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Branchen | Japan | Nahrungsmittel, Getränke

Nahrungsmittel mit Zusatznutzen nachgefragt

Japans Markt für funktionelle Lebensmittel und Nutrazeutika soll in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Von Jürgen Maurer | Tokyo

Functional Food im Aufwind

Gerade durch die Covid-19-Pandemie ist in Japan eine gesündere Ernährungsweise in den Fokus gerückt. Insgesamt wird der japanische Markt für Gesundheitsnahrung laut Prognosen des Marktforschungsinstituts Fuji Keizai im Jahr 2020 um 0,9 Prozent gegenüber 2019 auf rund 13,6 Milliarden US-Dollar (US$) zugenommen haben. Die Studie von Fuji Keizai wurde im Januar 2021 veröffentlicht.

Unter Gesundheitsnahrung (Foods with Health Claims) fallen Lebensmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert sind oder Teil eines Lebensmittels sind, das einen gesundheitlichen oder medizinischen Nutzen haben soll. Bereits 1991 hat das japanische Gesundheitsministerium (Ministry of Health, Labor and Welfare) die Kategorie „Food for specified health use“ (FOSHU) definiert. Diese ist inzwischen auf eine große Bandbreite angewachsen. Mit der Entwicklung immer neuer Produkte und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse hat Japan 2001 das System um „Foods with Nutrient Function Claims“ (FNFC) und 2015 um „Foods with Function Claims“ (FFC) erweitert. Diese sind jedoch zu unterscheiden von einer Vielfalt an Nahrungsergänzungsmitteln, die in Form von Tabletten, Pulvern und Flüssigkeiten angeboten werden, und der Gesundheit und Schönheit dienlich sein sollen.

Laut im Januar 2021 vom Marktforschungsunternehmen Yano Research veröffentlichter Zahlen soll das FOSHU-Segment im Fiskaljahr 2020 (1. April bis 31. März) gegenüber 2019 um 0,7 Prozent auf circa 8 Milliarden US$ steigen. Am schnellsten wächst das Segment "Foods with Function Claims", das geschätzt um 11,8 Prozent auf 2,6 Milliarden US$ zulegen soll. Die Zahlen basieren auf Lieferangaben der Hersteller in Japan.

Corona rückt Gesundheit stärker in den Fokus

Angeschoben von der Covid-19-Pandemie hat der Absatz von „Functional Food“ in Japan zuletzt zugelegt. Mit dem Blick auf beschränkte sportliche Aktivitäten sollen sie die Darmfunktionen antreiben beziehungsweise bei der Gewichtsabnahme unterstützen. Darüber hinaus werden Vitamine und Mineralstoffe rege nachgefragt, die das Immunsystem stärken sollen oder damit beworben werden, die Entstehung von Zivilisationskrankheiten zu verhindern.

Abgesehen von Lebensmittelzusätzen zur Gesundheitsförderung existiert in Japan auch ein großer Absatzmarkt für Nahrungsergänzungsmittel. Dieser Markt soll, gemäß Anfang 2020 veröffentlichter Schätzungen von Fuji Keizai, 2020 mit umgerechnet 8,4 Milliarden US$ stabil geblieben sein. Allerdings steigt bei diesen Produkten vor allem die Nachfrage nach Mitteln, die Bluthochdruck verhindern oder den Blutzucker senken sollen. Diese werden über Supermärkte, Convenience-Läden, Drogerien und E-Commerce-Plattformen sowie TV-Shopping-Kanäle vertrieben.

Abgesehen von den einheimischen Konsumenten sind in den vergangenen Jahren auch ausländische Touristen als Käufergruppe zunehmend in den Blick geraten, die solche Produkte gerne mit nach Hause nehmen. Jedoch hat im Jahr 2020 der starke Rückgang ausländischer Einreisender den Absatz der japanischen Anbieter ausgebremst. Daher setzen Unternehmen verstärkt auf den grenzüberschreitenden E-Commerce.

Japan sucht nach Gesundheitsprodukten

Aus den Entwicklungsabteilungen der Nahrungsmittel- und Getränke-Unternehmen kommen immer wieder neue Erzeugnisse. Große Branchenkonzerne wie Asahi, Suntory und Kirin aber auch pharmazeutische Unternehmen sind hier aktiv. Seit der Einführung der FFC-Kategorie wurden gemäß der Consumer Affairs Agency bereits mehr als 2.400 solcher Erzeugnisse zugelassen.

Die Regierung strebt auch langfristig vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit einer schnell alternden Gesellschaft danach, die Lebens- und Arbeitskraft der Bevölkerung zu erhalten. So wird die Vermarktung von funktionellen Lebensmitteln und Nutrazeutika in den nächsten Jahren zunehmen. Japan will bei der Entwicklung von solchen Produkten zu den Vorreitern gehören.

Für die Produktion werden unter anderem Provitamine und Vitamine benötigt. Deren Import (HS-Position 2936) hat im Corona-Jahr 2020 weiter leicht auf 224 Millionen US$ zugelegt. Darunter ist laut Zahlen der UN-Comtrade Deutschland hinter China der zweitgrößte Lieferant und konnte die wertmäßigen Lieferungen gegenüber 2019 um 8 Prozent steigern. 

Japans größte Lieferländer von Provitaminen und Vitaminen (in Mio. US$, Veränderung in Prozent)

2019

2020

Veränd. 2020/2019

China

126

115

-8,7

Deutschland

25

27

8,0

Schweiz

18

26

44,4

Großbritannien

13

16

23,1

Frankreich

14

14

0,0

Gesamt Import

222

224

0,9

HS-Position 2936Quelle: UN-Comtrade

Vertrauen ist wichtig

Die meisten Gesundheitsprodukte versprechen Verbesserungen des Verdauungstrakts, des Blutkreislaufs, der kognitiven Funktionen oder der Haut und sollen zudem etwa hohen Blutdruck, Blutzucker oder Fettablagerungen verringern. Dabei stehen die Unternehmen für die Richtigkeit der Angaben zur Wirkung der funktionellen Zusatzstoffe in der Pflicht. Anders als bei FOSHU-Erzeugnissen müssen sie dabei jedoch keine hohen Zulassungshürden überwinden.

Damit sich dieses Marktsegment nicht unkontrolliert entwickelt, sind je nach Inhalt entweder Japans Gesundheitsministerium oder die Consumer Affairs Agency als regulatorische Institutionen zuständig. Die 1985 gegründete Japan Health and Nutrition Food Association (JHNFA) hat hingegen eigene freiwillige Standards entwickelt, eine eigene Kennzeichnung für Gesundheitsnahrung und ein eigenes GMP (Good Manufacturing Practice)-Zertifizierungssystem geschaffen und fungiert damit eher als Zertifizierer denn als Regulator. 

In Japan haben sich rund um dieses Thema mehrere Messen etabliert, etwa die „HI - Health Ingredients Japan“, die seit mehr als 30 Jahren existiert. Gemeinsam mit Messepartnern koordiniert, findet die Veranstaltung jährlich in Tokyos Messegelände Big Sight statt. Seit über 40 Jahren existiert mit einem etwas breiterem Fokus die „Health & Wellness Japan“, die ebenfalls auf dem Big-Sight-Gelände stattfindet. Nicht zuletzt ist die „Health Food Exhibition & Conference“ auf Gesundheitsnahrung ausgerichtet. Sie wird jährlich zeitgleich mit der „International Food Ingredients & Additives Exhibition and Conference“ im Pacifico Yokohama abgehalten.

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