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Hongkong erhöht kräftig die Kfz-Steuern

Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden deutlich teurer. Im Gegenzug steigen die Steuervorteile für Elektroautos leicht. Doch bringt dies noch lange nicht die Verkehrswende.

Von Roland Rohde | Hongkong

Die Anzahl der auf Hongkongs Straßen fahrenden Kraftfahrzeuge (Kfz) steigt von Jahr zu Jahr. Alleine zwischen 2015 und 2020 legte die Anzahl der registrierten privaten Personenkraftwagen (Pkw) nach Angaben des lokalen Statistikamtes um 15 Prozent auf 650.000 Einheiten zu. Die Regierung zog daher Ende Februar 2021 die Notbremse und erhöhte kräftig die Kfz-Steuern.

Den größten Teil der steuerlichen Belastung macht für Autofahrer die sogenannte Neuzulassungssteuer aus, die bei der Erstanmeldung einmalig anfällt und progressiv berechnet wird. Sie führt dazu, dass Pkw der unteren Mittelklasse in Hongkong etwa so teuer sind wie in Deutschland. Die Sonderverwaltungsregion kennt nämlich weder Mehrwertsteuern noch Einfuhrzölle, sodass diese Entlastungen die Neuzulassungssteuer im untersten Preissegment weitgehend kompensieren. Oberklassewagen sind derweil fast doppelt so teuer.

Neuzulassungsteuer steigt auf bis zu 132 Prozent

Der bisherige Eingangssteuersatz der Kfz-Neuzulassungssteuer wurde zum 24. Februar 2021 von 40 Prozent auf 46 Prozent (gemessen am Bruttopreis) angehoben. Der Spitzensteuersatz legte von 115 Prozent auf 132 Prozent zu. Für reine Elektroautos wird die Neuzulassungssteuer analog an der Höhe des Bruttopreises berechnet. Bei der Erstzulassung kann für Fahrzeuge mit Elektroantrieb jedoch unverändert eine Reduktion der entsprechenden Steuerlast von maximal 12.500 US-Dollar (US$) erfolgen.

Steuerrate für Neuzulassungen privater Pkw in Hongkong (Preisspanne in US$; Raten in Prozent des Bruttopreises)

Preisspanne

Urprüngliche Rate

Angepasste Rate*

Die ersten 19.230

40

46

Die nächsten 19.230

75

86

Die nächsten 25.640

100

115

Danach

115

132

*) Umstellung zur angepassten Steuerrate erfolgte zum 24.02.2021Quelle: Transport Department

Wer sein altes Auto mit Verbrennungsmotor verschrottet und stattdessen ein Elektroauto kauft, kann aber in den Genuss einer Steuererleichterung von nunmehr bis zu 36.860 US$ (bislang rund 32.000 US$) kommen. Dieses "Verschrottungsprogramm" wurde zudem bis zum 31. März 2024 verlängert. Es gelten relativ lockere Regeln. Das zu verschrottende Fahrzeug muss mindestens sechs Jahre alt sein und sich 18 Monate im Besitz des aktuellen Eigentümers, davon zehn Monate zugelassen, befunden haben.

Jährliche Kfz-Steuer steigt um rund 30 Prozent

Des Weiteren wurde die jährlich anfallende Kfz-Steuer zum 24. Februar 2021 um etwa 30 Prozent erhöht. Sie ist nach Hubraum gestaffelt und liegt für private Pkw mit Verbrennungsmotor nun zwischen rund 650 US$ und 2.130 US$ jährlich. Die entsprechenden Zahlungen für ein 2 Tonnen schweres Elektrofahrzeug liegen derweil bei nur gut 140 US$ pro Jahr.

Der Kauf und Betrieb eines Autos mit Verbrennungsmotor wird damit deutlich teurer. Der dämpfende Effekt auf die Nachfrage dürfte aber nach Einschätzung von Branchenanalysten begrenzt bleiben. Schließlich handelt es sich beim Autokauf angesichts eines hervorragenden und preiswerten, öffentlichen Personennahverkehrs um eine wenig preissensible Luxusanschaffung.

Die Maßnahmen dürften auch keinen Durchbruch für die Elektromobilität bringen. Im Jahr 2020 wurden nach Angaben des Transport Department gerade einmal knapp 500 private Pkw mit Elektroantrieb neu zugelassen. Das entsprach einem Marktanteil von 1,3 Prozent. Gefragt sind vor allem preiswerte Modelle von Hyundai, Nissan und Renault. Tesla hat hingegen den Höhepunkt seiner Beliebtheit überschritten.

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