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Startschuss für Offshore-Windkraft in Australien

Australien steht vor einer großen Investitionswelle im Bereich Offshore-Windkraft. 17 Vorhaben sind bereits geplant. Viele weitere dürften folgen.

Von Heiko Stumpf | Sydney

Auslöser für die Investitionswelle ist eine neue Gesetzgebung namens Offshore Electricity Infrastructure Bill, die Ende November 2021 vom Parlament in Canberra verabschiedet wurde. Diese schafft erstmals einen verbindlichen und verlässlichen Rechtsrahmen für den Bau von Windturbinen auf hoher See.

Erfasst werden geplante Anlagen, die mindestens drei nautische Meilen vom Festland entfernt liegen. Küstennähere Gebiete fallen in Australien unter die Jurisdiktion der einzelnen Bundesstaaten.

Für insgesamt 17 Vorhaben mit einer Erzeugungsleistung von rund 23 Gigawatt laufen bereits die Planungen. Dabei konzentrieren sich 14 Vorhaben auf die Ostküste des Landes.

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Windkraftentwickler finden beste Bedingungen vor

Zahlreiche weitere Projekte dürften in den kommenden Jahren folgen, denn die Bedingungen für Offshore-Windkraft in Down Under sind ausgezeichnet. In der windreichen Bass-Strait-Meerenge zwischen dem australischen Festland und der weiter südlich gelegenen Insel Tasmanien betragen die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten beispielsweise 9 bis 10 Meter pro Sekunde. Auch die Bundesstaaten New South Wales und Western Australia verfügen über hervorragende Standorte.

Nach einer Studie des Blue Economy Cooperative Research Center beläuft sich das gesamte technisch erschließbare Windkraftpotential vor der australischen Küste auf insgesamt etwa 2.200 Gigawatt.

Hinzu kommt die sehr gute Qualität vieler Standorte dank hoher Kapazitätsfaktoren. Der Kapazitätsfaktor beschreibt, wie häufig eine Anlage nach den örtlichen Windbedingungen mit voller Leistung betrieben werden kann.

In der Bass-Strait-Meerenge liegt der Kapazitätsfaktor im Bereich von 55 bis 65 Prozent. Dies kann leicht mit den Topstandorten in der Nordsee mithalten. Südlich von Tasmanien sind sogar Kapazitätsfaktoren von bis zu 85 Prozent möglich.

Stromproduktion in unmittelbarer Nähe der Verbrauchszentren

Am weitesten fortgeschritten sind die Planungen für den Star of the South Windpark in Victoria. Mit einer geplanten Leistung von 2,2 Gigawatt ist dieser auch das derzeit größte Offshore-Windprojekt Australiens. Hinter dem Vorhaben steht der bekannte Infrastrukturfonds Copenhagen Infrastructure Partners, welcher bereits 2025 mit dem Bau beginnen könnte.

Die Entwickler wollen sich einen entscheidenden Vorteil Australiens zu Nutze machen. Rund 80 Prozent der Bevölkerung lebt an der Ostküste des Landes. Anders als beispielsweise in Deutschland muss Offshore-Windenergie nicht erst über weite Strecken ins Landesinnere transportiert werden.

Das Projekt Star of the South benötigt lediglich eine 75 Kilometer lange Stromleitung vom Küstenort Reeves Beach in das Latrope Valley. Dort befinden sich große Kohlekraftwerke wie beispielsweise das Kraftwerk Yallourn (1,5 Gigawatt), das 2028 vom Netz genommen wird. Der Windstrom kann dadurch leicht in das gut ausgebaute Übertragungsnetz gespeist werden, welches direkt nach Melbourne führt.

Auch andere Unternehmen setzen auf die Nähe zu bestehender Infrastruktur und großen Verbrauchszentren. Für die geplante Spinifax Offshore Wind Farm schloss Alinta Energy bereits einen Stromabnahmevertrag mit der Portland-Aluminiumhütte. Diese ist mit einem Anteil von 10 Prozent der größte Stromverbraucher im Bundesstaat Victoria. Die Windturbinen entstehen in einer Entfernung von nur 10 Kilometern zur Aluminiumanlage. Im Bundesstaat New South Wales konzentrieren sich geplante Offshore-Windprojekte in der Nähe von industriellen Zentren wie Newcastle oder Wollongong.

Betreiber setzen auf innovative Floating-Technologie

Nicht immer sind die Voraussetzungen so ideal wie in Bezug auf die Windbedingungen. Entlang der rund 34.000 Kilometer langen Küste Australiens fällt der Meeresboden an vielen Stellen recht steil ab. Die Wassertiefe übersteigt an den geplanten Standorten für Offshore-Windenergie deshalb häufig 60 Meter.

Für konventionelle Windturbinen mit fest im Meeresboden verankerten Fundamenten sind diese Bedingungen ungeeignet. Mehrere Entwickler setzen deshalb auf schwimmende Fundamente (Floating Offshore Wind Energy).

Zu den in Down Under aktiven Floating-Pionieren zählt das Unternehmen Flotation Energy mit seinem Seadragon-Projekt (1,5 Giagwatt). Die spanische BlueFloat Energy verfolgt drei schwimmende Windparks mit einer Gesamtleistung von 4,3 Gigawatt. Im Jahresverlauf 2022 will das Unternehmen weitere Projekte vorstellen. Auch Oceanex Energy setzt bei seinen vier Projekten an der Ostküste auf die Floating-Technologie.

Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie zeigen Interesse

Bereits fest etabliert in den australischen Gewässern ist die Öl- und Gasindustrie. Dabei gibt es Überlegungen, bereits vorhandene Infrastruktur für die Offshore-Windenergie zu nutzen.

Diesen Ansatz verfolgen beispielsweise Pilot Energy und Triangle Energy mit dem Cliff Head Wind Project an der australischen Westküste. Bestehende Offshore-Plattformen könnten beispielsweise als Umspannwerke genutzt werden. Auch in der Bass-Strait-Meerenge gibt es zahlreiche Öl- und Gasplattformen, die in den kommenden Jahren außer Betrieb gehen. 

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Energiewende schreitet voran

Beim Umbau des australischen Stromnetzes könnte Offshore-Windenergie eine wichtige Rolle spielen. Nach Erwartung des Australian Energy Market Operator (AEMO), welcher mit dem National Electricity Market (NEM) das Stromnetz an der Ostküste betreibt, dürften die derzeit installierten Kohlekapazitäten von 23 Gigawatt bis 2040 fast vollständig von Netz gehen.

Um diese zu ersetzen und die Elektrifizierung voranzutreiben, müssen regenerative Erzeugungskapazitäten von mindestens 90 Gigawatt zugebaut werden. Die derzeit installierte Leistung für Windkraft im NEM beläuft sich auf 9,3 Gigawatt. Dabei handelt es sich ausschließlich um Onshore-Anlagen.

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