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Italiens Augenoptikbranche zwischen Umsatzplus und US-Zolldruck

Der italienische Fachverband ANFAO rechnet 2026 mit einem leichten Produktionszuwachs. Im Vorjahr blieb der Inlandsmarkt robust. Die Exporte gingen erstmals seit Jahren zurück. 

Oliver Idem

Von Oliver Idem | Bonn

Die Präsidentin des Optik-Branchenverbands ANFAO, Lorraine Berton, beschreibt die Aussichten für 2026 als vorsichtig optimistisch. Dazu tragen zwei Faktoren bei. Der IWF erwartet ein globales Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent. Das italienische Bruttoinlandsprodukt soll um etwa 0,8 Prozent wachsen. 

Es erscheint jedoch wahrscheinlich, dass sich das Handelsumfeld mit den USA dauerhaft verschlechtert. Aufgrund des Exportanteils von 90 Prozent sind die Ausfuhren entscheidend für den Gesamttrend der italienischen Optikverkäufe.

Branche dominiert den Weltmarkt

Mit rund 5,6 Milliarden Euro produzierten Unternehmen in Italien 2025 etwa so viele Augenoptikprodukte wie im Vorjahr. Italien hält rund 70 Prozent Weltmarktanteil bei Luxus-, Sonnen- und Korrekturbrillen. Solche Brillen fertigen italienische Unternehmen auch in Lizenz für internationale Modelabels.

Durch die starke Weltmarktposition bildet Italiens Augenoptikbranche einen interessanten Absatzmarkt für deutsche Produktionstechnik und innovative Materialien. Der Trend zu Smart Glasses erweitert dabei das klassische Spektrum um optoelektronische Komponenten, Kameras und Audioelemente.

Der Export italienischer Augenoptik lag 2025 bei 5 Milliarden Euro und damit 3,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ausschlaggebend dafür war vor allem der Einbruch der Ausfuhren in die USA. Diese brachen um rund ein Viertel ein. 

Europäische Absatzmärkte konnten mit einer Zunahme um 8,1 Prozent keinen Ausgleich schaffen. Spanien und Deutschland ragten mit Zuwächsen von 12,1 beziehungsweise 8,7 Prozent aus den Zielmärkten positiv heraus.

Italienische Sonnenbrillen sind im Ausland beliebtin Millionen Euro
Warenbezeichnung (HS-Zolltarif)

Import 2025

Export 2025

Kontaktlinsen (90013)

307,9

40,0

Brillengläser aus Glas (90014)

25,3

38,9

Brillengläser aus anderem Material (90015)

252,6

96,8

Fassungen aus Kunststoffen (900311)

327,4

1.015,9

Fassungen aus anderem Material (900319)

255,6

524,4

Teile von Fassungen (90039)

155,6

84,7

Sonnenbrillen (90041)

701,4

3.037,9

Brillen (90049)

101,1

212,0

Quelle: Istat, Eurostat 2026

 

Der italienische Markt für Optikverkäufe im Fachhandel erreichte laut dem Marktforschungsinstitut NIQ/GfK in den ersten zehn Monaten 2025 ein Volumen von 3,1 Milliarden Euro. Mit einer Zunahme um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum setzte sich der moderate Wachstumstrend fort.

Wesentliche Treiber bleiben die alternde Bevölkerung, ein steigendes Gesundheitsbewusstsein und die Belastung der Augen durch längere Bildschirmzeiten.

Kontaktlinsen sind im Kommen

Die Marktdurchdringung von Kontaktlinsen nimmt in Italien zu. Mittlerweile ist das Land dem europäischen Dachverband Euromcontact zufolge nach dem Vereinigten Königreich der zweitgrößte Kontaktlinsenmarkt in Europa. Das Marktvolumen stieg neuesten Angaben von 2024 zufolge um 5,8 Prozent auf 289,4 Millionen Euro. Tageslinsen bildeten mit einem Zuwachs um 7,5 Prozent den entscheidenden Treiber.

Die "vier Schwestern" dominieren den Weltmarkt

Insgesamt umfasst Italiens Augenoptikproduktion laut dem Verband ANFAO etwa 800 Unternehmen mit knapp 23.000 Beschäftigten. Die Zeichen stehen auf Konsolidierung: In den vergangenen fünf Jahren schrumpfte die Anzahl der Hersteller um 50. Gleichzeitig stieg die Mitarbeiterzahl um 4.000. Branchenzentrum ist die Provinz Belluno in Venetien. Die wichtigsten Hersteller sind die "vier Schwestern" EssilorLuxottica, Safilo, De Rigo und Marcolin.

