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27.05.2019

Usbekistan steckt 6 Milliarden US-Dollar in seine Wärmekraftwerke

Wirkungsgrad soll um mehr als 50 Prozent steigen / Von Uwe Strohbach (Mai 2019)

Taschkent (GTAI) - Usbekistan will seine konventionelle Stromerzeugung leistungsfähiger machen. Das Land ist besonders interessiert an Anlagen und Technik aus dem westlichen Ausland.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse *)
Große Stromversorgungsdefizite im Herbst und Winter in den Regionen des Landes. Ineffiziente Strukturen in den Energiebehörden und mangelnde regulative Regelwerke.
Erwartete Verdoppelung des jährlichen Strombedarfs auf etwa 120 Mrd. kWh in den nächsten zwölf Jahren. Fehlende finanzielle Eigenmittel und beschränkter Zugang zu internationalen Investitionen und Krediten.
Effektive Nutzung der Ressource Erdgas durch geplante Erhöhung des Wirkungsgrads der Kraftwerke von im Schnitt 35 auf 55 bis 60 Prozent bis 2023/2024. Bisher ausgebliebene Marktöffnung für private Engagements und öffentlich-private Partnerschaften.

*) Anfang 2019 hat die Regierung Usbekistans ein Reformpaket für eine grundlegende Neuausrichtung der Stromwirtschaft beschlossen. Die Umsetzung verspricht eine deutliche Verbesserung des geschäftlichen Umfelds in der Branche.

Usbekistans konventionelle Stromerzeugung steht angesichts bestehender Versorgungsdefizite und eines jährlich wachsenden Strombedarfs vor großen Herausforderungen. Viele Kraftwerksblöcke müssen modernisiert und Ausbauprojekte zügig vorangebracht werden. Das Interesse ausländischer Investoren und Ausrüstungsanbieter an einem Engagement in der Stromsparte wächst.

Mangelnde Effektivität und Auslastung der Kraftwerke durch Investitionsstau

Infolge unterlassener Modernisierungsinvestitionen oder einer mangelhaften Wartung stehen für die Stromerzeugung aktuell nur Anlagen mit einer installiertem Leistung von etwa 10 Gigawatt zur Verfügung. Den aktuellen realen Kapazitätsbedarf schätzen Marktkenner auf mindestens 15 Gigawatt. Ein großer Teil der heute betriebenen Wärmekraftwerke ging vor etwa 40 bis 50 Jahren in Betrieb und bedarf einer dringenden Modernisierung. Der durchschnittliche elektrische Wirkungsgrad in den Anlagen beträgt kaum mehr als 35 Prozent. Die Kraftwerke nutzen als Brennstoff zu 94 Prozent Erdgas, zu 5 Prozent Braunkohle und zu 1 Prozent Heizöl.

Gegenwärtig konzentriert sich die konventionelle Stromerzeugung in Usbekistan auf fünf Kraftwerke mit 38 Blöcken und einer installierten Kapazität von 9.010 Megawatt. Es handelt sich um die Kraftwerke Syrdarja (installierte Kapazität: 3.000 Megawatt), Yangi Angren (2.100 Megawatt), Taschkent (1.860 Megawatt), Nawoi (1.250 Megawatt) und Talimardzhan (800 Megawatt). Die staatliche Wärmekraftwerke AG betreibt insgesamt zehn Kraftwerke mit einer installierten Leistung von 12,1 Gigawatt.

Regierung nimmt Kurs auf Modernisierungs- und Ausbauprojekte

Die seit der Jahreswende 2016/2017 amtierende neue Regierung hat den beschleunigten Ausbau der Stromwirtschaft auf ihre wirtschaftspolitische Prioritätenliste gesetzt. Erste Erfolge sind sichtbar: Investitionen in Wärmekraftwerke sowie Übertragungs- und Verteilernetze erreichten im Jahr 2018 ein Volumen von 840 Millionen US-Dollar (US$). Im Vorjahr betrugen sie weniger als 100 Millionen US$. Für 2019 erwarten Marktkenner einen mindestens ebenso so hohen Kapitalzufluss. Bis zu zwei Drittel dieser Anlagen dürften auf Wärmekraftwerke entfallen.

