Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Wirtschaftsumfeld | Lateinamerika | Nachhaltigkeit

Neue Standards für mehr Nachhaltigkeit in Lateinamerika

Die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank hat neue Umwelt- und Sozialstandards verabschiedet. Was bedeutet das für die Projekte der Bank?

Von Martin Walter | Bonn

Das Exekutivdirektorium der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank (IDB) hat Ende 2020 ein neues Regelwerk für Umwelt- und Sozialpolitik verabschiedet. Für die Bank, ihre Kreditnehmer und die Durchführungsorganisationen von IDB-finanzierten Projekten gelten diese neuen Standards während der gesamten Dauer eines Projekts.

Entwicklungsbanken verpflichten sich zu mehr Nachhaltigkeit

Moderne Umwelt- und Sozialstandards werden für Entwicklungsbanken immer wichtiger. Ihre Anteilseigner haben sich im Rahmen der Vereinten Nationen auf die Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG) und das Pariser Klimaschutzabkommen geeinigt. Somit sind die Entwicklungsbanken als öffentliche Akteure diesen Zielen verpflichtet und haben mit ihren milliardenschweren Investitionen großen Einfluss auf ihre Erreichung.   

Aus diesem Grund haben 450 Entwicklungsbanken Ende 2020 auf dem „Finance in Common“-Gipfel in Paris eine Erklärung zu gemeinsamen Nachhaltigkeitsprinzipien verkündet. Immer mehr Projekte von Entwicklungsbanken berücksichtigen diese Anforderungen.

Nachhaltigkeit: Lateinamerika und die Karibik machen Fortschritte

Die Länder Lateinamerikas und der Karibik haben in den letzten zwanzig Jahren wichtige Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit ergriffen. Dazu gehört die Übernahme der Äquator-Prinzipien durch die wichtigsten öffentlichen und privaten Finanzinstitutionen der Region. Sie sind ein freiwilliges Regelwerk von Banken zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei der Projektfinanzierung. Auch die Übernahme moderner Arbeitsstandards in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gehört dazu. Ferner hat die Region den ersten Umwelt-Menschenrechtsvertrag (Escazú-Abkommen) geschlossen. Er hat bereits genügend Ratifizierungen erhalten und soll 2021 in Kraft treten. Auch die im Februar 2021 verabschiedete Bridgetown-Erklärung aller Umweltminister der Region schreibt dem Umweltschutz eine zentrale Rolle für die Zeit nach Covid-19 zu.

Als Lieferant hauptsächlich von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen bleiben in Lateinamerika jedoch große Herausforderungen unter anderem beim Umweltschutz und dem Erhalt biologischer Vielfalt bestehen. Die aktuellen Verluste von Tropenwald im Amazonasgebiet durch Brandrohdung zeigen, wie wichtig verbindliche Standards und deren Einhaltung für die weitere nachhaltige Entwicklung der Region sind.

Neue IDB-Standards fördern eine nachhaltige Entwicklung

Die neuen Bestimmungen der IDB spiegeln die gemachten Fortschritte wider und reagieren auf die aktuellen Herausforderungen. Sie lösen die bisherigen IDB-Richtlinien ab, die vor mehr als 15 Jahren entwickelt wurden. Die neuen Regeln setzen in mehreren Bereichen ehrgeizige neue Standards und bieten IDB-Kunden einen modernen Referenzrahmen zur Behandlung von Umwelt- und Sozialfragen, der mit den wichtigsten internationalen Konventionen und Instrumenten übereinstimmt.

Das neue Regelwerk besteht aus einem Grundsatzpapier und zehn Leistungsstandards. Die Standards verpflichten die Bank dazu, bei ihren Projekten bessere ökologische und soziale Wirkungen zu erzielen und gleichzeitig die Risiken und negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu minimieren. Die Achtung der Menschenrechte steht im Mittelpunkt des Umwelt- und Sozialrisikomanagements. Weitere Standards umfassen die Gleichstellung der Geschlechter, Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen sowie den Schutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Bei Projekten in indigenen Schutzgebieten ist eine vorherige und informierte Zustimmung dieser Völker nötig. Ferner berücksichtigen die neuen Standards auch Menschen afrikanischer Abstammung sowie Menschen mit Behinderungen. Darüber hinaus befassen sich die Leistungsstandards bereits mit Risiken im Zusammenhang mit Epidemien und Pandemien.

Durchführungsorganisationen von IDB-finanzierten Projekten wie beispielsweise nationale Behörden oder Stadtverwaltungen müssen einen routinemäßigen Beschwerdemechanismus anbieten. So soll für eine transparente Beteiligung und Einbindung von Stakeholdern bei den Projekten gesorgt werden.

Eine Ausschlussliste (lista de exclusión) benennt Aktivitäten, welche die Bank nicht finanzieren wird, weil sie sich negativ auf Mensch und Umwelt auswirken könnten oder mit Herausforderungen des Klimawandels unvereinbar sind. Dazu gehören beispielsweise thermischer Kohlebergbau oder kohlebefeuerte Stromerzeugung, Erdölexploration und Erdölentwicklungsprojekte sowie Gasexploration und Gasentwicklungsprojekte. Bei entsprechender CO²-Kompensation gibt es jedoch Ausnahmen.

Die neuen Bestimmungen treten nach einem Anpassungszeitraum in Kraft

Während des Übergangszeitraums von einem Jahr unterstützt die IDB ihre Kunden bei der Vorbereitung auf die Umsetzung und Einhaltung des neuen Regelwerkes. Am Ende dieses Zeitraums, voraussichtlich Ende 2021, werden die neuen Umwelt- und Sozialstandards (Marco de Política Ambiental y Social, MPAS) für die Vorbereitung und Durchführung aller neuen IDB-finanzierten Operationen gelten. Dazu gehören Investitionsdarlehen, nicht rückzahlbare Mittel für Investitionen und Garantien sowie Darlehen zur Unterstützung von politischen Reformen und technischer Zusammenarbeit. Die neuen Standards legen die Verantwortlichkeiten und Anforderungen der IDB und des Kreditnehmers fest, die während der Dauer eines Projekts erfüllt werden müssen.

Zur Einführung und Umsetzung der neuen Regeln hat die Bank einen entsprechenden Aktionsplan erarbeitet (Plan de Acción para la Integración transversal de la sostenibilidad ambiental y social 2021-2022).

Unternehmen, die sich auf Ausschreibungen der IDB bewerben, sollten sich frühzeitig mit den neuen Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards sowie den Finanzierungskriterien der Bank vertraut machen und diese bei der Angebotsabgabe entsprechend berücksichtigen.

Germany Trade & Invest (GTAI) informiert tagesaktuell über Projekt- und Ausschreibungsmeldungen der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank.

nach oben
Feedback

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.