger Standort für die Industrie

Region ist in Sparten wie Petrochemie, Pharma und Baustoffe nationaler Champion / Von Jan Triebel

Schymkent/Almaty (GTAI) - Im zentralen Süden Kasachstans ist die Millionenstadt Schymkent der wichtigste Wirtschaftsstandort. Verarbeitende Betriebe bilden den industriellen Schwerpunkt.

Die Industrielandschaft Schymkents entwickelte sich in den letzten Jahren dank mehrerer Neuansiedlungen und einiger größerer Ausbauvorhaben positiv. In manchen Produktsparten ist die Stadt landesweit führend oder zählt zur engeren Spitzengruppe.

So stammen die meisten in Kasachstan hergestellten Arzneimittel aus Schymkent (wertmäßiger Anteil 2018: 42 Prozent). Hier ist das Unternehmen Chimfarma (http://www.santo.kz) ansässig, das zur polnischen Polpharma Group gehört. Zudem ist Schymkent größter Produzent von Textilien im Land (36 Prozent). Bei Baustoffen rangiert die Stadt auf Platz zwei (11 Prozent). Und sie ist der jeweils drittwichtigste Standort für die Herstellung von elektrotechnischen Ausrüstungen sowie von verarbeiteten Erdölprodukten (beide 12 Prozent).

Bezogen auf das gesamte Land bleibt die Bedeutung der südkasachischen Metropole aber überschaubar. Laut dem nationalen Statistikkomitee betrug ihr Beitrag zum wertmäßigen Gesamtausstoß des verarbeitenden Gewerbes im Jahr 2018 knapp 4 Prozent. Im Vergleich zu den anderen kasachischen Regionen liegt sie damit im Mittelfeld. Kasachstan ist administrativ in 14 Oblaste (Gebiete) und drei Städte "mit republikweiter Bedeutung" (Nur-Sultan, Almaty und Schymkent) gegliedert.

Chinesisch-kasachisches Joint Venture betreibt Erdölraffinerie

Das industrielle Schwergewicht der Millionenstadt ist die Raffinerie Schymkent - einer von nur drei Petrochemiekomplexen im ganzen Land. Betreiber ist das chinesisch-kasachische Gemeinschaftsunternehmen PetroKazakhstan Oil Products (PKOP; http://www.petrokazakhstan.kz). Dahinter stehen die beiden staatlichen Partner CNPC Exploration and Development Company (67 Prozent der Anteile), die ein Ableger der China National Petroleum Corporation ist, und E&P KazMunaiGas (33 Prozent), eine Ausgründung des nationalen Öl- und Gaskonzerns KazMunaiGas.

Um die Raffinerie Schymkent quantitativ und qualitativ fit für die Zukunft zu machen, hat das Joint Venture zwischen 2014 und 2018 etwa 1,8 Milliarden US-Dollar (US$) investiert. Da die Verarbeitungstiefe auf 90 Prozent gesteigert werden konnte, ist der Anteil höherwertiger Erzeugnisse am Gesamtausstoß deutlich gewachsen. Der Nelson-Index kletterte in Schymkent laut PKOP-Angaben von ursprünglich 4 auf 8,2. Diese Kennzahl dient Fachkreisen als Gradmesser der Komplexität einer Raffinerie. Er beschreibt ihre Fähigkeit, den Rohstoff Erdöl zu höherwertigen Produkten zu verarbeiten. Zum Vergleich: Raffinerien in Deutschland weisen Werte zwischen rund 6 und in der Spitze von über 14 auf.

Besonders spürbar schlug sich die Milliardeninvestition in der Produktion hochoktanigen Benzins nieder, die die Betreiber von knapp 0,9 Millionen auf fast 2,3 Millionen Tonnen pro Jahr hochfuhren. Zudem nahm der Jahresausstoß von Kerosin und Dieselkraftstoffen um jeweils fast 60 Prozent auf 0,4 Millionen beziehungsweise 1,9 Millionen Tonnen zu. Insgesamt wurden die Verarbeitungskapazitäten für Rohöl von knapp 5,3 Millionen auf 6 Millionen Tonnen pro Jahr aufgestockt.

