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Wirtschaftsumfeld | Estland | Start-ups

Start-ups wachsen sehr schnell

Das 1. Halbjahr 2021 war für die jungen Unternehmen in Estland ein Erfolg: Gerade oder trotz Corona konnten sie ihre Umsätze sowie die Zahl der Arbeitsplätze deutlich erhöhen.

Von Barbara Kussel | Bonn

Die Umsätze der estnischen Start-ups sind im 1. Halbjahr 2021 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 49 Prozent auf 558 Millionen Euro gestiegen. Das schreibt die Regierungsinitiative Startup Estonia in ihrem jüngsten Halbjahresbericht. Mit dieser Entwicklung setzt die Branche in Coronazeiten ihren starken Wachstumskurs fort. Bereits im Jahr 2020 waren die Erlöse der jungen Unternehmen um 43 Prozent auf 782 Millionen Euro in die Höhe geschnellt.

Zu den Start-ups mit den höchsten Umsätzen im Berichtszeitraum gehören Bolt mit 279,5 Millionen Euro, die Online-Werbeplattform Adcash mit 17,5 Millionen Euro und Paxful mit 13,7 Millionen Euro. Paxful bezeichnet sich als eine führende Peer-to-Peer-Finanzplattform für den Handel mit Kryptowährungen. Bolt bietet über eine App Mietfahrzeuge, E-Scooter-Verleih, Mikromobilität, Carsharing und Lieferdienstleistungen an. Die größten Sparten, in denen sich estnische Start-ups engagieren, sind Finanztechnologie, Unternehmenssoftware und -dienstleistungen sowie Transport und Logistik.

Selbstfahrendes wasserstoffbetriebenes Fahrzeug entwickelt

Jüngstes Beispiel für die Innovationskraft der Gründer im Land ist die Firma Auve Tech, die bereits auf der IAA Mobility, der Messe für die Zukunft der Mobilität, die am 7. September 2021 ihre Pforten in München öffnet, vertreten sein wird. Bereits im Vorfeld der weltgrößten Automobilmesse konnte das Start-up am 5. Juli 2021 das nach eigenen Angaben erste wasserstoffbetriebene selbstfahrende Fahrzeug der Welt in der estnischen Stadt Tartu vorstellen.

Der kleine Shuttlebus „für die letzte Meile“ ist in Zusammenarbeit mit der dortigen Universität entwickelt worden. Der Antrieb erfolgt durch Niedrigtemperatur-Wasserstoffzellen, die die Energie aus Wasserstoff direkt im autonomen Bus erzeugen. Der Bus verbinde zwei vielversprechende Zukunftstechnologien, er zeige auch, dass Estland viele Dinge wagt, sagte die erste Passagierin, Staatspräsidentin Kersti Kaljulaid, mit Blick auf das hohe unternehmerische Risiko.

Zahl der Mitarbeiter legt kräftig zu

Auve Tech, 2017 gegründet, zählte zur Jahresmitte 35 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigten die Start-ups im 1. Halbjahr 2021 knapp 6.940 Menschen, 11 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2020, berichtet Maksu- ja Tolliamet (MTA), die Steuerbehörde des Landes, die zum Finanzministerium gehört. Rechnet man auch die Mitarbeiter hinzu, die zumindest einen Tag für ein Start-up gearbeitet haben, dann ist jeder 87. Arbeitnehmer in Estland im Umfeld von jungen Unternehmen beschäftigt, rechnet das nationale Statistikamt Statistics Estonia vor.

Die größten Arbeitgeber der Branche waren Mitte 2021 Wise mit 1079 Beschäftigten und 150 Neueinstellungen im 1. Halbjahr und Bolt mit 818 Angestellten und 134 neuen Mitarbeitern. Wise ist ein Finanzdienstleister, der bis Anfang des Jahres noch unter Transferwise firmierte.

Die Mitarbeiter der Branche sind jung, 46 Prozent haben maximal ihren 30. Geburtstag gefeiert, weitere 41 Prozent sind zwischen 31 und 40 Jahre alt. Sie werden auch gut bezahlt: Im Berichtshalbjahr haben sie im Durchschnitt 2.685 Euro im Monat verdient; 11 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2021 und fast doppelt so viel wie der Durchschnitt im Land bekommt. Die höchsten Gehälter erzielen mit 3.457 Euro im Monat die 41- bis 50-Jährigen.

Innovative Angebote für Gründer

E-Estonia lockt Gründer aus aller Welt. Bereits 2014 hat der baltische Staat als erstes Land der Welt die E-Residency ermöglicht. Mit ihr können digitale Nomaden ihre Firma in Estland von überall auf der Welt managen, sie haben Zugriff auf Behördendienstleistungen, selbst die Gründung des Unternehmens kann online erfolgen. Um Investoren und Start-ups zusammenzubringen, haben Invest in Estonia und Startup Estonia ein Unicorn matching tool entwickelt, das entsprechende Informationen über die Branchenunternehmen bereitstellt.

Und für Gründer, die nicht aus der Europäischen Union (EU) kommen, gibt es das Programm „Estonian Startup Visa“. Interessenten bewerben sich mit ihrer Geschäftsidee, die von einem Start-up Commitee geprüft wird. Geht der Antrag durch, ist es möglich, ein Start-up Visum oder einen zeitlich begrenzten Aufenthaltstitel zu beantragen. Diese können den Nicht EU-Gründern zum Beispiel den Zugang zu Kapitalgebern erleichtern. Startup Estonia schätzt, dass rund 20 Prozent der neuen Unternehmen dieses Programm genutzt haben. Im 1. Halbjahr 2021 kamen die Gründer vor allem aus Russland, Iran und Belarus.

In Estland, das gerade einmal 1,3 Millionen Einwohner hat, hatten Mitte des Jahres 1.216 Start-ups ihren Firmensitz, 112 mehr als zum Jahreswechsel. Gleichzeitig zählt das Land die meisten Unicorns je Einwohner in der Welt.

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