EssilorLuxottica erzielte 2025 einen Konzernumsatz von 28,5 Milliarden Euro. Das entsprach bei konstanten Wechselkursen einer Zunahme um 11,2 Prozent. Entscheidender Erfolgsfaktor waren gemeinsam mit Meta entwickelte KI-Brillen, die sich rund sieben Millionen Mal verkauften. Das bereinigte Betriebsergebnis lag bei 4,5 Milliarden Euro.

EssilorLuxottica produziert neben den Eigenmarken Ray-Ban und Oakley in Lizenz auch Brillen für Prada, Giorgio Armani und Dolce & Gabbana. Mit Google und Meta laufen Entwicklungsprojekte für Smart Glasses. 

Safilo aus Padua meldete für 2025 Nettoerlöse von 983,4 Millionen Euro. Das entsprach einem Rückgang um 1 Prozent zu laufenden Wechselkursen. Zu konstanten Wechselkursen stiegen die Nettoerlöse um 1,8 Prozent. Die wichtigsten Märkte blieben Europa mit 423,9 Millionen Euro und Nordamerika mit 417,6 Millionen Euro. Safilo fertigt sowohl Eigenmarken wie Carrera, David Beckham und Smith als auch Lizenzprodukte für Boss, Kate Spade und Tommy Hilfiger.

Marcolin wurde Ende 2025 von VSP Vision aus den USA übernommen. Zuvor hatte Marcolin 2024 mit einem Rückgang um 2,2 Prozent einen Umsatz von 545,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Kooperationen mit Adidas, Guess, Gant und Max Mara wurden verlängert. Zudem wurde das Lizenzportfolio um Rag & Bone erweitert. 

De Rigo verzeichnete 2025 einen Umsatzrückgang um 3,4 Prozent auf 520,1 Millionen Euro. Das Einzelhandelsgeschäft mit den Ketten General Optica, Mais Optica und Boots Opticians legte um 2,5 Prozent auf 266,6 Millionen Euro zu. Hingegen litt das Großhandelsgeschäft unter negativen Währungseffekten und einem Nachfragerückgang in Teilen Amerikas und des Nahen Ostens.  

Konzentration im Vertrieb

Die Distribution erfolgt über verschiedene Kanäle. Der stark vertikal integrierte Konzern EssilorLuxottica hat zahlreiche Optikerketten übernommen und baut den Vertrieb über eigene Niederlassungen aus.

Der Direktvertrieb sowie E-Commerce zählen zur Konzernsparte "Direct to Consumer". Der Großhandel mit Optikern, Distributoren und Drittplattformen gehört zum Segment "Professional Solutions".

Die größte Optikerkette Vision Group setzt auf Franchising mit zentraler Beschaffung und Logistik. Diesem Netzwerk gehören mehr als 2.700 Zentren an. Davon befinden sich 200 im direkten Besitz. Weitere 300 firmieren als Franchise unter der nationalen Marke VisionOttica. Rund 2.200 Optikzentren teilen sich in einer Einkaufsgemeinschaft eine digitale Plattform und eine zentralisierte Logistik.

Der Onlinehandel funktioniert in Italien laut Branchenexperten weiterhin bei Sonnenbrillen besonders gut. Bei Sehhilfen bevorzugen viele Konsumenten die persönliche Beratung und den gesicherten Service nach dem Kauf.

Das deutsche Unternehmen Fielmann musste die Expansion in Italien deutlich bremsen und schloss Anfang 2024 wegen anhaltender Verluste elf von 54 Standorten. Grundsätzlich setzt Fielmann weiter auf den italienischen Markt und schließt Neueröffnungen nicht aus. Die 2022 gestartete E-Commerce-Plattform des Unternehmens ist mittlerweile etabliert. 

Kontaktadressen
BezeichnungAnmerkung
ANFAOItalienischer Verband der Hersteller optischer Produkte
CertotticaItalienisches Institut für die Zertifizierung optischer Produkte
Assottica Gruppo ContattologiaVerband der wichtigsten Hersteller und Vertreiber von Kontaktlinsen und Pflegesystemen
FederotticaNationaler Verband der Augenoptiker 
Mido

Milano Eyewear Show

6. bis 8. Februar 2027, Messe Mailand (Fieramilano)

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2026