Das aktuelle Projektportfolio in der Sparte konventionelle Stromerzeugung summiert sich auf annähernd 6 Milliarden US$. Davon entfällt jeweils die Hälfte auf aktuelle laufende und in den nächsten Jahren geplante Vorhaben. Bis zu vier Fünftel dieser Investitionen sind für Gas- und Dampf-Kombikraftwerke sowie die Beschaffung und Installation von Gasturbinen (5.000 Megawatt und mehr) bestimmt.

Westliche Turbinenlieferanten dominieren den Markt

Den usbekischen Markt für Ausrüstungen für konventionelle Kraftwerke bestimmen heute westliche Anbieter.Die einst das Branchengeschäft dominierenden russischen und ukrainischen Lieferanten (Silowyje maschiny/Power Machines), Maschinenbaufabrik Podolsk, Elektrosila, Atomenergomasch, Turbomechanik-Werk Poltawa und andere) kommen in der Regel nur noch bei der Modernisierung älterer Stromerzeugungsanlagen zum Zuge.

In der Bauausführung oder als Hauptauftragnehmer für neuen Projekte engagieren sich häufig türkische Firmen. Mit der Holding Yildirim Enerji und der Gesellschaft Cengiz Enerji, vereinbarte die Regierung Usbekistans im Februar und März 2019 die Errichtung von Gas- und Dampf-Kombikraftwerken mit einer installierten Kapazität von 900 Megawatt beziehungsweise 240 Megawatt.

Anfang 2019 unterzeichnete die Siemens AG, Deutschland, mit der Stromgesellschaft O´ zbekenergo, ein Memorandum über eine Zusammenarbeit bei der weiteren Modernisierung der Kraftwerke Syrdraja und Yangi Angren. Ziel der Kooperation ist eine Erhöhung des thermischen Wirkungsgrades in den Stromerzeugungsanlagen. Alte Dampfkraftwerksblöcke (K-300) sollen zu Kombikraftwerken auf der Basis der Installation einer leistungsstarken Gasturbine umgerüstet werden.

Darüber hinaus liefert Siemens eine Dampfturbine an das türkische Unternehmen Cengiz Enerji, den Hauptauftragnehmer für die Errichtung des geplanten 240-Megawatt-Kombikraftwerks in der Region Buchara. General Electric (USA) beliefert den neuen Stromerzeuger mit zwei Gasturbinen.

In der Stromwirtschaft beginnt eine neue Ära

Die Projekte sollen als Pilotprojekte in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft (Public-private-Partnership, PPP) realisiert und über ausländische Direktinvestitionen finanziert werden. Sie leiten somit eine neue Ära in der Umsetzung von Infrastrukturvorhaben in der Stromwirtschaft Usbekistans ein.

Ob das Finanzierungmodell auch von Erfolg gekrönt sein wird, wird die Zukunft zeigen. Unbestritten ist, dass die Regierung PPP-Projekte zunehmend fördern und unterstützen will, um mehr ausländische Investoren für ein Engagement in der Branche zu gewinnen und Finanzierungen durch private Kreditgeber und Geberbanken zu beschaffen.

Stromwirtschaft benötigt moderne Mess- und Prüftechnik

Der usbekische Markt für die Stromwirtschaft bietet für den deutschen Mittelstand ein vielfältiges Liefer- und Kooperationspotenzial. Für die Komplettierung von Stromerzeugungsanlagen einschließlich Mess- und Prüfausrüstungen sowie deren Integration in Umwelttechnik-Systeme und Anbindung an die Stromnetze werden leistungsfähige Zulieferungen benötigt.

