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22.02.2019

US-Exporte nach China stürzen ab

Handelskonflikt lässt Lieferungen einbrechen / Von Bernd Schaaf

Bonn (GTAI) - Verheerende Zahlen belegen, dass die US-Lieferungen nach China regelrecht eingebrochen sind. Das US-Defizit dürfte daher im Gesamtjahr 2018 auf 440 Milliarden US$ gestiegen sein.

In den vergangenen Monaten brach die chinesische Einfuhr aus den USA dramatisch ein. Betroffen waren - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nahezu alle Segmente des Warenhandels. Auf Monatsbasis gingen die Auslandsbezüge des Reichs der Mitte aus den Vereinigten Staaten nach chinesischen Zollangaben im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat im November 2018 um 25,0 Prozent, im Dezember 2018 um 35,8 Prozent und im Januar 2019 gar um 41,1 Prozent zurück. Die Importe aus den USA im Januar 2019 beliefen sich auf nur noch 9,2 Milliarden US-Dollar (US$) - das entsprach etwa dem Niveau des Januar 2012.

Trumps Wahlklientel im Visier

Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich für jeweils die Monate November und Dezember stürzten die Einfuhren des Reichs der Mitte aus den USA gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30,7 Prozent auf 21,1 Milliarden US$ ab. Die Analyse des Handels zeigt, dass Chinas Politik schwerpunktmäßig Nahrungsmittel und Landwirtschaft, Öl und Gas sowie den Kfz-Sektor der US-Amerikaner in die Zange nahm, um die Wahlklientel Präsident Trumps und damit den Präsidenten selbst unter Druck zu setzen, so die Einschätzung von Beobachtern.

Struktur der chinesischen Einfuhr aus den USA (Auswahl; in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum in %)

HS-Kapitel Warengruppe 2017 1) 2018 1) Veränd
01-99 Insgesamt 30.442 21.089 -30,7
30 Arzneimittel 583 837 43,6
39 Kunststoffe 840 965 14,9
88 Flugzeuge 3.170 3.595 13,4
84, 85 Industriegüter 2) 5.956 6.099 2,4
90 Mess-, Regel-, Medizintechnik, Optik 2.147 2.038 -5,1
01-23 (-12) Nahrungsmittel 1.294 885 -31,6
87 Kfz 2.612 1.485 -43,1
71 Edelsteine, Schmuck 497 80 -83,9
10 Getreide 497 80 -84,3
27 Erdöl, -gas 2.095 235 -88,8
02 Fleisch 300 14 -95,2
12 Ölsaaten 4.625 27 -99,4

1) November + Dezember; 2) Maschinen, Elektronik, Elektrotechnik

Quelle: chinesischer Zoll; Berechnungen durch Germany Trade & Invest

So sind die Fleisch-, Getreide- und Soja-Lieferungen der USA nahezu zum Stillstand gekommen, und auch bei den Energierohstoffen bleibt nur noch wenig Luft nach unten. Schmerzhaft betroffen sind schwerpunktmäßig auch die Autolieferungen mit einem Rückgang der chinesischen Einfuhr von 43,1 Prozent in den letzten zwei Monaten des Jahres 2018.

Gut geschlagen haben sich hingegen die US-Lieferungen bei Arzneimitteln, Kunststoffen (hauptsächlich in Primärform) und Flugzeugen, die durchweg mit zweistelligen Zuwachsraten nach oben gingen. Dabei handelt es sich allerdings um Produkte, die China selbst nicht in ausreichender Menge und Qualität herstellen kann und es darüber hinaus keine anderen Lieferanten gibt, die entstehende Lücken ohne Weiteres ausgleichen könnten. Im Falle von Flugzeugen spielen natürlich auch langfristige Lieferverträge eine starke Rolle.

Andere Lieferländer profitieren

Im Gegenzug traten in wichtigen Segmenten andere Lieferländer auf den Plan, während US-Anbieter außen vor blieben. So profitierten Australien und Neuseeland von gestiegenen Lieferungen von Nahrungsmitteln, Brasilien punktete bei Ölsaaten (im Wesentlichen mit Sojabohnen als Tierfutter), Russland steigerte seine Exporte im Bereich Öl und Gas, und Deutschland erhöhte seine Pkw-Ausfuhr nach China im Gesamtjahr 2018 auf US-Dollar-Basis um 25 Prozent.

