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27.05.2019

Usbekistans Öl- und Gasindustrie richtet sich neu aus

Das Engagement ausländischer Firmen wächst / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Der Kohlenwasserstoffsektor Usbekistans stellt sich neu auf. Die Branche öffnet sich verstärkt ausländischen Investoren.

Usbekistans Holdinggesellschaft O´zbekneftgaz steht vor der Umstrukturierung. Das für für die Förderung, den Transport und die Verarbeitung von Öl und Gas zuständige Unternehmen soll transparenter, leistungsfähiger und finanziell unabhängig werden. Dadurch erhofft sich die usbekische Regierung mehr Attraktitivität für ausländische Investoren. Firmen und Objekte außerhalb des Kerngeschäfts werden verkauft.

Reine Dienstleister für die Öl- und Gaswirtschaft werden in selbstständige Unternehmen umstrukturiert und privatisiert. Unterstützung beim Umbau kommt von der Asiatischen Entwicklungsbank (Unternehmenstransformation) sowie dem Beratungsunternehmen EY (Rechnungslegung) und der Boston Consulting Group (Ressourcennutzung).

Öl- und Gasholding plant für 2020 die Ausgabe eines Eurobonds

Bis Ende 2019 sollen internationale Standards für die Rechnungslegung in den Unternehmensberichten eingeführt werden. Voraussichtlich im Jahr 2020 will O´zbekneftgaz zur Finanzierung seiner Projekte erstmals einen Eurobond in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar (US$) auflegen. Zudem hofft man auf eine Finanzspritze der Asiatischen Entwicklungsbank für die dringend erforderliche Modernisierung des maroden Gasleitungsnetzes. Auf dem Transportweg gehen heute etwa 20 Prozent des Gases verloren. Die O´zbekneftgaz AG fördert gegenwärtig Kohlenwasserstoffe in 154 Lagerstätten. In den Jahren 2017 und 2018 führte sie Bohrungen in 13 neuen Lagerstätten durch.

Offene Türen für ausländische Geschäftspartner und Investoren

Die neue Regierung Usbekistans hat auf der jüngsten Internationalen Öl- und Gasmesse in Taschkent (15. bis 17. Mai 2019) ihr großes Interesse an einer verstärkten Kooperation mit dem Ausland bekundet. Das Management von O´zbekneftgaz lädt ab sofort jeden Mittwoch zu einem "Tag des Investors" ein. Ausländische Unternehmen können hier aus erster Hand Informationen über die geschäftlichen Rahmenbedingungen und geplante Projekte erhalten. So können sie ihre Geschäftschancen in der Branche sondieren oder Pläne für eine Zusammenarbeit mit usbekischen Partnern konkretisieren.

Bereits in den letzten Monaten hat die Nationale Öl- und Gasholding O´zbekneftgaz AG mit mehreren ausländischen Partnern Vereinbarungen abgeschlossen. Dabei ging es um den Ausbau bestehender Kooperationen oder neue Projekte. Mehr Engagement in Usbekistan streben Branchenakteure an wie Epsilon Development Company (USA), Total (Frankreich), KNOC (Korea Rep.), SOCAR (Aserbaidschan), BP (Großbritannien), Tatneft und Zarubezhneft (beide Russland), Mubadala Petroleum (VAE) und ONG Videsh (Indien).

Die russischen Öl- und Gaskonzerne Lukoil und Gazprom planen mehr Investitionen in dem zentralasiatischen Land. Allein von Lukoil flossen bisher mehr als 7,5 Milliarden US$ nach Usbekistan. Für die nächsten Jahre kündigte das Unternehmen Projekte für 2 Milliarden US$ an. Mit der Firma Honeywell lotet O´zbekneftgaz gegenwärtig Kooperationmöglichkeiten aus, um die Produktion im Gaschemiekomplexes Schurtan auszuweiten.