Projekte zu konventionellen Kraftwerken in Usbekistan
Projektbezeichnung/Unternehmen Energieträger/ Kapazität (in MW) Investitionen (Mio. US$) Status Anmerkung/Ansprechpartner
Neues Kombikraftwerk, Region Surchandarja Erdgas/900 (2x450 MW) 1.200 (PPP-Projekt, Laufzeit:30 Jahre) Baustart voraussichtlich im 2. Halbjahr 2019 oder im 1. Halbjahr 2020 Yildirim Enerji Holding A.S./YEH (Türkei; http://www.yildirimenergy.com)
Neues Kombikraftwerk Turakurgan, Region Namangan Erdgas/900 (2x450) 1.200 Inbetriebnahme der Blöcke im September und Dezember 2019 geplant EPC-Lieferer: Misubishi Corp./MHPS (Japan, http://www.mhps.com), Bauausführung: Calik Holding (Türkei; http://www.calikenerji.com), Kofinanzierung durch die JICA (704 Mio. US$)
Erweiterung des Kraftwerks Talimardzhan (1.700 MW) um zwei GuD-Blöcke, Nuriston (Region Kaschkadarja Erdgas/900 (2 x450) 1.000 Detailprojekt liegt vor, Projektabwicklung über EPC-Lieferant und Realisierung bis 2023 vorgesehen Kontaktpartner: Ministerium für Energiewirtschaft (press@minenergy.uz), Kofinanzierung durch die ADB (450 Mio. US$) und die EBRD (240 Mio. US$)
Modernisierung des Kraftwerks Tachiatasch, Karakalpakstan (Installation von zwei GUD-Turbinen) Erdgas/230 und 280 MW 678 Inbetriebnahme der Blöcke 2020 und 2021/2022 EPC-Lieferant: Hyundai Engineering Co, Ltd/Hyundai Engineering and Construction Co. (Ltd. (Korea/Rep.; http://www.eng.hec.co.kr)
Ausbau des Wärmekraftwerks in Nawoi (zweiter GuD-Block) Erdgas/450 547 offizieller Baustart: März 2017, Inbetriebnahme: Ende 2019/Anfang 2020 EPC-Lieferant: Misubishi Corporation/MHPS (Japan; http://www.mhps.com), Bauausführung: Calik Holding (Türkei; http://www.calikenerji.com), Kofinanzierung durch die JICA (90 Mio. US$)
Modernisierung von sechs Blöcken im Wärmekraftwerk Syrdarja (Ausbau der installierten Kapazität von jeweils 300 auf 325 MW) Erdgas (Reservebrennstoff: Heizöl)/3.050 (10 Blöcke) 219 Realisierung in drei Etappen: 2018 bis 2019, 2019 bis 2020 und 2020 bis 2021 - jeweils zwei Blöcke PAO Silowyje maschiny (Russland; http://www.power-m.ru; Vertragswert: 177 Mio. US$), Kofinanzierung durch die Wneschekonombank (Russland)
Neues Kombikraftwerk, Landkreis Kogon (Region Buchara) Erdgas/240 (3 Turbinen) k.A. (PPP-Projekt) Baustart voraussichtlich im 2. Halbjahr 2019 at oder im 1. Halbjahr 2020 Cengiz Enerji Sanayii ve Ticaret A.S. (Türkei; http://www.cengiz.com.tr)
Modernisierung und Privatisierung des Kraftwerks Angren, Gebiet Taschkent Braunkohle (Reservebrennstoff Heizöl)/484 (4 Turbinen) k.A. Privatisierungsprogramm vom 29.4.2019, Verhandlungen mit ersten potenziellen Investoren sind angelaufen Ministerium für Energiewirtschaft (press@minenergy.uz)
Modernisierung und Privatisierung des Kraftwerks Yangi Angren inklusive möglicher Bau des Blocks 8, Gebiet Taschkent Braunkohle (Blöcke 1 bis 5), Gas und Heizöl (Blöcke 6 und 7/2.100 (7x300); Block 6 zz. nicht aktiv k.A. Privatisierungsprogramm vom 29.4.2018, Verhandlungen mit ersten potenziellen Investoren sind angelaufen Ministerium für Energiewirtschaft (press@minenergy.uz)

Quellen: Pressemeldungen; Recherche von Germany Trade & Invest

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/Usbekistan Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de; Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien https://zentralasien.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Ministerium für Energiewirtschaft Internetseite im Aufbau, Kontakt über: press@minenergy.uz Informationen über den Energiesektor, Projekte und Tender
Wärmekraftwerke AG Kontakt über: http://www.uzbekenergo.uz Neue Gesellschaft für alle Wärmekraftwerke
Power Uzbekistan http://www.power-uzbekistan.uz Fach-/Leitmesse für die Stromwirtschaft (Termin 2020: 13. bis 15. Mai)
ASU-Engineering http://www.asueng.uz Führender Systemintegrator für die Automatisierung im Energiesektor (SCADA)

Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Kraftwerksbau, Wärme- und Gasversorgung, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Kernkraft

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‎+49 228 24 993 219

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