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Branchen | Japan | Fördertechnik, Hebezeuge

Fördertechnik wird immer effizienter

Japan setzt auf die Fördertechnik der nächsten Generation. Auch spezialisierte Lösungen aus dem Ausland kommen zum Einsatz.

Von Jürgen Maurer | Tokyo

Logistiksysteme der nächsten Generation funktionieren weitgehend automatisch. Der japanische Markt für solche Lösungen soll nach Covid-19 dynamisch wachsen. Die Coronapandemie und der bereits zuvor herrschende Arbeitskräftemangel haben die Notwendigkeit verdeutlicht, dass die Logistik in vielen Branchen automatisiert werden muss. Die Investitionen in entsprechende Hard- und Software werden daher steigen.

Laut Statistik des Japan Institute of Logistics Systems (JILS) ist der Absatz von Fördertechnik im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr in den meisten Segmenten zurückgegangen. Insbesondere das umfangreichste Segment der Logistiksysteme zeigte sich schwächer und sank gegenüber 2020 auf Basis der Landeswährung Yen um 5,6 Prozent. Wachstum verzeichnete hingegen das Segment Gabelstapler mit einem Plus von 1,4 Prozent.

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Autonome Gabelstapler im Anmarsch

Der weltweit führende Anbieter von Flurförderfahrzeugen, Toyota Industries, arbeitet an fahrerlosen Fördergeräten. Der Ableger Toyota Material Handling hat im September 2022 auf der Branchenmesse Logis-Tech seinen ersten vollautonomen Gabelstapler präsentiert. Dieser funktioniert über das Sensorsystem 3D-Lidar und kann Lkw automatisiert mit Paletten be- und entladen. Im Geschäftsjahr 2021 (1. April bis 31. März) meldete Toyota bei seinen Gabelstaplerverkäufen einen Umsatzzuwachs von 25,7 Prozent.

Ebenfalls im September 2022 hat der japanische Anlagenbauer Mitsubishi Heavy Industries (MHI) einen fahrerlosen Gabelstapler vorgestellt. Er bestimmt mit Hilfe von Laserstrahlen seine Position. Noch ist das Gerät auf die Beschickung von Regalen beschränkt. MHI tüftelt derzeit jedoch auch am autonomen Be- und Entladen von Lkw. Der Anlagenbauer hält in Japan bei Gabelstaplern einen Marktanteil von rund einem Drittel.

Lagerhäuser werden voll funktionsfähig angeboten

Der Bedarf an Fördertechnik wird hoch bleiben. Das macht ein Blick auf die Lagerhausprojekte, die in den nächsten Jahren geplant sind, deutlich. Ein wachsender Teil der Lagerflächen wird den Kunden nicht mehr "nackt" angeboten. Vielmehr sind die Flächen bereits funktionsfähig und werden von spezialisierten Dienstleistern betrieben. Das gilt sowohl für Neubauprojekte als auch die Modernisierung bestehender Logistik- und Abwicklungszentren.

Das Handelshaus Sumitomo Corporation hat im September 2022 mit dem amerikanischen Start-up Dexterity eine Vereinbarung getroffen. Danach darf Sumitomo die auf künstlicher Intelligenz basierende Robotertechnik von Dexterity in Japan exklusiv vertreiben. Damit will Sumitomo eine Robot-as-a-Service (RaaS)-Plattform aufbauen, die Ausrüstung und Service als Abonnement anbietet. Mit seinem Lagerhausgeschäft SOSiLA bietet Sumitomo seinen Kunden bereits eine Lösung, auf der die RaaS-Plattform aufbauen kann. 

Auf Kooperation bauen auch die Softbank-Ableger Softbank Robotics und SB Logistics. Seit 2021 setzen sie auf die Automatisierungslösung und Roboter der amerikanischen Firma Berkshire Grey. Diese ist an der Ausrüstung des größten Abwicklungszentrums der Softbank Group in Ichikawa in der Präfektur Chiba beteiligt. Ziel ist ein ganz ohne Menschen betriebenes, vollautomatisiertes Fulfillment Center. SB Logistics und Berkshire Grey wollen ihre Automatisierungskooperation auch über die Softbank-interne Logistik hinaus ausbauen.

Robotereinsatz nimmt zu

In Lagerhäusern und Fulfillment-Zentren übernehmen Roboter immer mehr Aufgaben. Dazu zählen mobile Lösungen für den Transport oder stationäre für das Ein- und Auspacken von Paketen. Laut "IT-Navigator 2022" des Nomura Research Institute soll der japanische Markt für Logistik- und Transportroboter zwischen 2021 und 2027 auf Yen-Basis um mehr als das Dreifache auf umgerechnet circa 610 Millionen US-Dollar (geschätzter Wechselkurs: 1 US$ = 135 Yen) zulegen.

Auch Start-ups bieten hierfür Lösungen. So hat etwa die japanische Technologiefirma Mujin Robotik-Kontrollsysteme entwickelt. Deren Ziel ist es, ein komplett autonomes Lagerhaus zu schaffen. Ein anderes innovatives Start-up ist die japanische Telexistence. Diese arbeitet gegenwärtig mit den Logistikunternehmen Nichirei Logistics und Senko daran, über ferngesteuerte Roboter und die eigenentwickelte Augmented-Reality-Plattform Paletten zu be- und entladen.

Auf der anderen Seite ist die bereits 1934 in Osaka gegründete Daifuku der weltweit größte Anbieter von Fördertechnik. Der Konzern bietet die ganze Palette von Intralogistiklösungen an. Zwar hat das Unternehmen laut der Branchenwebseite "Modern Materials Handling" im Jahr 2021 weniger Umsatz gemacht, aber dennoch den ersten Platz im Ranking der Top-20 Firmen weltweit verteidigt.

Effiziente Logistik ist gefragt

Allgemein stellen für die japanischen Kunden Schnelligkeit, Transparenz und Wirtschaftlichkeit wichtige Wettbewerbsfaktoren dar. Hinzugekommen ist die Anforderung, den CO2-Fußabdruck in den Lieferketten zu verringern. So steigt nicht nur die Nachfrage nach automatisierter Fördertechnik. Auch energieeffiziente Lösungen sind gefragt. Dazu zählen vor allem elektrifizierte Fördergeräte wie batterie- oder wasserstoffbetriebene Gabelstapler.

Durch die Coronapandemie und die bereits vorher aufgetretenen handelspolitischen Veränderungen ist das gesamte Thema Logistik und Lieferketten auf der Agenda der japanischen Regierung weit nach oben gerückt. Um die Basis für eine zukünftig stabile Versorgung zu schaffen, hat sie im Juni 2021 die "Comprehensive Physical Distribution Policy (FY2021-2025)" verabschiedet.

Dabei verfolgt sie drei Punkte:

  1. Die Lieferketten durch digitale Transformation zu optimieren.
  2. Dem Arbeitskräftemangel und den steigenden Kosten zu begegnen.
  3. Ein resilientes und langfristig tragbares Distributionssystem zu etablieren.
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