O´zbekneftgaz realisiert bis 2025 Projekte für 33 Milliarden US-Dollar

Unter der Newcomern in Usbekistans Öl- und Gassektor verdient die Epsilon Development Company (USA) eine besondere Erwähnung. Das Unternehmen erhielt im Januar 2019 Lizenzen für die Exploration von Kohlenwasserstoffen in fünf Investitionsblöcken, die Projektierung und den Bau von Öl- und Gasanlagen einschließlich Pipelines sowie den Vertrieb der geförderten Kohlenwasserstoffe. Das internationale Ingenieurberatungsunternehmen DeGolyer & MacNaughton gibt die Gasreserven in den Blöcken mit 561 Milliarden Kubikmeter an. Die möglichen Investitionen in den gesamten künftigen Gaschemiekomplex veranschlagt die Epsilon Development Company auf etwa 5 Milliarden US$. Davon entfallen etwa 2 Milliarden US$ auf die Erschließung und Förderung der Gasvorkommen.

Für die Jahre 2019 bis 2025 erwartet O´zbekneftgaz einen Kapitalzufluss in die Branche von 30 Milliarden bis 33 Milliarden US$. Die (wohl allzu ambitionierten) Erwartungen basieren auf neuen Projekte und der beschleunigten Umsetzung laufender Vorhaben. Das prognostizierte Volumen entspricht in etwa den Investitionen in die Öl- und Gaswirtschaft im gesamten Zeitraum 1991 bis 2016. Von den in jenen Jahren investierten 31 Milliarden US$ entfielen 17 Milliarden US$ auf ausländische Direktinvestitionen und direkt vergebene ausländische Kredite (zumeist aus Russland).

Das staatliche Investitionsprogramm für das Jahr 2019 listet unter der Rubrik "laufende und geplante Projekte in der Öl- und Gaswirtschaft" Vorhaben für 19 Milliarden US$ auf, die mit ausländischen Direktinvestitionen realisiert werden. Die Gesamtinvestitionen in der Branche dürften 2019 ein Volumen von 2,4 Milliarden US$ erreichen. Der Zufluss ausländischer Direktanlagen einschließlich direkt vergebener Kredite wird voraussichtlich knapp 1 Milliarde US$ betragen. Allein diese Investitionen sollen sich laut O´zbekneftgaz im Zeitraum 2019 bis 2025 auf ein Volumen von 9 bis 10 Milliarden US$ summieren.

Ölraffinerien werden für bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar modernisiert

Den im April 2017 gestarteten Bau einer neuen Ölraffinerie in Dshisak (Jizzakh) hat die usbekische Regierung eingestellt. Sie nimmt jetzt Kurs auf die Modernisierung der Raffinerien in Buchara (Buxoro), Fergana (Farg´ona) und Altyayryk. Die Investitionen in die dringend modernisierungsbedürftigen Anlagen der Ölverarbeiter veranschlagen die zentralen Planer auf circa 1,4 bis 1,5 Milliarden US$. Die jährliche Verarbeitungskapazität der Raffinerien beträgt rund elf Milliarden Tonnen Öl und Ölkondensat. Infolge maroder Ausrüstungen und technisch veralteter und somit nur noch schwer absetzbarer Erzeugnisse (Kraftstoffe nach der Euro-2-Norm) betrug die Kapazitätsauslastung in der Raffineri Fergana (Kapazität: etwa 6,5 MillionenTonnen) nur noch 22 Prozent. Der Ölverrarbeiter Buchara (2,5 Millionen Tonnen) lastet seine Kapazität nur zu etwa 60 Prozent aus.

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Eine Übersicht über laufende, vorbereitete und geplante Projekt in der Öl- und Gaswirtschaft Usbekistans können Sie hier herunterladen.
Ausgewählte Großprojekte in der Öl- und Gaswirtschaft Usbekistans (PDF)

Kontaktadresse

O´zbekneftgaz AJ

Ansprechpartner: Bahodirjon Bahromovich Sidiqov, Vorstandsvorsitzender

Istiqbol ko´chasi, 21

100047 Taschkent/Republik Usbekistan

T +998 71 233 57 57, +998 71 236 02 10

F +998 71 236 77 71

kans@uzneftegaz.uz

http://www.ung.uz

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Öl, Gas, Petrochemie

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