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23.05.2019

Unternehmen beklagen schlechte Sicherheitslage in Mexiko

Derzeitige Situation könnte Investitionen gefährden / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mexiko registriert eine starke Zunahme der Straftaten, unter der neben der Bevölkerung die im Land ansässigen Unternehmen leiden. Auch bisher verschonte Landesteile sind betroffen.

Unternehmen in Mexiko schlagen aufgrund der sich zuspitzenden Unsicherheit Alarm. Carlos Salazar Lomelín, Präsident des Spitzenverbands der Unternehmensverbände CCE (Consejo Coordinador Empresarial), betonte auf einer Veranstaltung am 15. Mai 2019 seine Besorgnis insbesondere über die hohe Gewaltrate in Mexiko-Stadt. Andere Verbandsvertreter, beispielsweise aus dem Großhandel und dem Bergbau, wiesen schon zuvor darauf hin, dass die derzeitige Lage zu Einbußen bei ihren Mitgliedsfirmen führe.

Das Thema beschäftigt auch die deutschen Unternehmen im Land. Johannes Hauser, Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Mexiko), sagte im Mai 2019: "Die Unsicherheit hat viele Facetten, aber vor allem die Überfälle auf Warentransporte verursachen erhebliche Schäden in den Lieferketten." Hauser zufolge ist der Moment gekommen, in dem die Sicherheitslage die Reinvestitionen deutscher Firmen ebenso gefährdet wie den Zufluss neuer Investitionen.

Mehr Unternehmen von Straftaten betroffen

Laut Daten des Nationalen Sicherheitssystems SNSP (Sistema Nacional de Seguridad Pública) stiegen die Straftaten gegen Unternehmen zwischen Januar 2015 und Januar 2019 um 78 Prozent. Für das Gesamtjahr 2018 registrierte eine Unternehmensumfrage des mexikanischen Statistikamts 3,7 Millionen Vergehen, darunter vor allem Diebstähle und Überfälle sowie Diebstahl durch Angestellte.

Die Gründe für die wachsende Unsicherheit sind vielfältig: Mafiöse Vereinigungen versuchen nach den zahlreichen Wahlen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene 2018 an Einfluss gegenüber der Politik zu gewinnen. In einigen Landesteilen wie der Bajío-Region kämpfen Banden um die Vorherrschaft im lukrativen Kraftstoffdiebstahl. Zudem führt die lahmende Konjunktur zu einer höheren Arbeitslosigkeit, die wiederum ein Nährboden für die Kriminalität ist.

Gewalt rückt in neue Landesteile vor

Das Besondere an der derzeitigen Verbrechenswelle ist, dass sie in Landesteile vordringt, die zuvor als sicher galten. So registrieren Unternehmen in der zentral gelegenen Bajío-Region einen Anstieg an gegen sie gerichtete Straftaten. Besonders kritisch ist die Lage im Bundesstaat Guanajuato.

Dort geht der Unternehmensverband Coparmex (Confederación Patronal de la República Mexicana) davon aus, dass 70 ausländische Unternehmen derzeit ihre Investitionen zurückhalten. In der Entität wütet ein Kampf der Syndikate Santa Rosa de Lima und Jalisco Nueva Generación um den Kraftstoffschmuggel. Neben der Sicherheitslage sei auch der noch nicht abgeschlossene Handelskonflikt mit den USA ein Grund dafür, dass Unternehmen ihre Investitionen hinauszögern.

Deutsche Unternehmen berichten vor allem von Einbußen durch Transportüberfälle. Diese kommen besonders häufig auf der Strecke zwischen der Hafenstadt Veracruz und Mexiko-Stadt vor sowie auf der Route Mexiko-Stadt - Querétaro. Weitere Informationen zu diesem Thema gibt der folgenden GTAI-Beitrag: https://www.gtai.de/MKT201806258010

Regierung will Situation durch neue Nationalgarde verbessern

Der seit Dezember 2018 amtierende Präsident Andrés Manuel López Obrador (genannt AMLO) sieht das wichtigste Mittel im Kampf gegen Gewalt und Unsicherheit in einer besseren wirtschaftlichen Lage besonders der armen Bevölkerungsteile. Daneben sollen das Rechtssystem gestärkt und die Strafverfolgung von Verbrechen verbessert werden.

Eine der bisher wenigen konkreten Maßnahmen der neuen Regierung im Sicherheitsbereich ist die Schaffung einer Nationalgarde (Guardia Nacional), die landesweit die Polizeieinheiten unterstützen soll. Die aus Bundespolizisten und Soldaten bestehende Truppe soll bis zum Ende der Amtszeit AMLOs im Jahr 2024 auf 100.000 Mitglieder anwachsen.

Während die Regierung betont, dass die Nationalgarde aufgrund ihres gemischten Charakters aus Polizei und Militär weniger anfällig gegenüber Korruption ist, bemängeln Kritiker, dass bislang unklar sei, wie genau sie mit anderen Sicherheitskräften kooperieren solle und zur Militarisierung des Polizeiapparats beitrage.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Geschäftspraxis allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein

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