HeidelbergCement setzt auf moderne Trockenverfahren in Schymkenter Werk

Bedeutend für die Industrie in Schymkent ist auch die Zementfabrik Shymkentcement (http://www.heidelbergcement.kz/ru/shymkentcement), die seit 2016 zum deutschen Baustoffkonzern HeidelbergCement gehört. Das Schymkenter Werk ist eines von insgesamt drei Zementwerken, die HeidelbergCement in Kasachstan betreibt. Es verfügt aktuell über sechs Nassöfen - davon sind vier in Betrieb - mit einer Kapazität von 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Angaben des Unternehmens zufolge ging 2016 eine Produktionslinie für jährlich 1,2 Millionen Tonnen Zement im Trockenverfahren an den Start. Bei Shymkentcement soll diese Methode, die im Vergleich zum Nassverfahren wesentlich energieeffizienter ist, die alten Öfen schrittweise ablösen.

Elektrische Ausrüstungen, Teppiche und Textilien als weitere Schwerpunkte

Die Schymkenter Sonderwirtschaftszone (SWZ) Ontustik (https://kazsez.com) sowie die beiden Industriezonen Ontustik und Tassai, die jeweils mit staatlicher Unterstützung errichtet wurden, sind beim verarbeitenden Gewerbe beliebt . Einige der Akteure, die sich dort bereits niedergelassen haben, sind landesweit führend in ihren jeweiligen Segmenten.

Ein Beispiel ist das annähernd 55 Millionen US$ teure Engagement von Asia Trafo, das im Gewerbepark Tassai als größtes Einzelvorhaben gilt. Das Werk, das zur kasachischen Elektrotechnikholding Alageum Electric (https://alageum.com) gehört, ging Ende 2018 an den Start. Es fertigt Spartransformatoren sowie ölgefüllte Leistungstransformatoren für Hochspannungen von 110, 220 und 500 Kilovolt im Leistungsbereich von bis zu 500 Megavoltampere.

Als nationale Champions mit Sitz in Schymkent gelten zudem das Unternehmen Bal Tekstil (http://baltekstil.kz), das Kunstfaserteppiche herstellt, und die AGF Group (http://www.agf.kz), die auf Heimtextilien spezialisiert ist. Beide produzieren in der SWZ Ontustik. Bal Tekstil hat hier Ende Januar 2019 seine dritte Fertigungslinie in Betrieb genommen.

Dank dieser steuert die Firma, die eng mit dem türkischen Unternehmen Kartal Carpets zusammenarbeitet, auf einen Ausstoß von jährlich mehr als 5 Millionen Quadratmetern Kunstfaserteppiche zu. Bal Tekstil verfügt über ausreichend dimensionierte Anlagen, um den Bedarf bei Polypropylen-Garnen für seine Teppiche - jährlich etwa 4.000 Tonnen - weitestgehend selbst zu decken.

Das neuerliche Aufstocken der Fertigungskapazitäten ist nicht zuletzt das Ergebnis einer Liefervereinbarung mit IKEA, die bereits seit Herbst 2015 besteht. Der schwedische Möbelriese verkauft Schymkenter Teppiche von Bal Tekstil derzeit vor allem in Russland und China. Auch die AGF Group produziert seit 2016 für das russische IKEA-Geschäft und verzeichnet wachsende Aufträge. Das Unternehmen lieferte 2018 für umgerechnet mehr als 12 Millionen US$ Bettwäsche an IKEA.

Zwei Firmen mit Investitionsplänen über 190 Millionen US$

Eine landesweit führende Rolle in ihren jeweiligen Sparten streben zwei weitere Unternehmen an, die spätestens 2021 in der SWZ Ontustik fertigen wollen. Hierzu gehört der lokale Kunststoffproduzent Schimkentskaja chimitscheskaja kompanija, der ein Werk für Methyl-tert-butylether (MTBE) und pulverförmiges Polypropylen (PP) für umgerechnet knapp 75 Millionen US$ plant. Parallel dazu nimmt die chinesische Xianyang Textile Corporation etwa 115 Millionen US$ für eine neue Großspinnerei in die Hand.

Der chinesische Investor hat seinen Sitz in der Stadt Xianyang in der Provinz Shaanxi, wo sich der Xianxing Textile Industrial Park "Xinxing" befindet. In diesem Textilcluster unterhält die kasachische SWZ Ontustik seit 2017 eine Auslandsvertretung. Für die erfolgreiche Akquise des chinesischen Investors gab es 2018 im "fDi's Global Free Zones"-Ranking des Financial-Times-Ablegers fDi Intelligence einen Preis in der Kategorie "Ones to watch" - eine Zone, die es gilt, im Auge zu behalten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kasachstan sind unter http://www.gtai.de/kasachstan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Baustoffe (Zement, Mörtel, Gips etc.), Elektrotechnik, allgemein, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Petrochemie

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