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Bericht Wirtschaftsumfeld Afrika Banken, Kreditinstitute

Geschäftsbanken und deutsche Firmen in Afrika

Deutsche Banken sind in Afrika kaum operativ tätig, wickeln aber einen erheblichen Anteil der kurz- und langfristigen deutschen Exportfinanzierungen ab.

Von Ulrich Binkert | Bonn

Finanzierungsengpässe gelten als ein Grund dafür, warum das deutsche Afrikageschäft so schleppend in Gang kommt. Kritik gibt es immer wieder auch an deutschen kommerziellen Banken, die Geschäfte mit oder in Afrika zu wenig unterstützen würden.

Devisenmangel behindert Lieferfinanzierung am meisten

Der überwiegende Teil der deutschen Firmen im Geschäft mit Afrika will dorthin exportieren. Potenzielle Kunden können jedoch oft nicht zahlen oder eine Finanzierung absichern. „Das Hauptproblem bei Einfuhrfinanzierungen in Afrika liegt im Devisenmangel vieler afrikanischer Länder sowie an mangelnden Möglichkeiten von Devisen-Termingeschäften, um das Fremdwährungsrisiko abzusichern“, sagt dazu Christian Toben, Regionaler Leiter Afrika bei der Commerzbank in Frankfurt.

Als Folge davon bekommt zum Beispiel der äthiopische Textilhersteller von seiner Hausbank kein Akkreditiv für den Import einer Maschine aus Deutschland eröffnet: Seine Bank hat nicht genug Devisen für eine Dollar-/Euro-Überweisung nach Deutschland oder besitzt seitens der Behörden gar keine Erlaubnis dafür. Ohne diese Zahlungsverpflichtung seitens des Kunden jedoch liefert der deutsche Hersteller nicht - und das Geschäft kommt nicht zustande.

Devisen sind in etlichen afrikanischen Ländern knapp. Äthiopien mit seinem riesigen Loch in der Leistungsbilanz ist dafür nur ein, wenn auch extremes Beispiel. Mangelhaften Zugang zu ausländischer Währung gibt es aber selbst in Nigeria, Angola sowie anderen Öl- und Gasexportländern, speziell seitdem die Ölpreise gesunken sind.

Chinesen wickeln Lieferungen über ausländische Banken ab

An einer mangelhaften Betreuung durch deutsche Banken liegen Misserfolge kaum, geben Bankenvertreter zu verstehen, wie das Beispiel Äthiopien zeigt. Dort gilt die Commerzbank, nach der US-amerikanischen Citibank, als einer der führenden Außenhandelsabwickler. Dabei erreicht Deutschlands Lieferanteil an Äthiopiens Importen gerade einmal gut 2 Prozent, der Chinas hingegen ein Viertel. Trotzdem wickeln chinesische Banken geschätzt nur 5 Prozent aller Akkreditive in Äthiopiens Importgeschäft ab. Offenkundig nutzen chinesische Lieferanten zur Zahlungsabwicklung also auch nichtchinesische, darunter auch deutsche Banken.

Insofern helfen auch Euler Hermes und andere staatliche Exportkreditversicherungen (ECA) nur bedingt. Es fehlt schlichtweg an Geschäft, das sich absichern ließe. Kommt es tatsächlich zu ECA-gedeckten Transaktionen, so sind deutsche Lieferanten nach wie vor eher schwach vertreten. Die Commerzbank zum Beispiel kooperiert außer mit der deutschen Euler Hermes auch mit rund 20 anderen nationalen ECAs. Diese nichtdeutschen ECAs zeigen insgesamt eher mehr Nachfrage bezüglich Afrika-Transaktionen als Euler Hermes. Wobei Commerzbank-Vertreter betonen, sie würden bei Lieferungen nach Afrika gerne stärker mit deutschen Unternehmen zusammenarbeiten, herbei zeige sich ein positiver Trend.

Exportkreditversicherung greift selten

Auch wenn theoretisch für eine Vielzahl von Lieferungen aus Deutschland eine Euler Hermes-Absicherung möglich ist, kommt es tatsächlich oft nicht so weit. Bei geringen Exportbeträgen wie im Falle einer Verpackungslinie oder auch zwei Mähdreschern ist dafür schlicht der Aufwand zu groß. Für solche „Small Tickets“ empfehlen deutsche Geschäftsbanken ihren Kunden üblicherweise eine andere Lösung: Die AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft bietet für ausgewählte kleinere Exportgeschäfte von 1 Million bis 10 Millionen Euro eine langfristige Exportfinanzierung mit ECA-Deckung.

Diese Abdeckung bietet die AKA laut Firmenwebseite jedoch nur für gut 60 Länder mit einer Hermes-Risikoeinstufung eins bis fünf von insgesamt sieben Stufen. In Afrika kommen für eine AKA-Finanzierung demnach zur Zeit lediglich sechs Länder in Betracht: Botsuana, Marokko und Mauritius (jeweils Stufe 3), Südafrika (4) sowie Ägypten und Algerien (5).

In letzter Zeit sind ECA-Finanzierungen für Afrika dem Vernehmen nach relativ stark gefragt. Als ein Grund gilt die größere Diskretion dieser Geschäfte etwa im Vergleich zu einer Ausgabe von Schuldscheinen. Bei solchen Bond-Finanzierungen werden schon kleine Anpassungen wie ein Zahlungsaufschub publik, mit entsprechend negativer Einschätzung durch den Kapitalmarkt. Weil Finanzierungen wegen der Corona-Pandemie zudem allgemein teurer geworden sind, werden ECA-Transaktionen – relativ gesehen – wieder konkurrenzfähiger.

Deutsche Banken kaum operativ in Afrika

Deutsche Unternehmen können in Afrika auf keine starke „deutsche“ Infrastruktur von Geschäftsbanken zurückgreifen. Deutsche Geschäftsbanken betreiben im Wesentlichen Repräsentanzen, welche die Situation vor Ort einschätzen und für ein Netzwerk im Land hilfreich sein können. Die Commerzbank betreibt sechs davon, die Deutsche Bank zwei plus eine größere Niederlassung in Südafrika, die dort Firmenangaben zufolge sämtliche Bankdienstleistungen außer Retail Banking anbietet. Operativ tätig sind Branchenangaben zufolge unter anderem die französischen Banken Société Générale und BNP Paribas, vor allem im frankofonen Afrika. Als andere wichtige westliche Banken auf dem Kontinent taxieren Branchenvertreter die britische Standard Chartered und die Citibank aus den USA.

Andere internationale Branchenschwergewichte wie Barclays hingegen hätten sich aus dem operativen Geschäft in Afrika zurückgezogen. Bestimmend seien regionale Banken vom Kontinent selbst. Als die „zehn größten Banken Afrikas“ listete zum Beispiel die FintechTimes im August 2020 fünf Institute aus Südafrika, je zwei aus Marokko und Ägypten und eine Bank aus Nigeria, mit der südafrikanischen Standard Bank an der Spitze.

Regionale afrikanische Banken marktführend

Gerade marokkanische Banken haben ihr Geschäft in den letzten Jahren auf andere Länder Afrikas ausgedehnt. Die als führende Bank Marokkos geltende Attijariwafa Bank etwa reklamiert für sich das „ausgedehnteste Filialnetzt in Afrika“, mit „4.300 Filialen in 15 afrikanischen Ländern“. Aber auch Institute aus Südafrika und Nigeria sind teilweise in über 20 Ländern operativ tätig. Auch ägyptische Banken fangen langsam an, speziell den ostafrikanischen Markt für sich zu entdecken.

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