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Wirtschaftsumfeld | Afghanistan | FDI

Geschäftsklima stark eingetrübt

Die Wirtschaftsaussichten in Afghanistan verdunkeln sich. Das Land muss dringend bessere Rahmenbedingungen für ausländische Direktinvestitionen schaffen. 

Von Heena Nazir | Dubai

Afghanistan ist bei seiner wirtschaftlichen Entwicklung stark auf ausländische Investitionen angewiesen. Allerdings setzt zunehmendes Engagement in- und ausländischer Unternehmen die Schaffung stabiler Staatsführung und rechtlicher Rahmenbedingungen voraus. Das Land steht angesichts zunehmender politischer Unwägbarkeiten, sinkender internationaler Finanzhilfen und einer anhaltend unübersichtlichen Sicherheitslage vor gewaltigen Herausforderungen. Zwischen 2014 und 2019 gab es nach Angaben der Weltbank mehr als 10.000 zivile Opfer pro Jahr.

Es gibt nur wenige ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI). Im Jahr 2005 erreichten die FDI-Nettozuflüsse einen Höhepunkt mit 271 Millionen US-Dollar (US$), flachten danach stark ab, stiegen in den Jahren 2010, 2015 und 2018 wieder an, blieben aber immer unter dem Niveau von 2005 und lagen im Jahr 2019 bei circa 23 Millionen US$, meldet die Weltbank.

Die geringe wirtschaftliche Attraktivität auf die Sicherheitsfrage zu reduzieren, wäre jedoch zu eindimensional. Der jährliche von der zur Weltbank gehörenden International Finance Corporation (IFC) erstellte „Ease of Doing Business“-Report berücksichtigt unter seinen zehn Kriterien die Sicherheitslage nicht und stellt dennoch Afghanistan ein wenig erfreuliches Zeugnis aus. Von den insgesamt 190 untersuchten Ländern landet das Land am Hindukusch im Jahr 2020 hinter dem Irak auf Position 173 (2010: 165).

Bürokratische und andere Hindernisse

Der IFC-Bericht bestätigt lediglich, dass eine Unternehmensgründung in der Islamischen Republik relativ einfach ist (Rang 52 von 190) und der Umgang mit Insolvenzen (Rang 76) nur mittelschwer. In allen anderen untersuchten Kategorien sieht es dagegen düster aus, insbesondere bei den Kriterien Genehmigung von Bauanträgen (Platz 183), Durchsetzung vertraglicher Rechte (Platz 181) Steuererhebung (Platz 178) und grenzüberschreitender Handel (Platz 177). Wenig besser ist die Situation beim Investitionsschutz (Platz 140) und bei der Vergabe von Krediten (Platz 104).

Schwache Institutionen und Eigentumsrechte schränken allerdings die finanzielle Inklusion und den Zugang zu Finanzmitteln ein, wobei die Kreditvergabe an den Privatsektor nur drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, bemängelten Geschäftsführer von Unternehmen in Interviews mit Germany Trade und Invest. Weiterhin wiesen sie auf die noch immer unzureichende Stromversorgung hin.

Das Land am Hindukusch ist auf Energieimporte aus Nachbarländern angewiesen, um seinen Binnenbedarf zu decken. Trotz erheblicher Fortschritte seit 2002 haben nur etwa 34 Prozent der Bevölkerung Zugang zu netzgekoppeltem Strom (grid-connected electricity). Mehrere Energieprojekte, finanziert von internationalen Gebern, sind geplant, um die Stromversorgung und -Verteilung zu verbessern. Der größte Investor im Bereich der Energieversorgung ist die Asiatische Entwicklungsbank (ADB). Sie unterstützt den Bau von Übertragungsleitungen und von Umspannwerken sowie von Solarprojekten.

Ein äußerst umstrittenes Thema ist die Korruption. Im „Corruption Perception Index 2020“ von Transparency International befindet sich Afghanistan auf der Position 165 von 180 Ländern. Das Land liegt damit noch hinter dem Irak (160), Nicaragua (159) und Simbabwe (157) aber noch vor Syrien (178) und Somalia (179). 

Entwicklungsvorhaben bieten Chancen

Trotz der langen Liste von Hindernissen und Risiken sollten interessierte Unternehmen einen Blick auf mögliche Geschäftschancen werfen. Dabei ist vorrangig an die vielen international geförderten Entwicklungsvorhaben zu denken. Aber ohne ausreichende Erfahrungen mit der Durchführung vergleichbarer Projekte unter ähnlich schwierigen Bedingungen sollte man „die Finger davon lassen“, so ein Experte.

Der Bergbau ist in Afghanistan der wichtigste Hoffnungsträger. Das Land verfügt über sehr reiche Bodenschätze und sucht Investoren. In 27 identifizierten Lagerstätten vermutet die afghanische Regierung abbaufähige Mineralien im Wert von 3 Billionen US$. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass diese Schätzung sich nur auf 30 Prozent der Fläche des Landes beziehe, die Potenziale hinsichtlich der restlichen 70 Prozent sind noch immer unerschlossen.

Ausgewählte Projekte in Afghanistan

Projektbezeichnung

Sektor

Information

Central Asia-South Asia Railway Project

Transport und Logistik

Bei der Weltbankgruppe wurde ein Zuschuss in Höhe von 100 Mio. US$ beantragt.

Resilient Landscapes Management Project

Wasser und Umwelt

Die Regierung Afghanistans beantragte bei der Weltbankgruppe eine Beihilfe in Höhe von 100 Mio. US$.

Verbesserung der Lebensbedingungen für Vertriebene, Phase 2

Beratung Öffentlicher Sektor

Im Rahmen der deutschen Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) mit Afghanistan prüft die Bundesregierung die Unterstützung eines Sozialsektorvorhabens; Der geplante FZ-Beitrag liegt bei 15 Mio. Euro

COVID-19 Vaccine Support Project under the Asia Pacific Vaccine Access Facility

Gesundheitssektor

Mit einer Förderung in Höhe von 50 Mio. US$ unterstützt die Asiatische Entwicklungsbank ein Projekt im Kontext der Covid-19-Pandemie.

TAPI Gas Pipeline Project (Phase 1)

Energie

Für ein Energieprojekt in Turkmenistan, Afghanistan, Indien und Pakistan wurde bei der Asiatischen Entwicklungsbank eine Zuwendung in Höhe von 116 Mio. US$ beantragt.

Panj–Amu River Basin Sector Project

Wasser und Umwelt

Mit einer Finanzspritze in Höhe von 18,3 Mio. US$ unterstützt die Asiatische Entwicklungsbank ein bereits laufendes Agrarsektorvorhaben.

Citizens' Charter Afghanistan Project - Second Additional Financing

Beratung Öffentlicher Sektor

Mit einem zusätzlichen Zuschuss in Höhe von 35 Mio. US$ unterstützt die Weltbankgruppe ein bereits laufendes Infrastrukturvorhaben in Afghanistan.

Quelle: GTAI, Asian Development Bank, Weltbank

Die Aufbauprogramme schreiben unter anderem vielfältige Beratungsleistungen aus, auf die sich ausländische Firmen bewerben können. Germany Trade & Invest stellt Projektfrühinformationen über geplante Investitions- und Entwicklungsvorhaben der wichtigen Geber sowie staatlicher und halbstaatlicher Stellen bereit.

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