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11.03.2019

Türkei will geothermisches Energiepotenzial besser nutzen

Bis 2020 sollen Kapazitäten 2.000 Megawatt erreichen / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - Geothermie hat in der Türkei großes Wachstumspotenzial. Mehrere Firmen wollen ihre Kapazitäten ausbauen. Für deutsche Firmen können sich Kooperationschancen ergeben.

Die türkische Energiepolitik setzt auf den Ausbau regenerativer Energien. Sie verfolgt damit das Ziel die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu reduzieren und das chronische Handelsdefizit einzudämmen. Der Geothermie zur Strom- und Wärmeerzeugung kommt dabei eine zunehmende Bedeutung zu.

Bis Ende 2020, also innerhalb von zwei Jahren, sollen sich die Kraftwerkskapazitäten auf 2.000 Megawatt erhöhen und damit im Vergleich zu 2018 um beinahe 50 Prozent zunehmen. Laut Angaben des Türkischen Verbandes der Geothermie-Investoren (JESDER) beläuft sich das geschätzte Stromerzeugungspotenzial aus geothermischen Quellen in den westlichen Landesregionen auf rund 3.000 Megawatt. Derzeit entspricht der Anteil geothermischer Energie an der gesamten Stromproduktion knapp 2,4 Prozent.

Bei der Beheizung von Wohngebäuden und gewerblichen Anlagen wie Hotels, Schwimmbädern und Gewächshäusern beläuft sich das Potenzial sogar auf schätzungsweise 30.000 Megawatt.

Entwicklung der türkischen Geothermie-Kapazitäten
Jahr Kapazität (MW)
2012 162
2013 302
2014 405
2015 614
2016 860
2017 1.100
2018 1.347

Quelle: JESDER

Projekte für Fernwärmesysteme

Nach Angaben von JESDER besteht im Land grundsätzlich die Chance, mit Investitionen von jährlich etwa 1 Milliarde US$ zusätzliche Geothermie-Kapazitäten von 200 bis 250 Megawatt pro Jahr aufzubauen. Die Amortisationszeit beziffert der Verband mit circa fünf Jahren. Die Kosten einer geothermischen Bohrung von bis zu 4.000 Metern Tiefe und einem Zeitaufwand von 60 bis 80 Tagen schätzt JESDER auf 3 Millionen bis 4 Millionen US$.

In den westtürkischen Provinzen Denizli, Manisa und Aydin, wo es zahlreiche geothermische Quellen gibt, werden bereits Sonderzonen errichtet, in denen das Abwasser aus Geothermie-Kraftwerken für die Beheizung von Gewächshäusern eingesetzt werden soll.

Hervorzuheben ist das Projekt im Gebiet von Sarayköy bei Denizli, wo Gewächshäuser auf einer Fläche von 650.000 Quadratmetern entstehen sollen, die das Abwasser des Kraftwerkes von Zorlu Enerji aufnehmen werden. Ein ähnliches Projekt ist im Gebiet von Efeler bei Aydin vorgesehen.

JESDER-Präsident Ali Kindap rechnet in einem Interview mit dem türkischen Wirtschaftsmagazin "Ekonomist" (27.1.2019) vor, dass das nachgewiesene Potenzial insgesamt einem Verbrauch von 9 Milliarden Kubikmeter Erdgas im einem Wert von 2,2 Milliarden US$ entspreche, so dass durch den verstärkten Einsatz von Geothermie für Fernwärmesysteme hohe Devisenausgaben eingespart werden könnten. Mit geothermischen Systemen könnten - so Kindap - in westlichen Regionen rund 6 Millionen Haushalte beheizt werden. Auch in Zentral- und Ostanatolien gebe es ergiebige und wirtschaftlich verwertbare geothermische Quellen, wie aus den Bohrungen der staatlichen Erdölgesellschaft TPAO hervorginge.

Firmen planen Kapazitätsausbau

In der Türkei waren Ende 2018 insgesamt 53 geothermische Kraftwerke in Betrieb. Bezüglich der installierten Kapazitäten steht die Türkei - so JESDER - weltweit auf Platz vier. Die bisher größten Betreiber sind laut "Ekonomist" Zorlu Enerji (260 Megawatt; http://www.zorluenerji.com.tr), Gürmat Enerji (210 Megawatt; http://www.gurmat.com.tr), Celikler Enerji (181 Megawatt; http://www.celiklerholding.net), Maren Maras Elektrik (149 Megawatt; http://www.kipas.com.tr) und Türkerler Enerji (78 Megawatt; http://www.turkerler.com/enerji). Das Unternehmen Zorlu Enerji, das fünf Geothermie-Kraftwerke besitzt, will bis Ende 2020 zusätzliche Kapazitäten von 50 Megawatt schaffen.

Maren Maras Elektrik, eine Tochterfirma der Kipas-Holding mit acht Kraftwerken, plant bis Ende 2020 zusätzlich 30 Megawatt zu installieren. Das Unternehmen Enerjeo Kemaliye Enerji Üretim (http://www.enerjeo.com) will seine Kapazitäten auf 200 Megawatt erhöhen, ausgehend von derzeit 25 Megawatt.

Chancen für deutsche Technologieanbieter

Die türkische Regierung subventioniert Investitionen in die Geothermie im Rahmen des Fördermechanismus für Erneuerbare Energien (YEKDEM). Unternehmen erhalten unter anderem steuerliche Vorteile und Stromabnahmegarantien für zehn Jahre. Dieses 2005 eingeführte Fördersystem gilt zunächst bis 2020. Projekte, die bis dahin abgeschlossen werden, kommen in den Genuss der Vergünstigungen. Ob und in welchem Umfang danach gefördert wird, ist noch unbekannt.

Im Zusammenhang mit Geothermie-Projekten könnten sich auch für deutsche Technologieanbieter Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit türkischen Projektträgern ergeben. Am Rande des Türkeibesuches von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier unterzeichneten der türkische Verband JESDER und der deutsche Bundesverband Geothermie e. V. Ende Oktober 2018 eine Absichtserklärung zur verstärkten Zusammenarbeit beider Länder. Dabei sollen unter anderem Zukunftsmodelle zum Beispiel in den Bereichen "Enhanced Geothermal Systems" (EGS) und im Reservoir-Management erörtert werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Türkei sind unter http://www.gtai.de/tuerkei abrufbar.

Kontaktadresse

Jeotermal Elektrik Santral Yatirimcilari Dernegi - JESDER

(Verband der Investoren für Geothermie-Kraftwerke)

Park Office No. 49

35535 Bayrakli - Izmir, Türkei

T/F: +90 (0)232 503 60 06

info@jeder.org

http://www.jesder.org

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei Kraftwerksbau, Strom-/Energieerzeugung, Geothermie

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