Chinas Einfuhr im Januar 2019 nach Ländern (Wert in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum gleichen Vorjahresmonat in %)

Lieferland Wert Veränd.
Importe insgesamt 178.412 -1,5
.Südkorea 14.863 -11,8
.Taiwan 14.563 -0,5
.Japan 13.747 -1,3
.Australien 10.070 7,6
.Deutschland 9.620 5,8
.USA 9.242 -41,2
.Brasilien 6.967 47,0
.Malaysia 5.581 8,8
.Russland 4.894 10,2

Quelle: chinesischer Zoll

Im gegenwärtigen Handelskonflikt haben zuerst die USA und dann - in der Folge - China WTO-widrig Sonderzölle auf verschiedenste Warengruppen in vergleichbarem Umfang erhoben. Der Schluss, dass nun Lieferanten beider Länder im selben Maße unter den erhobenen Abgaben zu leiden hätten, ist allerdings unzulässig.

Denn: Während die chinesischen Importe aus den USA im November und Dezember 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 31 Prozent schrumpften, stiegen die Ausfuhren in die USA im gleichen Zeitraum um gut 3 Prozent. Die Entwicklung des Außenhandels lässt sich daher nur in geringem Umfang auf etwaige Sonderzölle zurückführen, sondern sie wirft ein Licht auf die unterschiedlichen politischen Systeme beider Länder.

So kommen im Handelskonflikt zwischen den USA und China allmählich die stark unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten der jeweiligen Staatsführung zum Tragen. So gingen die chinesischen Ausfuhren in die USA im Gesamtjahr 2018 um 11,3 Prozent nach oben, obwohl der US-Präsident genau dieses verhindern wollte.

Das Defizit der USA im Handel mit China dürfte daher nach Schätzungen der GTAI auf Basis der ersten elf Monate 2018 nicht nur nicht geschrumpft sein, sondern es stieg im Gegenteil im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent auf ein neues Allzeithoch von circa 440 Milliarden US$. Dies jedenfalls legen aktuelle Außenhandelszahlen des US-amerikanischen Department of Commerce (DoC) nahe.

Entgegen aller Beteuerungen gehört China zu den großen Protektionisten im Welthandel. Die berechtigten Vorwürfe westlicher Geschäftspartner - wie nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Behinderung des Marktzugangs, Nichtbeachtung der Rechte an geistigem Eigentum, Benachteiligung ausländischer Anbieter bei Öffentlichen Ausschreibungen - all dies prallt an der chinesischen Führung einfach ab.

Präsident Xi Jinping hat ökonomisch und politisch freie Hand

Dabei liegt der chinesische Vorteil auf der Hand: China ist eine gelenkte Staatswirtschaft, und Präsident Xi Jinping kann eben nicht nur die ökonomischen Handlungen der staatseigenen Betriebe bestimmen, sondern sein Einfluss reicht sehr viel weiter. Andernfalls ließe sich ein Rückgang der Importe aus den USA um 41 Prozent im Januar 2019 nicht erklären.

Denn mehr als 40 Prozent der gesamten chinesischen Einfuhren aus aller Welt entfallen auf Firmen mit ausländischem Kapital in Form von 100-prozentigen Töchtern (31 Prozent) oder Joint Ventures (12 Prozent). Weitere 29 Prozent stellen chinesische Privatfirmen. Staatsbetriebe dagegen halten nur einen Anteil von 26 Prozent.

Mit anderen Worten: Der politische Druck der chinesischen Führung, der bei Staatsunternehmen ohnehin offensichtlich ist, erfasst in umfassender Weise auch Firmen mit ausländischer Beteiligung sowie chinesische Unternehmen in Privatbesitz. Dieser wirtschaftspolitischen Einflussnahme der Kommunistischen Partei kann die US-Administration wenig entgegensetzen, da westliche Firmen in der Regel eigene Interessen verfolgen und eben nicht zur Unterstützung politischer und oder ökonomischer Ziele herangezogen werden können. (S.G.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China, USA Wirtschaftspolitik, allgemein, Außenhandel / Struktur, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen, Außenwirtschaftspolitik, allgemein

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